Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Technologie der TU Ilmenau gewinnt Innovationspreis Thüringen 2012

28.11.2012
Die Ilmenauer Firma fayteq, eine Ausgründung der TU Ilmenau, hat den Innovationspreis Thüringen 2012 in der Kategorie „Kommunikation und Medien“ gewonnen. Der Preis wurde für die innovative Technologie „Real-Time Diminished Reality“ vergeben, mit der man in einem Video Gegenstände in Echtzeit verschwinden lassen kann.
Das System wurde am Fachgebiet der TU Ilmenau „Virtuelle Welten und Digitale Spiele“ von dessen Leiter Prof. Wolfgang Broll und dem Informatiker Jan Herling entwickelt. Prof. Broll, Chef der Firma fayteq, ist über den Preis begeistert: „In unserer Technologie steckt sehr viel Forschungs- und Entwicklungsarbeit. Dieser Preis zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“

Die Verwendung des Diminished Reality-Systems ist denkbar einfach: Während der Videostream auf einem Monitor angezeigt wird, wählt man den Gegenstand, den man entfernen möchte, lediglich aus und schon verschwindet er. Dabei geht die Technologie in zwei Schritten vor: Um zu ermitteln, welcher Teil des Gesamtbildes ersetzt werden muss, wird das Objekt, nachdem es manuell ausgewählt wurde, automatisch in jedem einzelnen der 25 Bilder pro Sekunde des Livestreams erkannt. Seine Umrisse definieren nun jenen Bildbereich, dessen einzelne Bildpixel ersetzt werden müssen. In einem zweiten Schritt wird der so definierte Bildbereich nun, ebenfalls automatisch, mit Bildinformationen ausgefüllt, die dem restlichen Bild aus der Umgebung des Objektes entnommen werden. Das Diminished Reality-System leistet beide Aufgaben innerhalb weniger Millisekunden und kann daher nicht nur für statische Fotos, sondern insbesondere auch für Live-Videostreams eingesetzt werden.

Aufgrund ihrer Echtzeitfähigkeit ist die Technologie weltweit einzigartig. Ihr größtes Potenzial liegt im Bereich von Live-Übertragungen, in denen in Zukunft vollkommen neue Werbeformen wie zielgruppenorientierte Werbung möglich sein werden. So könnte in einem Fußballspiel die Bandenwerbung oder sogar die Trikotwerbung der Spieler individuell angepasst werden. Auch überall dort, wo die Qualität der erzielten Videoergebnisse im Vordergrund steht, ergeben sich durch die Diminished Reality-Technologie ganz neue Möglichkeiten. In professionellen Filmen müssen oft ganze Szenen nachgedreht oder aufwändig Bild für Bild retuschiert werden, weil etwas im Bild ist, das bei der Aufnahme übersehen und erst am Schneidetisch entdeckt wurde, beispielsweise ein Mikrofon. Mit Hilfe der Diminished Reality-Technologie könnten solche Gegenstände in Sekundenbruchteilen entfernt werden.

Der potenzielle Markt für das neue Verfahren ist gigantisch, weil es in zahllosen Bereichen eingesetzt werden kann: In der Videospieleindustrie, der Architektur, der Produktions- und Fertigungsindustrie oder auch im Internethandel. Wollte man beispielsweise bisher wissen, wie ein neues Möbelstück in der eigenen Wohnung wirkt, musste man dazu im heimischen Wohnzimmer mit dem Prospekt in der Hand viel Vorstellungskraft besitzen. Diminished Reality ermöglicht es jetzt einfach mit Hilfe eines Tablet-PCs, der sozusagen als „Fenster in die Welt“ benutzt wird, Möbel aus der Ansicht der Wohnung herauszulöschen. Nun kann die quasi leere Wohnung mit neuen Möbeln aus einem digitalen Katalog neu eingerichtet werden.

Die Ilmenauer Forscher arbeiten daran, Diminished Reality für Smartphones der aktuellen Generation verfügbar zu machen. Damit kann dann jeder die Technologie nutzen, egal, wo er sich befindet, entweder nur als Spaß-App oder auch, um beispielsweise den störenden Baukran aus dem Urlaubsvideo zu entfernen.

Nicht nur im privaten Bereich, auch in der Industrie sind Anwendungen der Diminished Reality-Technologie denkbar, etwa wenn Lagerhallen oder Fließbänder umgebaut oder verändert werden sollen. Völlig neue interaktive Film- und Fernsehformate könnten entstehen, in denen Zuschauer während der Ausstrahlung von Kino- oder Fernsehfilmen beliebige Objekte entfernen oder verändern. In Computerspielen wäre es möglich, die echte Umgebung der Spieler dynamisch in das Spiel einzubeziehen, was vollkommen neue Formen von digitalen Spielen, insbesondere im Outdoor-Bereich, möglich macht. Städteplaner würden in die Lage versetzt, aus der Sicht der Eigentümer alte baufällige Gebäude zu entfernen und sofort durch neue Bauwerke, Parks, oder Straßen zu ersetzen. Ingenieure wären in der Lage, ihre Planung bereits vor Ort zu optimieren, und somit Zeit und Kosten zu sparen. Museen könnten Besuchen neuen Interaktionsmöglichkeiten mit den ausgestellten Kunstwerken ermöglichen: Um Techniken der Künstler sichtbar zu machen oder künstlerische Merkmale aufzudecken, ließen sich Plastiken verändern oder Elemente aus Bildern entfernen.

Der Thüringer Innovationspreis wurde 2012 vom Thüringer Wirtschaftsministerium, der Stiftung für Technologie, Innovation und Forschung Thüringen (STIFT), dem TÜV Thüringen und der Ernst-Abbe-Stiftung zum 15. Mal vergeben. Auch in den vergangenen zwei Jahren war der Innovationspreis Thüringen in der Kategorie „Kommunikation & Medien“ nach Ilmenau gegangen. Im vergangenen Jahr erhielt die Audanika GmbH, eine Ausgründung des Fraunhofer-Instituts für Digitale Medientechnologie (IDMT), das auf dem Campus der TU Ilmenau angesiedelt ist, die Auszeichnung für SoundPrism, einem elektronischen Tool zum Komponieren, und 2010 gewann das Fraunhofer IDMT mit einem Flachlautsprecher.

Kontakt:
Prof. Wolfgang Broll
Leiter Fachgebiet Virtuelle Welten und Digitale Spiele
Telefon: +49 3677/69-4735
E-Mail: wolfgang.broll@tu-ilmenau.de

Bettina Wegner | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-ilmenau.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Ausschreibung des Paul-Martini-Preises 2018 für klinische Pharmakologie
19.09.2017 | Paul-Martini-Stiftung (PMS)

nachricht EU fördert exzellente Nachwuchsforschung: Zehn Auszeichnungen gehen nach Nordrhein-Westfalen
15.09.2017 | Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Im Focus: Ultrakurze Momentaufnahmen der Dynamik von Elektronen in Festkörpern

Mit Hilfe ultrakurzer Laser- und Röntgenblitze haben Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik (Garching bei München) Schnappschüsse der bislang kürzesten Bewegung von Elektronen in Festkörpern gemacht. Die Bewegung hielt 750 Attosekunden lang an, bevor sie abklang. Damit stellten die Wissenschaftler einen neuen Rekord auf, ultrakurze Prozesse innerhalb von Festkörpern aufzuzeichnen.

Wenn Röntgenstrahlen auf Festkörpermaterialien oder große Moleküle treffen, wird ein Elektron von seinem angestammten Platz in der Nähe des Atomkerns...

Im Focus: Ultrafast snapshots of relaxing electrons in solids

Using ultrafast flashes of laser and x-ray radiation, scientists at the Max Planck Institute of Quantum Optics (Garching, Germany) took snapshots of the briefest electron motion inside a solid material to date. The electron motion lasted only 750 billionths of the billionth of a second before it fainted, setting a new record of human capability to capture ultrafast processes inside solids!

When x-rays shine onto solid materials or large molecules, an electron is pushed away from its original place near the nucleus of the atom, leaving a hole...

Im Focus: Quantensensoren entschlüsseln magnetische Ordnung in neuartigem Halbleitermaterial

Physiker konnte erstmals eine spiralförmige magnetische Ordnung in einem multiferroischen Material abbilden. Diese gelten als vielversprechende Kandidaten für zukünftige Datenspeicher. Der Nachweis gelang den Forschern mit selbst entwickelten Quantensensoren, die elektromagnetische Felder im Nanometerbereich analysieren können und an der Universität Basel entwickelt wurden. Die Ergebnisse von Wissenschaftlern des Departements Physik und des Swiss Nanoscience Institute der Universität Basel sowie der Universität Montpellier und Forschern der Universität Paris-Saclay wurden in der Zeitschrift «Nature» veröffentlicht.

Multiferroika sind Materialien, die gleichzeitig auf elektrische wie auch auf magnetische Felder reagieren. Die beiden Eigenschaften kommen für gewöhnlich...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

»Laser in Composites Symposium« in Aachen – von der Wissenschaft in die Anwendung

19.09.2017 | Veranstaltungen

Biowissenschaftler tauschen neue Erkenntnisse über molekulare Gen-Schalter aus

19.09.2017 | Veranstaltungen

Zwei Grad wärmer – und dann?

19.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

»Laser in Composites Symposium« in Aachen – von der Wissenschaft in die Anwendung

19.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Zentraler Schalter der Immunabwehr gefunden

19.09.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Materialchemie für Hochleistungsbatterien

19.09.2017 | Biowissenschaften Chemie