Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

"Jakob Muth-Preis für inklusive Schule" geht nach Berlin, Gießen und Hannover

27.08.2009
Gemeinsames Lernen und individuelle Förderung aller Kinder sind möglich

Der "Jakob Muth-Preis für inklusive Schule", der in die­sem Jahr zum ersten Mal verliehen wird, geht an drei gleichberechtigte Preisträger: Die Erika-Mann-Grundschule in Berlin, die Sophie-Scholl-Schule in Gießen und die Integrierte Gesamtschule Hannover-Linden.

Für ihren vorbildlichen gemeinsamen Unterricht von behinderten und nicht be­hinderten Kindern erhalten die drei Schulen jeweils ein Preisgeld von 3.000 Euro. Projektträger des Jakob Muth-Preises sind die Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, Karin Evers-Meyer, die Bertelsmann Stiftung und die Deutsche UNESCO-Kommission.

Die seit Anfang 2009 auch in Deutschland verbindliche UN-Behindertenkonvention fordert in Arti­kel 24 ein inklusives Schulsystem. Das bedeutet eine "Schule für alle", in der Kinder mit und ohne Behinderung wohnortnah und gemeinsam gemäß ihrer individuellen Bedürfnisse unterrichtet wer­den. Deutschland ist von diesem Ziel allerdings noch weit entfernt: Von den rund 500.000 Schüle­rinnen und Schülern, denen sonderpädagogischer Förderbedarf zugesprochen wird - unter ihnen viele Kinder mit Migrationshintergrund - werden rund 85 Prozent an speziellen Förderschulen un­terrichtet. Diese erweisen sich häufig als Sackgasse für die weitere Entwicklung der Kinder: Sie erhalten nur in den seltensten Fällen einen qualifizierenden Schulabschluss und eine langfristige gesellschaftliche Teilhabe wird ihnen wesentlich erschwert.

Dass es anders geht, zeigen z.B. Spanien, Italien und die skandinavischen Länder - hier besu­chen fast alle Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf allgemeine Schulen, in Großbritan­nien sind es über 60 Prozent. Der Jakob Muth-Preis - benannt nach dem Bochumer Professor Jakob Muth (1927-93), der sich intensiv für eine gemeinsame Erziehung behinderter und nicht behinderter Kinder einsetzte - will den Gedanken des inklusiven Unterrichts in Deutschland vo­rantreiben. Die positiven Beispiele für diesen "gemeinsamen Unterricht" sollen bekannt werden und Schulen zur Nachahmung ermuntern. Beworben hatten sich für den Preis 144 Schulen aller Schulformen aus allen Bundesländern.

"Die UN-Behindertenrechtskonvention, die Anfang 2009 ratifiziert wurde, verpflichtet Deutschland, Veränderungen hin zu einer Schule für alle einzuleiten und sie verpflichtet die Schulen, sich dieser Aufgabe zu stellen", so Karin Evers-Meyer. "Die hohe Qualität und Anzahl der Bewerbungen hat uns sehr positiv überrascht. Sie beweisen, dass gemeinsamer Unterricht von behinderten und nicht behinderten Kindern in Deutschland möglich ist."

"Respekt vor der Würde eines Menschen und die Solidarität in schwierigen Situationen sind Vor­aussetzungen für eine funktionierende, lebendige Gemeinschaft. Dazu gehört auch, dass allen Menschen die Teilhabe in der Gesellschaft und ein selbst bestimmtes Leben ermöglicht werden. Die Erika-Mann-Grundschule, die Sophie-Scholl-Schule und die IGS Linden sind eindrucksvolle Beispiele dafür, wie jedes Kind in seiner Einzigartigkeit gefördert werden kann", betont Liz Mohn, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann Stiftung. Die jahrelange Erfahrung der Preisträger beweise: von einem gemeinsamen Unterricht mit individueller Förderung profitieren am Ende alle Kinder.

Walter Hirche, Präsident der Deutschen UNESCO-Kommission, unterstreicht: "Die UNESCO-Welt­konferenz der Bildungsminister im November 2008 hat klar Position bezogen: Bildungssysteme müssen inklusiv gestaltet werden. Deutschland ist hier im internationalen Vergleich noch nicht weit genug: Bisher erhalten nur 15 Prozent aller behinderten Kinder die Möglichkeit, gemeinsam mit nicht behinderten Kindern zur Schule zu gehen. Wir brauchen inklusive Schulen, die - wie unsere Preisträger - flexibel auf die Bedürfnisse aller Kinder eingehen."

Bewerben konnte sich jede Schule, die sich auf dem Weg zur inklusiven Schule befindet: ob För­der- oder Regelschule, Grund- oder weiterführende Schule, Schule in öffentlicher oder privater Trägerschaft. Weitere Informationen zum Preis finden Sie unter www.jakobmuthpreis.de.

Die Preisverleihung findet statt am 31. August 2009, 14:30 - 16:00 Uhr, in der Berliner Bertelsmann Repräsentanz, Unter den Linden 1.

Rückfragen an: Petra Rutkowsky, Telefon: 0 52 41 / 81-81 498; E-Mail: petra.rutkowsky@bertelsmann-stiftung.de

Ute Friedrich | idw
Weitere Informationen:
http://www.jakobmuthpreis.de
http://www.bertelsmann-stiftung.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro
24.03.2017 | Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg

nachricht TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro
24.03.2017 | Technische Universität Kaiserslautern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise