Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Prof. Jens Reich von Leopoldina und Stifterverband mit Carl-Friedrich-von-Weizsäcker-Preis geehrt

02.10.2009
Prof. Jens Reich vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch ist mit dem Carl-Friedrich-von-Weizsäcker-Preis der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina und des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft geehrt worden.

Der Mediziner, Bioinformatiker, Molekularbiologe und DDR-Bürgerrechtler erhielt den Preis für seine herausragenden wissenschaftlichen Leistungen sowie seinen persönlichen und politischen Mut. Der Preis wurde ihm auf der Jahresversammlung der Leopoldina am 2. Oktober in Halle an der Saale überreicht. Er ist der erste Träger der mit 50 000 Euro dotierten Auszeichnung.

Jens Reich wurde 1939 in Göttingen geboren und wuchs in der DDR auf. Er studierte an der Humboldt-Universität zu Berlin Medizin und arbeitete anschließend in Halberstadt an einem Krankenhaus und in einer staatlichen Arztpraxis. Danach machte an der Universität Jena seinen Facharzt für Biochemie. 1969 wurde er wissenschaftlicher Mitarbeiter, später Abteilungsleiter am Zentralinstitut für Molekularbiologie der Akademie der Wissenschaften der DDR in Berlin-Buch.

Mit oppositionellen DDR-Bürgern gründete Jens Reich 1970 den "Freitagskreis", der sich kritisch mit dem System der DDR auseinandersetzte. 1984 verlor er seinen Leitungsposten in Berlin-Buch, weil er sich weigerte, seine Kontakte in die Bundesrepublik abzubrechen und den DDR-Behörden (Stasi) zu berichten. Unter dem Pseudonym Thomas Asperger veröffentlichte er in der westdeutschen Zeitschrift "Lettre International" kritische Analysen über das System der DDR. Jens Reich ist einer der Mitbegründer der Bürgerbewegung "Neues Forum" vom September 1989. Vom 18. März - 2. Oktober 1990 war er Abgeordneter in der ersten frei gewählten Volkskammer der DDR.

1991 kehrte Jens Reich in die Forschung zurück und ging zunächst in die USA, wo er an der Harvard University in Cambridge am Center for European Studies eine Gastprofessur inne hatte. 1992 war er Gastprofessor am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg. Ebenfalls 1992 wurde er Forschungsgruppenleiter an dem nach der Wende aus den drei Akademieinstituten in Berlin-Buch gegründeten MDC. Bis zu seiner Emeritierung 2004 war er dort in der medizinischen Genomforschung tätig. Von 1998 bis 2004 war er C4-Professor für Bioinformatik an der Humboldt-Universität zu Berlin.

2001 wurde er in den neugegründeten Nationalen Ethikrat berufen. 2005 wurde er erneut in dieses Gremium berufen, dieses Mal als stellvertretender Vorsitzender und wiederum 2008 in den Deutschen Ethikrat, der den Nationalen Ethikrat ablöste.

Auch nach seiner Emeritierung ist Prof. Reich noch immer wissenschaftlich aktiv. Er fahndet in Datenbanken nach Genen, die für den Cholesterinstoffwechsel von Bedeutung sind und koordiniert ein Forschungsverbundprojekt am MDC zusammen mit einer Forschungsgruppe am European Molecular Biology Laboratory (EMBL), Heidelberg und der Universität Heidelberg.

Prof. Reich erhielt zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen. 1991 erhielt er den Theodor-Heuss-Preis, 1993 den erstmals verliehenen Anna-Krüger-Preis, mit dem er für seine gute und verständliche Wissenschaftssprache ausgezeichnet wurde. Für seine "herausragenden und vielfältigen Beiträge in Wort und Schrift zu den Entwicklungen in der Genforschung" wurde ihm 1996 die Lorenz-Oken-Medaille der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte verliehen, 1998 die Urania-Medaille der gleichnamigen Berliner Gesellschaft für wissenschaftliche Bildung. Im Jahre 2000 erhielt er den Nationalpreis der Deutschen Nationalstiftung.

Prof. Reich hat über 70 wissenschaftliche Publikationen und darüber hinaus zahlreiche Essays über die Genforschung in der Publikumspresse verfasst. Darüber hinaus hat er zahlreiche Bücher geschrieben, darunter "Rückkehr nach Europa" (1991), "Abschied von den Lebenslügen" (1992) und "Es wird ein Mensch gemacht - Möglichkeiten und Grenzen der Gentechnik" (2003).

Der ihm jetzt in Halle verliehene Preis ist benannt nach dem Physiker, Philosophen und Friedensforscher Carl-Friedrich von Weizsäcker (1912 - 2007). Er soll künftig alle zwei Jahre vergeben werden.

Barbara Bachtler
Pressestelle
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch
Robert-Rössle-Straße 10
13125 Berlin
Tel.: +49 (0) 30 94 06 - 38 96
Fax: +49 (0) 30 94 06 - 38 33
e-mail: presse@mdc-berlin.de

Barbara Bachtler | Max-Delbrück-Centrum
Weitere Informationen:
http://www.leopoldina-halle.de/cms/
http://www.mdc-berlin.de/
http://www.ethikrat.org/de_der/_reich.php

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Illegal geschlagenes Holz in Alltagsprodukten aufspüren
21.11.2017 | Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)

nachricht DFG-Förderung für weltweit größte Studie zu Einzel-Implantaten im zahnlosen Unterkiefer
21.11.2017 | Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Tagung widmet sich dem Thema Autonomes Fahren

21.11.2017 | Veranstaltungen

Neues Elektro-Forschungsfahrzeug am Institut für Mikroelektronische Systeme

21.11.2017 | Veranstaltungen

Raumfahrtkolloquium: Technologien für die Raumfahrt von morgen

21.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Neue Gene für das Risiko von allergischen Erkrankungen entdeckt

21.11.2017 | Studien Analysen

Wafer zu Chip: Röntgenblick für weniger Ausschuss

21.11.2017 | Informationstechnologie

Nanopartikel helfen bei Malariadiagnose – neuer Schnelltest in der Entwicklung

21.11.2017 | Biowissenschaften Chemie