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Prof. Klaus Rajewsky mit Max-Delbrück-Medaille geehrt

04.12.2009
Der Immunologe Prof. Klaus Rajewsky von der Harvard Medical School in Boston, USA, ist in Berlin mit der Max-Delbrück-Medaille geehrt worden.

Damit würdigt die Jury seine Forschungen über die Entwicklung und Funktion der B-Zellen, den Antikörperfabriken des Immunssystems, sowie seine Arbeiten über die Entstehung von Lymphdrüsenkrebs, insbesondere des Hodgkin-Lymphoms.

Prof. Rajewsky entwickelte außerdem eine Technik, mit der in Mäusen gezielt Gene aus- und eingeschaltet werden können und zwar nur in bestimmten Geweben und unter bestimmten Bedingungen. Sie zählt zu den wichtigsten Methoden zur Erforschung von Krankheiten und wird in Forschungslaboren weltweit eingesetzt.

B-Zellen sind ein wichtiger Bestandteil des Immunsystems. Die zur Gruppe der weißen Blutzellen gehörenden B-Zellen produzieren bei einer Infektion Antikörper, die gezielt Bakterien, Viren und andere Erreger bekämpfen. Mit der "konditionellen Mausmutagenese", wie die von Prof. Rajewsky und dem Studenten Hua Gu und Jamey Marth in Vancouver, Kanada, in den neunziger Jahren entwickelte Technik in der Fachsprache heißt, ist es ihm gelungen, die Entwicklung der B-Zellen zu erforschen. Er hat damit auf einer neuen Ebene die Genetik für die Erforschung des Immunsystems nutzbar gemacht.

"Dass die Wissenschaft heute die Mechanismen des Immunsystem bis in die molekulare Ebene kennt und mit genetisch massgeschneiderten Mausmodellen menschliche Krankheiten erforschen und Therapieansätze entwickeln kann, daran hat Klaus Rajewsky einen entscheidenden Anteil", sagte Prof. Walter Rosenthal, Stiftungsvorstand des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch in seiner Laudatio.

Prof. Rajewsky setzt seine Technik heute insbesondere ein, um in Mäusen die Entstehung bösartiger Lymphome zu ergründen. Mit einer anderen Technik war es ihm Ende der neunziger Jahre zusammen mit Ralf Küppers und dem Pathologen Martin-Leo Hansmann in seinem Labor in Köln gelungen, B-Zellen als Ursprungszellen des Hodgkin-Lymphoms zu identifizieren.

Ein weiterer Schwerpunkt der Forschungen von Prof. Rajewsky in Boston ist die Bedeutung der microRNAs für die Entwicklung und Funktion des Immunsystems. MicroRNAs sind kleine, hochdiverse Moleküle, die aus Ribonukleinsäure bestehen und an der Kontrolle fast aller Lebensprozesse beteiligt sind. Sowohl auf dem Gebiet der microRNAs als auch bei der Erforschung der Hodgkinschen Krankheit arbeitet Prof. Rajewsky transatlantisch eng mit Forschern am MDC und der Charite zusammen.

Mit der Vergabe der Max-Delbrück-Medaille ist die "Berlin Lecture on Molecular Medicine" verbunden. Prof. Rajewsky berichtete in seinem Vortrag über "Mausgenetik und Mausmodelle von Erkrankungen des Menschen diesseits und jenseits des Atlantik" über seine Arbeiten in Köln und seine derzeitigen Forschungen in Boston, USA.

Klaus Rajewsky wurde am 12. November 1936 in Frankfurt am Main geboren. Er studierte zunächst Medizin und dann Chemie in Frankfurt und München und war Postdoktorand am Pasteur Institut in Paris. 1964 ging er an das Institut für Genetik in Köln der Universität Köln. 1966 wurde er Leiter der neu gegründeten Abteilung für Immunologie an diesem Institut.

Als Senior Fellow der European Molecular Biology Organization (EMBO) arbeitete Rajewsky Anfang 1969 in London mit Avrion Mitchison und erhielt kurz danach eine Professur für Molekulargenetik an der Universität Köln. Nach fast 40 Jahren Forschung in Köln wurde Prof. Rajewsky 2001 im Alter von 65 Jahren emiriert. Statt in den Ruhestand ging er an die Harvard Medical School nach Boston in die USA, wo der 73-jährige noch heute erfolgreich forscht.

Prof. Rajewsky erhielt zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem 2008 den Ernst Schering Preis sowie den Emil-von-Behring-Preis, 2007 den Novartis Prize for Basic Immunology, 2005 den Brupbacher Preis für Krebsforschung, 1997 den Körber-Preis für Europäische Wissenschaft, 1996 den Max-Planck-Forschungspreis und den Robert-Koch-Preis, 1995 den Rabbi Shai Shacknai Memorial Preis, Hebrew University, Jerusalem, 1994 den Behring-Kitasato-Preis und den Humboldt Forschungspreis, 1977 den Avery-Landsteiner-Preis der Deutschen Gesellschaft für Immunologie.

Darüber hinaus ist er Mitglied zahlreicher wissenschaftlicher Gesellschaften im In- und Ausland, darunter der National Academy of Sciences of the USA und der russischen sowie der ukrainischen Akademie der Wissenschaften und der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina.

Die Max-Delbrück-Medaille wird seit 1992 jährlich an einen herausragenden Wissenschaftler im Rahmen der "Berlin Lecture on Molecular Medicine" vergeben, die das MDC mit anderen Berliner Forschungseinrichtungen* und der Bayer Schering Pharma AG veranstaltet. Der erste Preisträger war der spätere Medizinnobelpreisträger Prof. Blobel.

* Bayer Schering Pharma, Charite - Universitätsmedizin Berlin, Humboldt-Universität zu Berlin (HU), Freie Universität Berlin (FU), Leibniz-Institut für Molekulare Pharmakologie (FMP), Robert Koch-Institut (RKI), Max-Planck-Institut für molekulare Genetik, Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie, Deutsches Rheuma-Forschungszentrum Berlin (DRFZ)

Barbara Bachtler
Pressestelle
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch
Robert-Rössle-Straße 10
13125 Berlin
Tel.: +49 (0) 30 94 06 - 38 96
Fax: +49 (0) 30 94 06 - 38 33
e-mail: presse@mdc-berlin.de

Barbara Bachtler | idw
Weitere Informationen:
http://www.mdc-berlin.de/
http://www.idi.harvard.edu/investigators_research/investigator/rajewsky_lab/

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