Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Prof. Peter Zipfel erhält Hauptpreis der DGHM

25.09.2009
Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie - Hans-Knöll-Institut (HKI)

Prof. Peter Zipfel, Abteilungsleiter am Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie - Hans-Knöll-Institut - und Professor für Infektionsbiologie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena wurde auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie mit dem Hauptpreis der DGHM ausgezeichnet.

Die renommierte medizinische Fachgesellschaft würdigt mit dem Preis Zipfels grundlegende Forschungsarbeiten zur Rolle des Komplementsystems für die Regulation der antimikrobiellen Abwehr.

Zipfel erforscht mit seinem Team die Immunevasion von krankheitserregenden Mikroorganismen. Darunter versteht man molekulare Vorgänge, die eine Erkennung des Krankheitserregers im menschlichen Organismus erschweren. Viele Bakterien und Pilze bedienen sich dazu eines Tricks, der sie als Wolf im Schafspelz erscheinen lässt: Die Erreger binden, sobald sie in das Gewebe oder die Blutbahn des Menschen eingedrungen sind, bestimmte Eiweiße ihres Wirtes an ihre Oberfläche.

Damit erscheinen sie dem Immunsystem wie körpereigenes Gewebe und werden nicht erkannt und angegriffen. Die Erreger können sich dann nahezu ungehindert vermehren und durch Ausschüttung verschiedener Giftstoffe den Krankheitsverlauf bestimmen. Dabei verwenden die Erreger fatalerweise Substanzen, die selbst zum komplexen System der Immunabwehr gehören und nutzen damit die eigentlich gegen sie gerichteten Waffen des Wirtsorganismus für ihre eigenen Zwecke.

Seit mehr als zehn Jahren arbeitet Peter Zipfel mit seinem Team an diesem Phänomen. Dabei konnte er eine ganze Reihe menschlicher Immunproteine identifizieren, welche Krankheitserreger an ihre Zelloberflächen heften. Viele dieser Proteine gehören dem Komplementsystem an. Dies ist ein ursprünglicher Abwehrmechanismus, der Fremdpartikel, wie eben Krankheitserreger, erkennt und zerstört. Antikörper spielen hierbei keine Rolle. Vielmehr beruht das Komplementsystem ähnlich wie die Blutgerinnung auf einer Kaskade sich gegenseitig aktivierender Proteine. Manche dieser Komponenten werden nun von den Erregern missbraucht und für die eigene Maskierung verwendet. Zipfel untersuchte außerdem, welche Bindungspartner die Mikroorganismen selbst auf ihrer Zelloberfläche präsentieren, um die begehrten Schutzmoleküle einzufangen. Für viele Krankheitserreger konnte er solche Moleküle aufspüren, sie werden heute in der Gruppe der CRAS-Proteine (Complement Regulator Aquiring Surface Proteins) zusammengefasst. So beschrieb er diese Faktoren zunächst bei Streptokokken und Staphylokokken, später auch für den Erreger der Zeckenborreliose Borrelia burgdorferi und für den Auslöser der Hirnhautentzündung, Neisseria meningitidis. Seit einigen Jahren befasst Zipfel sich vor allem mit der Hefe Candida albicans, einer der am weitesten verbreiteten krankheitserregenden Pilze. Auch hier konnte er - obwohl verwandtschaftlich weit entfernt von den Bakterien, solche CRAS-Proteine nachweisen.

Zipfels Arbeiten sind von grundlegender Bedeutung für die Erforschung von Krankheitsmechanismen und eröffnen auch neue Möglichkeiten für die Bekämpfung von Infektionskrankheiten. Wenn es gelingt, die Maskierung der Erreger durch geeignete Medikamente zu unterbinden, dann hat das Immunsystem wieder Gelegenheit, sich selbst zur Wehr zu setzen und die Mikroben zu zerstören. Einen auf diesem Prinzip basierenden Impfstoff gibt es bereits, er richtet sich gegen den Auslöser der oft tödlich verlaufenden Hirnhautentzündung Neisseria meningitidis.

Axel Brakhage, der Direktor des Hans-Knöll-Instituts freut sich besonders über die Auszeichnung seines Kollegen: "Die DGHM ist eine sehr renommierte Fachgesellschaft mit großer Tradition. Ihr gehören in der Mehrzahl medizinische Mikrobiologen an, die sich vor allem in den Universitätskliniken um die Krankenversorgung und Diagnostik kümmern. Mit Peter Zipfel wurde nun ein Wissenschaftler geehrt, der eine exzellente grundlagenorientierte Forschung betreibt. Dies zeigt, dass wir mit unserer wissenschaftlichen Ausrichtung nah an den wirklich wichtigen Themen arbeiten und dass Grundlagenforschung und Klinik immer enger vernetzt werden. Hiervon können beide Seiten stark profitieren zum Nutzen für den einzelnen Menschen, der sich eine schnelle Heilung erhofft."

Peter Zipfel kooperiert weltweit mit Forschern zu den Wechselbeziehungen zwischen Immunsystem und Krankheitserregern. Er kann eine beachtliche Liste von über 200 wissenschaftlichen Veröffentlichungen in angesehenen Fachjournalen vorweisen. Seine Arbeiten finanziert er großenteils über Drittmittelprojekte, darunter sogar Gelder der US-amerikanischen NIH (National Institutes of Health).

Die Deutsche Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie (DGHM, http://www.dghm.org) ist eine wissenschaftliche Fachgesellschaft, die sich der Förderung von Forschung und Lehre auf den Gebieten Mikrobiologie und Infektionsimmunologie sowie der Hygiene und des Gesundheitswesens widmet. Die DGHM unterstützt den Austausch wissenschaftlicher und praktischer Erfahrung durch wissenschaftliche Veranstaltungen und gemeinsame wissenschaftlichen Vorhaben. Sie wurde 1906 als "Freie Vereinigung für Mikrobiologie" gegründet. Heute gehören der DGHM über 1900 Mitglieder aus dem In- und Ausland an. Sie ist damit eine der größten mikrobiologischen Fachgesellschaften Deutschlands. Ihre Jahrestagung - sie gehört zu den wichtigsten Fachkongressen für Mikrobiologie in Europa - ging soeben in Göttingen zu Ende.

Informationen zum HKI http://www.hki-jena.de
Das Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie - Hans-Knöll-Institut - wurde 1992 gegründet und gehört seit 2003 zur Leibniz-Gemeinschaft. Die Wissenschaftler des HKI befassen sich mit der Infektionsbiologie human-pathogener Pilze. Sie untersuchen die molekularen Mechanismen der Krankheitsauslösung und die Wechselwirkung mit dem menschlichen Immunsystem. Neue Naturstoffe aus Mikroorganismen werden auf ihre Wirksamkeit gegen Pilzerkrankungen untersucht und zielgerichtet modifiziert.

Das HKI verfügt derzeit über fünf wissenschaftliche Abteilungen, deren Leiter gleichzeitig berufene Professoren der Friedrich-Schiller-Universität Jena (FSU) sind. Hinzu kommen jeweils fünf Nachwuchsgruppen und Querschnittseinrichtungen mit einer integrativen Funktion für das Institut, darunter das anwendungsorientierte Biotechnikum als Schnittstelle zur Industrie. Zur Zeit arbeiten etwa 280 Menschen am HKI, darunter 93 Doktoranden.

Informationen zur Leibniz-Gemeinschaft http://www.leibniz-gemeinschaft.de
Zur Leibniz-Gemeinschaft gehören zurzeit 86 Forschungsinstitute und Serviceeinrichtungen für die Forschung sowie drei assoziierte Mitglieder. Die Ausrichtung der Leibniz-Institute reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Sozial- und Raumwissenschaften bis hin zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute arbeiten strategisch und themenorientiert an Fragestellungen von gesamtgesellschaftlicher Bedeutung. Bund und Länder fördern die Institute der Leibniz-Gemeinschaft daher gemeinsam. Die Leibniz-Institute beschäftigen etwa 14.200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon sind ca. 6.500 Wissenschaftler, davon wiederum 2.500 Nachwuchswissenschaftler.

Dr. Michael Ramm | idw
Weitere Informationen:
http://www.hki-jena.de
http://www.fsu-jena.de
http://www.wgl.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Gitterdynamiken in ionischen Leitern
18.10.2017 | Justus-Liebig-Universität Gießen

nachricht Gewebe mit Hilfe von Stammzellen regenerieren
16.10.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Im Focus: Breaking: the first light from two neutron stars merging

Seven new papers describe the first-ever detection of light from a gravitational wave source. The event, caused by two neutron stars colliding and merging together, was dubbed GW170817 because it sent ripples through space-time that reached Earth on 2017 August 17. Around the world, hundreds of excited astronomers mobilized quickly and were able to observe the event using numerous telescopes, providing a wealth of new data.

Previous detections of gravitational waves have all involved the merger of two black holes, a feat that won the 2017 Nobel Prize in Physics earlier this month....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mobilität 4.0: Konferenz an der Jacobs University

18.10.2017 | Veranstaltungen

Smart MES 2017: die Fertigung der Zukunft

18.10.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

18.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Biokunststoffe könnten auch in Traktoren die Richtung angeben

18.10.2017 | Messenachrichten

»ILIGHTS«-Studie gestartet: Licht soll Wohlbefinden von Schichtarbeitern verbessern

18.10.2017 | Energie und Elektrotechnik