Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Proteine fischen in der Zelle

16.06.2011
Nachwuchsforscher Dr. Christian Behrends erhält Förderung im Emmy-Noether-Programm der DFG

Zellen haben verschiedene Möglichkeiten, nicht mehr benötigte Proteine, beschädigte Zellorganellen oder eingedrungene Bakterien abzubauen.

Einen dieser Prozesse, die Autophagie, hielten die Forscher lange Zeit für wenig interessant, weil er in ihrer Vorstellung nicht selektiv funktionierte: „Man dachte, die kleinen Bläschen oder Vesikel, die den Abfall in der Zelle verpacken, wären so etwas wie ein großer Müllsack, in den mehr oder weniger wahllos hinein gestopft wird“, erklärt Dr. Christian Behrends. Erst in jüngster Zeit finden Wissenschaftler Hinweise dafür, dass dem Prozess ein ausgefeilter Steuerungsmechanismus zugrunde liegt. Dank der Förderung durch das Emmy-Noether-Programm der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) kann Christian Behrends diesen Prozess mit seiner Nachwuchsgruppe am Institut für Biochemie II der Goethe-Universität nun detaillierter untersuchen. Er erhält rund 1,5 Millionen Euro in den kommenden fünf Jahren.

Woher „weiß“ eine Zelle, dass sie das Autophagie-Programm starten muss? Mit dieser Frage beschäftigte sich Behrends schon bevor er nach Frankfurt kam. Während seiner Zeit als Postdoktorand an der Harvard Medical School in Boston fand er in Prof. Wade Harper einen Betreuer, der für neue Ideen offen war. Obwohl in der Arbeitsgruppe bis dahin noch keiner an Autophagie gearbeitet hatte, durfte Behrends ein „fishing experiment“ starten. Das bedeutet, er fischte in der ungeheuer dichten „Suppe“ aus Proteinen und Zellorganellen in der menschlichen Zellen nach solchen Proteinen, die an Autophagie beteiligt sind. Der Erfolg: Als Behrends im September 2010 seine neue Stelle an der Goethe-Universität antrat, hatte er so etwas wie eine Landkarte der beteiligten Proteine und ihrer Interaktionen erstellt. Jetzt geht es darum, die Dynamik dieser Wechselwirkungen zu erforschen und molekulare „Schalter“ zu finden, die den Prozess hemmen oder aktivieren.

Die Kontakte zu Prof. Ivan Dikic am Institut für Biochemie II knüpfte Christian Behrends bereits während seiner Zeit als Postdoktorand in Boston. Die Alexander-von-Humboldt-Stiftung, die ihm den Forschungsaufenthalt ermöglichte, legt ihren Stipendiaten nahe, in Deutschland einen Tutor zu wählen. Behrends sprach Dikic während einer Konferenz in New Hampshire an, weil dieser ähnliche Forschungsinteressen verfolgt. So ging der Plan der Humboldt-Stiftung auf, exzellenten Nachwuchswissenschaftlern eine Brücke zurück nach Deutschland zu bauen. „Die Ausstattung meiner Stelle ist sehr gut und der wissenschaftliche Austausch zwischen den sechs Arbeitsgruppen am Institut für Biochemie II eine kollegiale und inspirierende Arbeitsumgebung“, sagt Behrends, der in Bad Homburg zur Schule gegangen ist. Vor kurzem ist auch seine Frau von München nach Frankfurt übergesiedelt, denn vor drei Wochen wurde die gemeinsame Tochter geboren.

Dr. Christian Behrends, 35, studierte Biologie an der Universität Konstanz. Während seiner Diplomarbeit hatte er den ersten Forschungsaufenthalt im Ausland, an der Universität Cardiff, Großbritannien. Seine Doktorarbeit machte er bei Prof. Franz-Ulrich Hartl am Max-Planck-Institut für Biochemie in Martiensried. Von 2007 bis September 2010 arbeitete er an der Harvard Medical School in Boston, USA. Er hat bereits in angesehenen Fachzeitschriften wie „Molecular Cell“ oder „Nature“ als Erstautor publiziert. Das Emmy-Noether-Programm der DFG ebnet exzellenten Nachwuchswissenschaftlern den Weg in die Selbstständigkeit. Behrends kann mit den Fördermitteln vier Doktoranden und eine technische Assistentin anstellen sowie Geräte und Verbrauchsmaterialien anschaffen. Diese Mittel erlauben es ihm, seine wissenschaftliche Fragestellung auf einer breiten Basis anzugehen.

Informationen: Dr. Christian Behrends, Insitut für Biochemie II, Campus Niederrad, Tel: (069) 6301-5450, behrends@biochem2.de.

Die Goethe-Universität ist eine forschungsstarke Hochschule in der europäischen Finanzmetropole Frankfurt. 1914 von Frankfurter Bürgern gegründet, ist sie heute eine der zehn drittmittelstärksten und größten Universitäten Deutschlands. Am 1. Januar 2008 gewann sie mit der Rückkehr zu ihren historischen Wurzeln als Stiftungsuniversität ein einzigartiges Maß an Eigenständigkeit. Parallel dazu erhält die Universität auch baulich ein neues Gesicht. Rund um das historische Poelzig-Ensemble im Frankfurter Westend entsteht ein neuer Campus, der ästhetische und funktionale Maßstäbe setzt. Die „Science City“ auf dem Riedberg vereint die naturwissenschaftlichen Fachbereiche in unmittelbarer Nachbarschaft zu zwei Max-Planck-Instituten. Mit über 55 Stiftungs- und Stiftungsgastprofessuren nimmt die Goethe-Universität laut Stifterverband eine Führungsrolle ein.

Herausgeber: Der Präsident
Abteilung Marketing und Kommunikation, Postfach 11 19 32,
60054 Frankfurt am Main
Redaktion: Dr. Anne Hardy, Referentin für Wissenschaftskommunikation
Telefon (069) 798 – 2 92 28, Telefax (069) 798 - 2 85 30,
E-Mail hardy@pvw.uni-frankfurt.de

Dr. Anne Hardy | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-frankfurt.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht »Die Oberfläche 2018« – Fünf Nominierungen gehen in die Endrunde
18.05.2018 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

nachricht DFG fördert Entwicklung innovativer Forschungssoftware an der Universität Bremen
17.05.2018 | Universität Bremen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kosmische Ravioli und Spätzle

Die inneren Monde des Saturns sehen aus wie riesige Ravioli und Spätzle. Das enthüllten Bilder der Raumsonde Cassini. Nun konnten Forscher der Universität Bern erstmals zeigen, wie diese Monde entstanden sind. Die eigenartigen Formen sind eine natürliche Folge von Zusammenstössen zwischen kleinen Monden ähnlicher Grösse, wie Computersimulationen demonstrieren.

Als Martin Rubin, Astrophysiker an der Universität Bern, die Bilder der Saturnmonde Pan und Atlas im Internet sah, war er verblüfft. Die Nahaufnahmen der...

Im Focus: Self-illuminating pixels for a new display generation

There are videos on the internet that can make one marvel at technology. For example, a smartphone is casually bent around the arm or a thin-film display is rolled in all directions and with almost every diameter. From the user's point of view, this looks fantastic. From a professional point of view, however, the question arises: Is that already possible?

At Display Week 2018, scientists from the Fraunhofer Institute for Applied Polymer Research IAP will be demonstrating today’s technological possibilities and...

Im Focus: Raumschrott im Fokus

Das Astronomische Institut der Universität Bern (AIUB) hat sein Observatorium in Zimmerwald um zwei zusätzliche Kuppelbauten erweitert sowie eine Kuppel erneuert. Damit stehen nun sechs vollautomatisierte Teleskope zur Himmelsüberwachung zur Verfügung – insbesondere zur Detektion und Katalogisierung von Raumschrott. Unter dem Namen «Swiss Optical Ground Station and Geodynamics Observatory» erhält die Forschungsstation damit eine noch grössere internationale Bedeutung.

Am Nachmittag des 10. Februars 2009 stiess über Sibirien in einer Höhe von rund 800 Kilometern der aktive Telefoniesatellit Iridium 33 mit dem ausgedienten...

Im Focus: Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

Passt eine ultrakalte Wolke aus zehntausenden Rubidium-Atomen in ein einzelnes Riesenatom? Forscherinnen und Forschern am 5. Physikalischen Institut der Universität Stuttgart ist dies erstmals gelungen. Sie zeigten einen ganz neuen Ansatz, die Wechselwirkung von geladenen Kernen mit neutralen Atomen bei weitaus niedrigeren Temperaturen zu untersuchen, als es bisher möglich war. Dies könnte einen wichtigen Schritt darstellen, um in Zukunft quantenmechanische Effekte in der Atom-Ion Wechselwirkung zu studieren. Das renommierte Fachjournal Physical Review Letters und das populärwissenschaftliche Begleitjournal Physics berichteten darüber.*)

In dem Experiment regten die Forscherinnen und Forscher ein Elektron eines einzelnen Atoms in einem Bose-Einstein-Kondensat mit Laserstrahlen in einen riesigen...

Im Focus: Algorithmen für die Leberchirurgie – weltweit sicherer operieren

Die Leber durchlaufen vier komplex verwobene Gefäßsysteme. Die chirurgische Entfernung von Tumoren ist daher oft eine schwierige Aufgabe. Das Fraunhofer-Institut für Bildgestützte Medizin MEVIS hat Algorithmen entwickelt, die die Bilddaten von Patienten analysieren und chirurgische Risiken berechnen. Leberkrebsoperationen werden damit besser planbar und sicherer.

Jährlich erkranken weltweit 750.000 Menschen neu an Leberkrebs, viele weitere entwickeln Lebermetastasen aufgrund anderer Krebserkrankungen. Ein chirurgischer...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungen

„Data Science“ – Theorie und Anwendung: Internationale Tagung unter Leitung der Uni Paderborn

18.05.2018 | Veranstaltungen

Visual-Computing an Bord der MS Wissenschaft

17.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Kosmische Ravioli und Spätzle

22.05.2018 | Physik Astronomie

Licht zur Herstellung energiereicher Chemikalien nutzen

22.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Markerfreies Verfahren zur Schnelldiagnose von Krebs

22.05.2018 | Medizintechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics