Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Rheuma-Forschung: Starthilfe für die „Youngsters“

29.09.2010
Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie vergibt Start-up-Förderung

Mit der Start-up-Initiative fördert die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) gemeinsam mit ihrem Forschungsverbund, dem Kompetenznetz Rheuma (KNR), innovative wissenschaftliche Projekte auf dem Gebiet der Rheumatologie.

Die Ausschreibung richtet sich an Wissenschaftler, die nicht älter als 38 Jahre sind. In diesem Jahr geht der Nachwuchsförderpreis an den Mediziner Jan Leipe aus München und an den Biologen Jürgen Wittmann aus Erlangen. Beide erhalten für die Förderdauer von zwei Jahren jeweils 50.000 Euro. In ihren Projekten erforschen sie die krankmachenden molekularen Vorgänge bei rheumatoider Arthritis, der häufigsten entzündlich-rheumatischen Erkrankung.

Oft stellt sich Nachwuchswissenschaftlern mit neuen, originellen Forschungsideen die Frage, wie sie ihr Projekt finanziert bekommen können. Unterstützung von etablierten Förderinstitutionen wie der Deutsche Forschungsgemeinschaft zu erhalten, ist nicht einfach. Denn diese verlangen in ihren Förderanträgen umfassende wissenschaftliche Vorarbeiten und Referenzen. Die liegen bei jungen Forschungsansätzen naturgemäß noch nicht vor.

Hier möchte die Start-up-Förderung der DGRh Starthilfe geben. Als eine Art Anschubfinanzierung soll sie die Voraussetzungen für einen späteren Förderantrag schaffen. Die Start-up-Ausschreibung findet jährlich statt. Das Preisgeld von insgesamt 100.000 Euro pro Jahr stellt die Firma Wyeth BioPharma als unconditional grant[1] zur Verfügung.

In diesem Jahr haben 13 Wissenschaftler und Forschergruppen von deutschen Hochschulen und Kliniken ihre Anträge beim KNR eingereicht. Das internationale Gutachtergremium bewertete die Projekte nach den Kriterien Innovativität, Originalität und Qualität. Überzeugen konnten Dr. Jürgen Wittmann (36) aus der Abteilung für Molekulare Immunologie am Universitätsklinikum Erlangen und die Arbeitsgruppe um Dr. Jan Leipe (33) von der Rheumaeinheit am Klinikum der Ludwig-Maximilian-Universität München. KNR-Sprecher Professor Thomas Pap überreichte den Preisträgern ihre Auszeichnung auf dem DGRh-Kongress, der vom 15. bis 18. September in Hamburg stattfand.

[1] Bei dieser Form des Sponsorings nimmt die Firma keinen Einfluss auf das Projekt sowie die Datensammlung, Analyse und Publikation der Ergebnisse.

Start-up Gewinner 2010

Dr. Jürgen Wittmann will mit seinem Projekt herausfinden, ob eine bestimmte molekulare Gensubstanz in den Gelenkszellen (synoviale Fibroblasten) von Patienten mit rheumatoider Arthritis (RA) verändert ist. Es geht ihm um den „Bauplan“ der sogenannten microRNAs. Das sind kleine Eiweiße, die Erbinformationen von der DNA zum „Ausführungsort“ transportieren und so zelluläre Prozesse regulieren. Dazu analysiert der Erlanger Biologe die Zusammensetzung der bisher bekannten micoRNAs in synovialen Fibroblasten von RA-Patienten. Als Vergleich dienen die micoRNAs von Arthose-Patienten und Gesunden. Wenn es Unterschiede gibt, könnte diese Erkenntnis für die diagnostische Zwecke eingesetzt werden. In einem zweiten Schritt sollen die so identifizierten, spezifischen micoRNAs auf mögliche Veränderungen nach einer Therapie untersucht werden, um Hinweise für den Verlauf der Krankheit zu erhalten.

Das Zusammenspiel zwischen genetischer Veranlagung und dem vermehrten Auftreten entzündungsfördernder Immunzellen bei RA-Patienten erforscht die Arbeitsgruppe um Dr. Jan Leipe. Den Wissenschaftlern geht es um eine bestimmte genetische Variante des Interleukin-4-Rezeptors, die bei manchen RA-Betroffene nachzuweisen ist. Beim Vorhandensein dieser Genveränderung kommt es zu aggressiveren Krankheitsverläufen und schnellerer Gelenkzerstörung. Außerdem werden bei Patienten mit diesem genetischen Merkmal vermehrt entzündungsfördernde Immunzellen (Th17-Zellen) gebildet. Die Erforschung dieser Mechanismen kann dazu beitragen zu erklären, welche genetischen Voraussetzungen zu entzündlich-immunologischen Veränderungen bei RA-Patienten führen.

Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie e.V. (DGRh) ist mit mehr als 1.200 Mitgliedern die größte medizinische Fachgesellschaft in Deutschland im Bereich der Rheumatologie. Sie repräsentiert seit mehr als 80 Jahren die rheumatologische Wissenschaft und Forschung und deren Entwicklung in Deutschland. Als gemeinnütziger Verein arbeitet die DGRh unabhängig und ohne Verfolgung wirtschaftlicher Ziele zum Nutzen der Allgemeinheit.

Sandra Wittig | DGRH
Weitere Informationen:
http://www.dgrh.de/startup10.html
http://www.dgrh.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht BRIESE-Preis 2016: Intelligente automatisierte Bildanalyse erschließt Geheimnisse am Meeresgrund
20.01.2017 | Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde

nachricht Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert
20.01.2017 | University of Twente

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Event News

Sustainable Water use in Agriculture in Eastern Europe and Central Asia

19.01.2017 | Event News

12V, 48V, high-voltage – trends in E/E automotive architecture

10.01.2017 | Event News

2nd Conference on Non-Textual Information on 10 and 11 May 2017 in Hannover

09.01.2017 | Event News

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise