Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

PTFE-Hochleistungskunst- und -schmierstoffe ausgezeichnet

22.03.2012
Innovationspreis für den Erfinder neuer PTFE-Hochleistungskunststoffe und Hochleistungsschmierstoffe

Dr. Dieter Lehmann erhält den von der COMMERZBANK AG geförderten Innovationspreis 2011 des Leibniz-Instituts für Polymerforschung Dresden e. V. (IPF) und des Vereins zur Förderung des IPF.

Gewürdigt wird er für seine bahnbrechenden Erfindungen und langjährigen anwendungsorientierten Forschungsarbeiten zur chemischen Kopplung von Polytetrafluorethylen (PTFE) – besser bekannt unter dem DuPont-Markennamen „Teflon“ – mit anderen Polymeren, die zur Entwicklung und teilweise bereits zur Markteinführung neuer, funktioneller und ressourcenschonender Hochleistungskunststoffe und -schmierstoffe geführt haben.

Als Dr. Lehmann Ende der neunziger Jahre erstmals seine Ergebnisse zur chemischen Kopplung von PTFE mit Polyamid publizierte, rüttelte er an einem Dogma der PTFE-Forschung. PTFE war und ist in zahlreichen Spezialanwendungen bereits ein etablierter Werkstoff. Seine chemische und damit dauerhafte Verbindung mit anderen Kunststoffen galt jedoch wegen seiner hohen Chemikalienbeständigkeit und Reaktionsträgheit als unmöglich. So mussten Material- und Gebrauchsgüterentwickler, die die speziellen Eigenschaften von PTFE wie dessen hervorragende Gleit- und Antihafteigenschaften nutzen wollten, gleichzeitig die Nachteile dieses Spezialkunststoffs wie schlechte mechanische Eigenschaften, schlechte Verarbeitbarkeit und hoher Preis in Kauf nehmen. Diese Nachteile konnten bisher nicht – zumindest nicht dauerhaft – durch Verbindung mit anderen Polymeren und die daraus resultierende Eigenschaftskombination aufgehoben werden. Erst durch die im IPF gelungene und zunächst in der Fachwelt angezweifelte chemische Kopplung wurde es möglich, das Potenzial von PFTE in Compounds mit mechanisch stabilen, gut verarbeitbaren und preiswert verfügbaren Kunststoffen wesentlich zu erweitern und optimal auszureizen.

Dass diese Kopplung zu verbesserten Produkteigenschaften führt, die heute in einer Reihe von Produkten auch schon in der Praxis nachgewiesen werden konnten, ist der beharrlichen Verfolgung des Forschungsthemas durch Dr. Lehmann zu verdanken, vor allem der konsequenten Verknüpfung polymerchemischer und ingenieurwissenschaftlich-technologischer Kompetenz. Unter Einsatz gezielt angepasster Reaktionsprinzipien wurden auf handelsüblichen Verarbeitungsmaschinen Technologien für Modifizierungs- und Kopplungsreaktionen mit etablierten Kunststoffen entwickelt, die sich ohne Probleme in die industrielle Praxis überführen lassen. Vor diesem Hintergrund wurden bereits von mehreren Unternehmen Lizenzen für die Entwicklung erworben. Die Firma TerHell Plastics GmbH Herne produziert und vermarktet chemisch gekoppelte Polyamid/PTFE-Materialien als Tribowerkstoffe, d. h. als Materialien mit vorteilhaften Reibungs- und Verschleißeigenschaften.

Ein Beispiel, in dem sich die Leistungsfähigkeit eines chemisch gekoppelten Materials besonders eindrucksvoll zeigt, ist sein Einsatz für Kugellagerkäfige in Präzisionskugellagern für Turbinenbohrer im Dentalbereich. Mit dem chemisch kompatibilisierten Material Torlon-PTFE-cg wird eine Lebensdauerverlängerung auf das mehr als Fünffache im Vergleich zu dem bisher eingesetzten Kugellagerkäfigmaterial Torlon 4301 der Fa. Solvay erreicht. Mit 7000 Umdrehungen pro Sekunde ist der Werkstoff hierbei extremen Belastungen ausgesetzt.

Am Institut selbst wurden die Arbeiten seit Ende 2009 im Rahmen eines vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Programm ForMaT (Forschung für den Markt im Team) geförderten Projekts weiter vorangetrieben. Neben Tribowerkstoffen rückten dabei auch Schmierstoffe ins Blickfeld: Durch die Kopplung von PTFE mit Ölen wurden Prototypen neuartiger Hochleistungsschmierstoffe entwickelt, die das Interesse renommierter Schmierstoffhersteller fanden und für die bereits eine erste Lizenz vergeben wurde.

Zudem eröffnen die Arbeiten einen revolutionären Ansatz beim Recycling von PTFE. Abfälle, die sonst vielfach kostenaufwändig entsorgt werden müssen, können in den Wertstoffkreislauf zurückgeführt werden. Speziell modifizierte PTFE-Abfälle besitzen bei der Anwendung in Hochleistungskunststoffen und Hochleistungsschmierstoffen dank der chemischen Kopplung und Verträglichkeitsvermittlung vielfach gleichwertige und z. T. sogar bessere Eigenschaften als sie mit modifizierter PTFE-Neuware erreicht werden.

Aufgrund der vielfältigen und vielversprechenden Einsatzpotenziale der neuen PTFE-Materialien wird im Institut die Ausgründung des Unternehmens „perfluorence“ zur Vermarktung dieser Entwicklungen vorbereitet. Die Initiative wurde im Juli 2011 als „Ausgewählter Ort im Land der Ideen“ ausgezeichnet.

Die Übergabe des Innovationspreises erfolgt im Rahmen des Jahresempfangs des Instituts am 22. März 2012 im Leibniz-Institut für Polymerforschung Dresden e. V., Hohe Str. 6, 01069 Dresden (15.00 Uhr Beginn Jahresempfang, 16.50 Uhr Beginn Preisverleihung).

Inhaltliche Rückfragen: Dr. Dieter Lehmann
Tel. 0351 4658-392
E-Mail lehmann@ipfdd.de

Kerstin Wustrack | idw
Weitere Informationen:
http://www.ipfdd.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht »Die Oberfläche 2018« – Fünf Nominierungen gehen in die Endrunde
18.05.2018 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

nachricht DFG fördert Entwicklung innovativer Forschungssoftware an der Universität Bremen
17.05.2018 | Universität Bremen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vielseitige Nanokugeln: Forscher bauen künstliche Zellkompartimente als molekulare Werkstatt

Wie verleiht man Zellen neue Eigenschaften ohne ihren Stoffwechsel zu behindern? Ein Team der Technischen Universität München (TUM) und des Helmholtz Zentrums München veränderte Säugetierzellen so, dass sie künstliche Kompartimente bildeten, in denen räumlich abgesondert Reaktionen ablaufen konnten. Diese machten die Zellen tief im Gewebe sichtbar und mittels magnetischer Felder manipulierbar.

Prof. Gil Westmeyer, Professor für Molekulare Bildgebung an der TUM und Leiter einer Forschungsgruppe am Helmholtz Zentrum München, und sein Team haben dies...

Im Focus: LZH showcases laser material processing of tomorrow at the LASYS 2018

At the LASYS 2018, from June 5th to 7th, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) will be showcasing processes for the laser material processing of tomorrow in hall 4 at stand 4E75. With blown bomb shells the LZH will present first results of a research project on civil security.

At this year's LASYS, the LZH will exhibit light-based processes such as cutting, welding, ablation and structuring as well as additive manufacturing for...

Im Focus: Kosmische Ravioli und Spätzle

Die inneren Monde des Saturns sehen aus wie riesige Ravioli und Spätzle. Das enthüllten Bilder der Raumsonde Cassini. Nun konnten Forscher der Universität Bern erstmals zeigen, wie diese Monde entstanden sind. Die eigenartigen Formen sind eine natürliche Folge von Zusammenstössen zwischen kleinen Monden ähnlicher Grösse, wie Computersimulationen demonstrieren.

Als Martin Rubin, Astrophysiker an der Universität Bern, die Bilder der Saturnmonde Pan und Atlas im Internet sah, war er verblüfft. Die Nahaufnahmen der...

Im Focus: Self-illuminating pixels for a new display generation

There are videos on the internet that can make one marvel at technology. For example, a smartphone is casually bent around the arm or a thin-film display is rolled in all directions and with almost every diameter. From the user's point of view, this looks fantastic. From a professional point of view, however, the question arises: Is that already possible?

At Display Week 2018, scientists from the Fraunhofer Institute for Applied Polymer Research IAP will be demonstrating today’s technological possibilities and...

Im Focus: Raumschrott im Fokus

Das Astronomische Institut der Universität Bern (AIUB) hat sein Observatorium in Zimmerwald um zwei zusätzliche Kuppelbauten erweitert sowie eine Kuppel erneuert. Damit stehen nun sechs vollautomatisierte Teleskope zur Himmelsüberwachung zur Verfügung – insbesondere zur Detektion und Katalogisierung von Raumschrott. Unter dem Namen «Swiss Optical Ground Station and Geodynamics Observatory» erhält die Forschungsstation damit eine noch grössere internationale Bedeutung.

Am Nachmittag des 10. Februars 2009 stiess über Sibirien in einer Höhe von rund 800 Kilometern der aktive Telefoniesatellit Iridium 33 mit dem ausgedienten...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungen

„Data Science“ – Theorie und Anwendung: Internationale Tagung unter Leitung der Uni Paderborn

18.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vielseitige Nanokugeln: Forscher bauen künstliche Zellkompartimente als molekulare Werkstatt

22.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Mikroskopie der Zukunft

22.05.2018 | Medizintechnik

Designerzellen: Künstliches Enzym kann Genschalter betätigen

22.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics