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Professor Otte erhält den Goldenen Dieselring 2010

07.04.2010
Exakte Unfalldaten für Mediziner, Bundesbehörde und Automobilindustrie / Preis gilt als "Oscar" der Verkehrssicherheit

Professor Dipl.-Ing. Dietmar Otte, Leiter der Verkehrsunfallforschung an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) erhält am 9. April 2010 in Leipzig den Goldenen Dieselring 2010 des Verbands der Motorjournalisten (VdM).

Er wird für die Methodik von Erhebungen am Unfallort und den Aufbau der internationalen Datenbank "German In-Depth-Accident-Study" (GIDAS) geehrt, deren Daten weltweit zur Verbesserung der Verkehrssicherheit genutzt werden. Einmal im Jahr zeichnet der VdM Personen verschiedener Berufsgruppen aus, die durch ihre Arbeit maßgeblich dazu beigetragen haben, Fahrzeuge und Straßen sicherer zu machen.

Ob Fußgänger, Auto-, Motorrad- oder Fahrradfahrer: Sie alle profitieren von Professor Ottes Forschung zur Verbesserung der Verkehrssicherheit. Aufgrund der am Unfallort erhobenen Daten wurden europaweit Motorräder und Motorradbekleidung durch Sicherheitsprotektoren verstärkt und Motorradhelme mit Visier optimiert. "Besonders die Protektoren für Bein und Schulter haben viele schwere Verletzungen verhindert", sagt Professor Otte. Er zeigte anhand von Unfalluntersuchung die Sicherheit des Fahrradhelms sowie die Effektivität des Antiblockiersystems für Lastkraftwagen und sorgte dafür, dass scharfe Kanten an Fahrzeugfronten und Stoßstangen abgeschafft wurden.

Der Sachverständige für Unfallrekonstruktion und Biomechanik arbeitet bereits seit 1978 in der Unfallforschung der MHH - zunächst abgeordnet vom Institut für Fahrzeugtechnik der Technischen Universität Berlin unter der Leitung von Professor Dr. Hermann Appel, seit 1985 als Angestellter der MHH im Team von Professor Dr. Harald Tscherne und jetzt von Professor Dr. Christian Krettek. Sein Unfallforscher-Team dokumentiert im Auftrag der Bundesanstalt für Straßenwesen, der Europäischen Union und der Industrie Unfälle mit Personenschaden in der Region Hannover. Die Forscher analysieren die Unfallsituation medizinisch und technisch, unter anderem mit einem 3-D-Laser-System - um zu erforschen, wie sie in Zukunft vermieden werden können. Die Forscher sammeln dabei 1.000 bis 3.000 Einzelinformationen wie Straßen- und Wetterbedingungen. Aus den Forschungsergebnissen entstand 1999 das Projekt GIDAS. Gemeinsam mit einem zweiten deutschen Team an der Technischen Universität Dresden erheben sie die Daten, die die Bundesanstalt für Straßenwesen sowie die Deutschen Automobilhersteller nutzen. Aber auch die MHH-Klinik für Unfallchirurgie und andere Kliniken verwenden die Informationen über Verletzung und Ursache für die Behandlung von Unfallopfer und im Rettungswesen.

Die MHH-Forscher haben mit ihrer Erhebungsmethodik auch international die Entwicklung der Unfallforschung vorangetrieben. In Europa, Australien und Japan arbeiten Teams nach dem hannoverschen Vorbild. "Erhebungen am Unfallort sind nicht mehr wegzudenken. Es gibt mittlerweile in vielen europäischen Ländern derartige Teams und auch die Autoindustrie ist auf diesem Feld aktiv", erzählt Professor Otte. Derzeit etabliert sein Team ein neues Unfallursache-Bewertungssystem - das "Accident Causation System mit Seven Steps" (ACASS) genannt.

Student der MHH-Unfallforschung ebenfalls ausgezeichnet

Ende Februar erhielt der Student Per Wulf der MHH-Unfallforschung in Brüssel den "ShLOW"-Award. Im Rahmen des EU-Forschungsprojektes "ShLOW" sollten Studenten innovative Ideen für eine effiziente Geschwindigkeitsreduzierung entwickeln, in die Praxis umsetzen und die Effektivität der Maßnahme beurteilen. Insgesamt reichten europaweit etwa 120 Studenten ihre Vorschläge ein.

Die Idee: Durch zwei Markierungen - ein grünes und ein rotes Dreieck - auf den Asphalt sollte den Verkehrsteilnehmern die eigene Fahrgeschwindigkeit und die daraus resultierenden Anhalte- und Bremsweg bewusst gemacht werden. "Viele Fahrer in der Stadt fahren schneller als die erlaubten 50 km/h. Es ist unser Ziel dies durch intelligente Maßnahmen zu verhindern, um Unfälle zu vermeiden", sagt Professor Otte, wissenschaftlicher Betreuer und Ideenförderer von Per Wulf.

Vor einem Fußgängerüberweg an einer Schule in der Ebelingstraße in Hannover brachten die Forscher die Markierungen auf den Asphalt auf. Das grüne Dreieck zeigt dem Fahrer den optimalen Zeitpunkt zum Bremsen bei vorgegebener Fahrgeschwindigkeit an, das rote Warndreieck signalisiert dem Fahrer, wann der Bremsweg zu kurz ist. So erkennt der Fahrer wann er handeln sollte. Zur Erklärung der neuen Fahrbahnmarkierungen brachten die Forscher in entsprechender Entfernung vor dem Fußgängerüberweg ein Verkehrsschild an, welches die Markierung erklärt. "Es zeigte sich dass die Geschwindigkeit an dem Fußgängerüberweg mit Aufbringung der Markierungen deutlich niedriger ausfiel als zuvor", sagt Professor Otte. Das Tiefbauamt der Stadt Hannover unterstützte die Realisierung der Maßnahme.

Weitere Informationen erhalten Sie bei Professor Dietmar Otte, Leiter der MHH-Unfallforschung, Telefon (0511) 532-6411, Otte.Dietmar@mh-hannover.de

Stefan Zorn | idw
Weitere Informationen:
http://www.mh-hannover.de

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