Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Quantenphysikerin erhält Ignaz L. Lieben-Preis

28.11.2013
Für ihre außerordentlichen Leistungen in der Erforschung der Quanteninformationstheorie wird die Physikerin Barbara Kraus von der Universität Innsbruck heute in Wien mit dem Ignaz L. Lieben-Preis ausgezeichnet. Dieser älteste Forschungspreis der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) ist mit 36.000 US-Dollar dotiert.

Heute, 28. November 2013, erhält Barbara Kraus, assoziierte Professorin am Institut für Theoretische Physik der Universität Innsbruck, den Ignaz L. Lieben-Preis 2013 der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) für ihre Forschungen zur Theorie der Quanteninformation und insbesondere der Quantenverschränkung.

Der Ignaz L. Lieben-Preis ist der älteste Forschungspreis der ÖAW und wird für hervorragenden Leistungen in den Fachgebieten der Molekularbiologie, der Chemie oder der Physik vergeben. Die Auszeichnung ist mit einem Preisgeld von 36.000 US-Dollar verbunden.

Barbara Kraus untersucht Vielteilchensysteme und deren Quantenverschränkung. „Die Verschränkung von zwei Teilchen ist relativ gut erforscht, und es gibt auch schon viele Anwendungen dafür“, sagt die Physikerin. „Die Verschränkung von mehreren Quantenobjekte wird aber noch wenig verstanden. Das ist vermutlich auch der Grund dafür, warum es relativ wenige Anwendungen für verschränkte Vielteilchenzuständen gibt.“ Kraus verallgemeinert deshalb gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen das Prinzip der Quantenverschränkung von zwei Teilchen auf mehrere Objekte. „Dabei stellt sich dieses Quantenphänomen ganz anderes dar als noch bei zwei verschränkten Objekten“, sagt die Preisträgerin. Ihre Ideen sind sehr gefragt, weil Experimentalphysiker im Labor bereits acht, zehn oder mehr Quantenobjekte sehr gut kontrollieren können und damit solche Verschränkungszustände auch direkt untersuchen können.

Kraus versucht auch die Quantenverschränkung von sehr vielen Objekten zu verstehen. Dazu wählt sie eine Menge von möglichen Zuständen aus, die mathematisch einfach gefasst werden können. Ein weiterer Ansatz, den die Physikerin verfolgt ist die Komprimierung von bestimmten Quantenrechnungen. Dies ist zum Beispiel für Quantensimulationen interessant, bei denen Objekte mit Quantensystemen untersucht werden, die sehr gut kontrolliert werden können. „Wir können zum Beispiel Phasenübergänge untersuchen. Für Modelle, in denen es solche Phasenübergänge gibt, können wir die Berechnung von 256 Quantenbits auf 8 Quantenbits reduzieren und trotzdem das gleiche messen“, erklärt Barbara Kraus, die damit komplexe Fragenstellungen für heute verfügbare Experimente zugänglicher macht.

Hochrangige Auszeichnung

Der Ignaz-Lieben-Preis stellte bis 1937 den bedeutendsten Beitrag zur Förderung der Naturwissenschaften in Österreich dar. In seinem Testament verfügte Ignaz L. Lieben, dass die Summe von 6.000 Gulden „für das allgemeine Beste“ verwendet werden solle. Im Jahr 1863 wurde auf Initiative seines Sohnes, Adolf Lieben, dieser Betrag der damaligen kaiserlichen Akademie der Wissenschaften für die Ignaz L. Lieben-Stiftung zur Verfügung gestellt. 1938 musste der Ignaz L. Lieben-Preis wegen der Verfolgung der Stifterfamilie eingestellt werden. Durch die finanzielle Unterstützung von Alfred und Isabel Bader konnte der Preis im Jahr 2004 erstmals wieder ausgeschrieben werden. Mit dem Chemiker Ronald Micura wurde bereits 2005 ein Innsbrucker Forscher mit diesem Preis ausgezeichnet. Frühere Preisträger waren zum Beispiel Fritz Pregl, Victor Franz Hess und Lise Meitner.

Zur Person

Barbara Kraus wurde in Innsbruck geboren und hat hier Mathematik und Physik studiert. Nach der Promotion forschte sie am Max-Planck-Institut für Quantenoptik in Garching und an der Universität Genf. Als Elise-Richter-Stipendiatin des FWF kehrte sie 2006 an das Institut für Theoretische Physik der Universität Innsbruck zurück. 2010 erhielt sie den START-Preis, Österreichs höchste Auszeichnung für Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler, und 2011 den Boltzmann-Preis der Österreichischen Physikalischen Gesellschaft. Barbara Kraus habilitierte sich 2013 und ist seither assoziierte Professorin an der Universität Innsbruck.

Rückfragehinweis:
assoz. Prof. Mag. Dr. Barbara Kraus
Institut für Theoretische Physik
Universität Innsbruck
Telefon: +43 512 507 52219
E-Mail: Barbara.Kraus@uibk.ac.at
Dr. Christian Flatz
Büro für Öffentlichkeitsarbeit
Universität Innsbruck
Telefon: +43 512 507 32022
E-Mail: christian.flatz@uibk.ac.at

Dr. Christian Flatz | Universität Innsbruck
Weitere Informationen:
http://www.uibk.ac.at/th-physik/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Innovationen in der Bionik gesucht!
18.01.2018 | VDI Verein Deutscher Ingenieure e. V.

nachricht Fraunhofer HHI erhält AIS Technology Innovation Award 2018 für 3D Human Body Reconstruction
17.01.2018 | Fraunhofer-Institut für Nachrichtentechnik, Heinrich-Hertz-Institut, HHI

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kongress Meditation und Wissenschaft

19.01.2018 | Veranstaltungen

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungen

6. Technologie- und Anwendungsdialog am 18. Januar 2018 an der TH Wildau: „Intelligente Logistik“

18.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rittal vereinbart mit dem Betriebsrat von RWG Sozialplan - Zukunftsorientierter Dialog führt zur Einigkeit

19.01.2018 | Unternehmensmeldung

Open Science auf offener See

19.01.2018 | Geowissenschaften

Original bleibt Original - Neues Produktschutzverfahren für KFZ-Kennzeichenschilder

19.01.2018 | Informationstechnologie