Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Seltsamste Forschungen des Jahres prämiert

02.10.2009
Schweizer Gerichtsmediziner gewinnen Ig-Nobelpreis für Frieden

Die seltsamsten Forschungsarbeiten der Welt wurden am gestrigen Donnerstag an der Universität Harvard zum bisher 19. Mal mit dem Ig-Nobelpreis ausgezeichnet.

Der Ig-Preis, der für "ignoble", zu deutsch "schmachvoll" steht, folgt dem Motto "erst zum Lachen, dann zum Denken bringen". In einer penibel inszenierten Zeremonie mit 1.000 Besuchern hielt Benoit Mandelbrot, Pionier der fraktalen Geometrie, eine 60-Sekunden-Rede über die Risiken der Finanzmärkte, ehe echte Nobelpreisträger die Ig-Preise in zehn Kategorien überreichten. Ausgewählt hatte man wie immer Forschungen, die in den wissenschaftlichen Publikationen des vergangenen Jahres als besonders unüblich oder unnütz aufgefallen waren.

So ging der Physikerpreis etwa in die USA für die Erkenntnis, warum schwangere Frauen nicht umkippen. Eine US-Ärztin, die früher evakuierte Kinder nach dem Tschernobyl-Unglück behandelt hatte, wurde für die Entwicklung eines Büstenhaltes mit dem Preis für Gesundheitswesen ausgezeichnet. Die Erfindung kann im Notfall zu zwei Atemmasken umgebaut werden. Als bester Ig-Chemiker darf sich der mexikanische Erfinder einer Diamantherstellung aus Tequila bezeichnen. Geehrt wurden auch die britischen Entdecker des Vorteils der Namensgebung von Kühen, denn ihren Erhebungen zufolge geben Kühe mit Namen jährlich um 250 Liter mehr Milch.

Der Medizinpreis ging an den Forscher, der in 60 Jahren Selbstversuch bewiesen hatte, dass Knöchelknacken keine Arthrose verursacht. Das isländische Bankensystem wurde honoriert für den Nachweis, dass sich kleine Banken schnell in große verwandeln können und umgekehrt. Dem Direktor der Nationalbank Zimbabwes hielt man mathematische Verdienste zugute, da sein Land gleichzeitig Banknoten von einem Cent bis zu Hundert Billionen Dollar drucke, was der Bevölkerung hohe Fähigkeiten im Umgang mit Zahlen verleihe.

Der Friedenspreis ging schließlich an das Team um Stephan Bolliger vom Institut für Rechtsmedizin der Universität Bern. Die Forensiker konnten zeigen, dass eine Halbliterflasche Bier ein stumpfes Schädeltrauma hervorrufen kann. "Sowohl volle als auch leere Bierflaschen können schwere Verletzungen bis hin zum Schädelbruch verursachen. Allerdings detoniert die volle Flasche schneller, was die leere noch gefährlicher macht", berichtet Michael Thali, Direktor des Instituts, im pressetext-Interview. Die Ausgangsfrage dieser Forschung sei im Gerichtssaal aufgetaucht, woraufhin die sachverständigen Forscher eine physikalische Überprüfung vornahmen. "Dies war wissenschaftlicher Ernst statt Jux der Forscher, zudem wurde die Studie in einem anerkannten Fachjournal publiziert und zuvor durch die Qualitätssicherung des Peer-reviews begutachtet." Sonderlich groß sei der Beitrag der Ergebnisse zum Weltfrieden allerdings nicht, vermutet der Institutsleiter.

Kopfzerbrechen bereitete Thali bei Bekanntgabe der Auszeichnung die Frage, wie man als anerkanntes Universitätsinstitut mit ihr umgehen solle. "Ein echter Nobelpreis wäre uns zwar sicher lieber gewesen und einige werden über die Vergabe lachen, doch können wir uns keinen Vorwurf fehlender Korrektheit machen. Wir entschieden uns daher, die Studienautoren doch zur Zeremonie zu schicken." Wissenschaft werde oft ernst dargestellt, könne jedoch auch lustig sein, sobald man sie mit einer anderen Brille sehe. Der ulkige Beigeschmack des Preises gehe einerseits auf die damit verbundene Zeremonie, bei der echte Nobelpreisträger anwesend sind, zurück, sowie auf die verkürzte Darstellung der Forschungen in den Medien. "Die Forschungen werden stets aus dem Zusammenhang gerissen, was sie ins Lächerliche zieht."

Fernsehbeitrag zur Schweizer Forschung: http://videoportal.sf.tv/video?id=27c43a9e-353b-4a1a-9b73-60d0ee5c3b92&referrer=http%3A%2F%2Fwww.sf.tv%2Fsendungen%2F10vor10%2Findex.php

Johannes Pernsteiner | pressetext.schweiz
Weitere Informationen:
http://improbable.com
http://www.irm.unibe.ch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht BRIESE-Preis 2016: Intelligente automatisierte Bildanalyse erschließt Geheimnisse am Meeresgrund
20.01.2017 | Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde

nachricht Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert
20.01.2017 | University of Twente

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise