Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Prof. Dr. Nikolaus Pfanner erhält Landesforschungspreis für Grundlagenforschung

11.05.2009
Die Entdeckungen von Prof. Pfanner liefern wichtige Grundlagen zur Forschung an Krankheiten des Nervensystems

Professor Dr. Nikolaus Pfanner, Institut für Biochemie und Molekulare Biologie der Universität Freiburg, erhält den Landesforschungspreis für Grundlagenforschung. Der Preis wird am Montag, den 15. Juni 2009, in der Staatsgalerie Stuttgart verliehen. Mit dem Preis werden seine grundlegenden Arbeiten zur Erforschung von Krankheiten des Nervensystems ausgezeichnet.

Professor Pfanner ist es weltweit erstmals gelungen, die Zusammensetzung der Kraftwerke der Zellen (Mitochondrien) zu entschlüsseln. Darüber hinaus sammelten er und sein Team Erkenntnisse darüber, wie Proteine (Eiweiße), die in den Kraftwerken aktiv sind, an ihren Arbeitsplatz kommen.

Erklären Biologen den Aufbau einer Zelle, vergleichen sie diesen gern mit einer Stadt. Der Zellkern ist dabei eine Art Rathaus, um das eine Vielzahl von Einrichtungen platziert ist. Besondere Bedeutung kommt dabei den Kraftwerken zu, den sogenannten Mitochondrien, da sie die Energie für die Zelle liefern. Belebt wird die Stadt vor allem durch die Proteine, die als die "Arbeiter der Zellen" zahlreiche verschiedene Aufgaben erfüllen. Dieser Sachverhalt ist seit etwa 50 Jahren bekannt.

Doch wie gelangen die fast 1.000 Proteine der Kraftwerke an ihren Arbeitsplatz und was spielt sich dabei genau ab? An diesem Punkt setzt die Forschungsarbeit von Professor Pfanner an. Mit Erfolg, denn der im Allgäu geborene Forscher, dessen Weg von der örtlichen Zwergschule über München und Princeton (USA) nach Freiburg führte, entdeckte mit seinem Team, nach was weltweit etwa 25 Forschergruppen suchen: Die Zusammensetzung der Kraftwerke der Zellen und die Transportmaschinen, mit denen die Proteine zu ihrem richtigen Arbeitsplatz gelangen. Bei Störungen des Proteintransports in die Kraftwerke können Krankheiten vor allem im Nervensystem und der Muskulatur entstehen. Die Forschung zu den Kraftwerken liefert die Grundlagen dafür, die Ursachen der Erbkrankheiten zu verstehen und damit längerfristig auch Therapiemöglichkeiten zu entwickeln.

Maßgeblich konzentriert sich Nikolaus Pfanner auf die Erforschung der Mitochondrien und den Proteintransport in die Mitochondrien. "Wir sind - zumindest in Teilen - schon in der Lage zu begreifen, welche Funktion das einzelne Protein an Ort und Stelle erfüllt", so Pfanner. Für die erste umfassende Betrachtung aller Proteine in den Mitochondrien hat er mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern etwa 1.000 verschiedene Proteine unterschieden, über 200 davon wurden dabei erstmals identifiziert.

Einfache Bäckerhefe - große Aussagekraft
Pfanner führt seine Forschungsarbeiten an Zellen der Bäckerhefe durch und konnte wichtige Prinzipien des Proteinverkehrs und des dynamischen Aufbaus von Mitochondrien aufklären. Die Ergebnisse gelten gleichermaßen für Pilze wie für Pflanzen, Tiere oder Menschen. Diese Forschung geht insbesondere der Frage nach, wie die Proteine an den richtigen Ort, den richtigen Arbeitsplatz gelangen. "Wir konnten nachweisen, dass schon das Fehlen eines einzigen bestimmten Proteins dazu führen kann, dass überhaupt keine Proteine mehr in das Mitochondrium gelangen. Bereits kleinste Abweichungen in Aufbau und Zusammensetzung haben direkte Auswirkungen auf die gesamte Zelle", erklärt Pfanner. Ein falscher Transport, ein Protein am falschen Platz, eine falsche Form - solche winzigen Defekte am Mitochondrium führen häufig zu Krankheiten am Nervensystem. "Wir beginnen gerade, ein molekulares Verständnis von Krankheiten zu entwickeln. Der Punkt ist erreicht, an dem die angewandte Forschung sinnvoll auf der geleisteten Grundlagenforschung aufbauen kann."

Das Preisgeld will Pfanner flexibel in seine Forschungsarbeiten investieren. Es erleichtert die spontane Unterstützung von Entdeckungen: "Forschung birgt viele Überraschungen. Wenn ein Mitglied des Teams 'unplanmäßig' etwas Spannendes aufspürt, kann das Preisgeld sofort eingesetzt werden, sodass derjenige Mitarbeiter dranbleiben kann", so Pfanner. "Denn im Alltag ist es sonst eher schwierig, auf spontane Forschungsimpulse finanziell eingehen zu können."

Kontakt:
Prof. Dr. Nikolaus Pfanner
Tel.: 0761/203-5223
Fax: 0761/203-5261
E-Mail: Nikolaus.Pfanner@biochemie.uni-freiburg.de

Rudolf-Werner Dreier | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-freiburg.de
http://www.pr.uni-freiburg.de/pm/2009/pm.2009-05-11.167/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Über zwei Millionen für bessere Bordnetze
28.04.2017 | Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

nachricht Innovationspreis 2017 der Deutschen Hochschulmedizin e.V.
24.04.2017 | Deutsche Hochschulmedizin e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie