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"European Research Council": Drei LMU-Forscher erhalten von EU Millionenförderung

18.01.2010
Erneut waren Wissenschaftler der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München sehr erfolgreich beim Einwerben millionenschwerer EU-Förderungen. Die Medizinerin Professor Erika von Mutius, der Geowissenschaftler Professor Donald Bruce Dingwell und der Physiker Professor Ferenc Krausz erhalten je einen Advanced Investigator Grant vom European Research Council (ERC).

Erika von Mutius ist Kinderärztin und Epidemiologin an der Dr. von Haunerschen Kinderklinik der LMU. Der ERC fördert ihr Forschungsprojekt zum Thema präventive Strategien gegen Asthma und Allergien. Donald B. Dingwell, Lehrstuhlinhaber Mineralogie und Petrologie und Direktor des Department Geo- und Umweltwissenschaften der LMU, wird zu den Auswirkungen vulkanischer Aktivität auf das System Erde forschen.

Ferenc Krausz, Professor für Experimentalphysik an der LMU und Direktor am Max-Planck-Institut für Quantenoptik, erhält die Förderung für sein Projekt, um Geschehnisse im Mikrokosmos in vier Dimensionen abzubilden. Zudem ist der Linguist Professor Adamantios I. Gafos von der New York University eingeladen, seine durch einen Advanced Investigator Grant finanzierte Forschung an der LMU als Gastuniversität durchzuführen.

Zum Projekt von Professor Erika von Mutius

Asthma und Allergien sind komplexe Erkrankungen und werden durch das Zusammenspiel von genetischen und umweltbedingten Faktoren ausgelöst. Therapien können bislang nur die Symptome kontrollieren, die Grunderkrankung aber weder heilen noch verhindern. In vorangegangenen Arbeiten konnte Professor Erika von Mutius mit ihrem Team bereits zeigen, dass Kinder vor Asthma und Allergien geschützt sind, wenn sie in ländlicher Umgebung auf einem Bauernhof mit einer Vielzahl von Erregern aufwachsen. Im Vergleich dazu treten Asthma und Heuschnupfen in der Stadt fünfmal häufiger auf. Diese Studien sind so weit fortgeschritten, dass nun Mikroben und deren immunstimulierenden Bestandteile, die vor Asthma und Allergien schützen, systematisch identifiziert werden können. Eben dies soll das Projekt HERA ("Host-environment interactions in the protection from asthma and allergies") ermöglichen. In einem ersten Schritt wird die mikrobielle Ökologie bereits gesammelter Proben umfassend charakterisiert werden. Neue Methoden sollen zudem entschlüsseln, wie bestimmte Komponenten dieser Erreger das menschliche Immunsystem anregen. So könnten im Rahmen von HERA spezifische Mikroben identifiziert werden, die vor Asthma und Allergien schützen - und zwar maßgeschneidert für individuelle genetische Anlagen des Menschen. Langfristig sollen dann die entscheidenden Bestandteile der Erreger isoliert und für die Entwicklung neuartiger und effektiver Substanzen genutzt werden, um die fehlgeleitete Immunreaktion bei Asthma und Allergien zu verhindern.

Erika von Mutius wurde 1957 geboren. Von 1976 bis 1984 studierte sie Humanmedizin an der LMU. Seit 1992 ist sie Fachärztin für Pädiatrie. Nach der Habilitation im Jahr 1998 erwarb sie im Jahr 2000 den Titel Master of Science der Harvard School of Public Health. 2004 wurde sie zur Professorin für Pädiatrie an der LMU ernannt. Die Oberärztin des Dr. von Haunerschen Kinderspitals ist Leiterin der Asthma- und Allergieambulanz. Im Jahr 2008 wurde sie mit der Bayerischen Europa-Medaille ausgezeichnet.

Zum Projekt von Professor Donald B. Dingwell

Vulkanismus ist das Ergebnis eines komplexen Zusammenspiels physikalisch-chemischer Prozesse im Erdinneren und wirkt sich zweifach auf das menschliche Leben wie auch auf das System Erde aus. So spielen die geschmolzenen Silikate und ihre Produkte aus dem Magma eine wichtige Rolle in der Lithosphäre, der Hydrosphäre, der Atmosphäre und auch der Biosphäre. Vulkanausbrüche wirken daneben aber direkt auf lokaler, regionaler und manchmal sogar globaler Ebene - wenn es sich um explosive Eruptionen handelt. Gerade diese großen vulkanischen Ereignisse sind der wissenschaftlichen Untersuchung aber am wenigsten zugänglich. Das Projekt "Explosive volcanism in the earth system: experimental insights (EVOKES)" unter der Leitung von Professor Donald. B. Dingwell soll hier nun wichtige Einsichten liefern - und zwar im Labor: In der Experimentellen Vulkanologie werden Versuchsreihen in Hinsicht auf den zeitlichen Rahmen, den Druck, die Temperatur und andere Parameter unter vulkanischen Bedingungen durchgeführt. So sollen letztlich mechanistische Modelle der magmatischen und vulkanischen Prozesse und deren Einfluss auf die Erde entwickelt werden. Schwerpunkte im Projekt EVOKES sind unter anderem die Eigenschaften und Auswirkungen vulkanischer Asche auf die Erde, aber auch die Fließeigenschaften von Magma und Lava. Nicht zuletzt sollen die neuen Daten aus diesem Bereich auch zu einer effektiveren Überwachung von Vulkanen beitragen,- um die Wirkung gefährlicher Eruptionen auf das menschliche Leben nach Möglichkeit zu minimieren.

Donald B. Dingwell studierte von 1975 bis 1980 Geologie und Geophysik an der University of Newfoundland, Kanada. 1984 erwarb er den Ph.D. an der University of Alberta, Kanada. Von 1987 bis 2000 war er Managing Director am Bayerischen Geoinstitut der Universität Bayreuth, an der er sich 1992 auch habilitierte. Seit dem Jahr 2000 hat er den Lehrstuhl für Mineralogie und Petrologie an der LMU. Seit 2006 leitet er zudem das Department für Geo- und Umweltwissenschaften der LMU.

Zum Projekt von Professor Ferencz Krausz

Elektronen, Atome und Moleküle sind die Hauptdarsteller in den Filmen, die ein Team aus Laserphysikern um Professor Ferenc Krausz und Dr. Peter Baum im Projekt "Towards 4D Imaging of Fundamental Processes on the Atomic und Sub-Atomic Scale" (4DImaging) erstellen will. Die Forscher werden dabei mit Hilfe von Laserlicht ultrakurze Elektronen-Blitze erzeugen, um Bewegungen im Mikrokosmos aufzuzeichnen. Denn Teilchen bewegen sich hier innerhalb von Attosekunden und Femtosekunden und die Aufnahmetechnik der Forscher muss ebenso schnell sein. Eine Femtosekunde dauert ein Millionstel einer milliardstel Sekunde, eine Attosekunde ist noch tausendmal kürzer. Zum Vergleich: Rund 24 Bilder pro Sekunde reichen aus, um vor dem menschlichen Auge einen Film ablaufen lassen. Die ultraschnellen Bewegungen von Atomen und deren Elektronen lassen sich dagegen nur mit vielen Milliarden Bildern pro Sekunde kontinuierlich aufzeichnen. In den geplanten Experimenten sollen es etwa rund 100 Millionen Milliarden Bilder pro Sekunde sein, die Aufschluss über die Bewegung kleinster Teilchen sowie deren Innenleben geben, um letztlich Einblicke in den Ablauf chemischer und physikalischer Reaktionen in der Natur zu liefern. Die Technologie soll es erstmals ermöglichen, eine räumliche Vorstellung von den Ereignissen innerhalb von Atomen und Festkörpern zu erhalten, aber auch den zeitlichen Ablauf - die 4. Dimension - der Geschehnisse im Mikrokosmos abbilden.

Ferencz Krausz ist 1962 in Ungarn geboren. Er studierte an der Technischen Universität Budapest Elektrotechnik und an der Eötvös-Loránd-Universität Physik. 1991 promovierte er in den Fächern Quantenelektronik und Lasertechnik an der Technischen Universität Wien, wo er 1993 auch habilitierte. 1999 erfolgte die Berufung zum Professor an der TU Wien. Seit September 2004 lehrt und forscht Professor Krausz auf dem Lehrstuhl für Experimentalphysik (Quantenoptik) an der Fakultät für Physik der LMU. Er forscht zudem am Max-Planck-Institut für Quantenoptik in Garching bei München. Im Jahr 2006 erhielt er den Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).

Neben diesen drei LMU-Forschern ist Professor Adamantios I. Gafos von der New York University eingeladen, seine mit einem ERC Grant gefördertes Projekt "Stochastic time models of syllables" (STIMOS) ebenfalls an der LMU durchzuführen. Adamantios I. Gafos ist auf der griechischen Insel Chios geboren. 1990 schloss er sein Studium der Computer Science an der University of Patras, Griechenland, ab. Den Ph.D. in Cognitive Science erwarb er 1996 an der Johns Hopkins University, USA. Derzeit forscht und lehrt er an der New York University im Department of Linguistics. Von Juli bis September 2009 war er bereits einmal Gast beim Institut für Phonetik der LMU.

Über den ERC Advanced Investigator Grant

Das ERC fördert mit dem Advanced Investigator Grant Grundlagenforschung in Europa. Begrüßt werden insbesondere interdisziplinäre Projektvorschläge, die Erforschung neuer Wissenschaftsbereiche und die Anwendung innovativer Methoden. ERC-Grants werden im Wettbewerb an herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vergeben. Alleiniges Auswahlkriterium in der Begutachtung ist die wissenschaftliche Exzellenz der Antragstellerinnen und Antragsteller beziehungsweise der Projektvorschläge. ERC-Grants decken bis zu 100 Prozent der direkten Forschungskosten ab - dazu gehören unter anderem Personalkosten, Ausstattung, Material und Reisekosten - und beinhalten einen 20-prozentigen Zuschuss zu den indirekten Projektkosten.

Luise Dirscherl | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-muenchen.de/

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