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Privatsphäre im Wandel: Junge Menschen schützen persönliche Daten besser als ältere

25.06.2015

Wissenschaftler an der Universität Hohenheim erforschen Bedeutung der Privatsphäre im Internet / BMBF fördert das Projekt mit rund 500.000 Euro

Trotz zum Teil massiver Bedenken: „Ein großer Teil der Deutschen ist bereit, Daten im Internet und insbesondere im Social Web preiszugeben“, sagt Philipp Masur, Medienpsychologe an der Universität Hohenheim und Doktorand im Forschungsprojekt „Privatheit im Wandel“.

Die Wissenschaftler unter der Leitung der Medienpsychologin Prof. Dr. Sabine Trepte untersuchen darin, ob sich die Wahrnehmung, Bewertung und der Umgang mit Privatsphäre in der deutschen Bevölkerung allgemein und auch im Internet verändert. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert das Projekt mit knapp einer halben Million Euro. Damit zählt es zu einem der Schwergewichte der Forschung an der Universität Hohenheim.

Wer technisch fit ist, zur Generation der unter 30-Jährigen zählt und dazu auch noch männlich ist, schützt seine Privatsphäre im Internet besser als der übrige Teil der Bevölkerung: Sie wissen meist was mit ihren Daten geschieht, kennen die datenschutzrechtlichen Grundlagen und geben auch weniger Daten preis.

Dies hat eine repräsentative Studie des Lehrstuhls Medienpsychologie der Universität Hohenheim ergeben. Erste Ergebnisse aus zwei Untersuchungsphasen der Studie liegen jetzt vor: „Wer über mehr strukturelles, technisches und rechtliches Know-how verfügt, schützt auch seine Privatsphäre im Social Web besser“, erläutert Philipp Masur.

Dies erkläre auch, so Philipp Masur, warum die meisten Deutschen einerseits Angst davor haben, dass Daten und private Informationen über sie öffentlich zugänglich sein könnten und andererseits aber erstaunlich wenig dafür tun, ihre Privatsphäre im Internet zu schützen: „Viele möchten ihre privaten Informationen gerne besser schützen, wissen aber schlicht nicht wie das geht. Die heutige Internetwelt hat eine Komplexität erlangt, die man als individueller Nutzer kaum verstehen kann.“

Deutsche sehen Privatheit als schützenswertes Gut an

Die Ergebnisse zeigen allerdings auch, dass Privatheit als wichtiges und schützenswertes Gut in der Bundesrepublik angesehen wird: So stimmten 94 Prozent der Befragten zu, dass jeder Mensch die Möglichkeit haben sollte selbst zu bestimmen, welche Informationen über ihn öffentlich zugänglich sind. Knapp 40 Prozent gaben sogar an, dass auch bei Verdacht auf Kriminalität die Privatsphäre einzelner Menschen geschützt werden sollte.

Teilnehmende äußerten dementsprechend auch große Sorgen und Bedenken, was den Schutz ihrer Privatsphäre sowohl in „Offline-Kontexten“ – also im persönlichen Gespräch – als auch in „Online-Kontexten“ über die sozialen Medien anbelangt. So gab die Hälfte aller Befragten an, dass sie teilweise besorgt bis sehr besorgt darüber sind, dass sie auf öffentlichen Plätzen durch Kameras überwacht werden könnten. Ebenso äußerten 64 Prozent ihre Beunruhigung darüber, dass sie am Telefon abgehört werden könnten.

Besonders im Internet hat die Privatsphäre jedoch eine hohe und wichtigere Bedeutung für die Nutzer bekommen: Drei Viertel der Befragten fürchten, dass sie nicht wissen was Organisationen oder Webseitenbetreiber mit ihren Daten machen. Mehr als die Hälfte zeigte sich besorgt darüber, dass Webseitenbetreiber ihr Surfverhalten aufzeichnen.

Hintergrund: Forschungsprojekt „Privatheit im Wandel“

Das Projekt „Privatheit im Wandel“ läuft seit November 2013 und ist auf zwei Jahre angelegt. Neben qualitativen Studien und sozialwissenschaftlichen Experimenten, wird eine 18-monatige Längsschnittstudie durchgeführt, bei der eine repräsentative Stichprobe der deutschen Bevölkerung im Abstand von sechs Monaten dreimal befragt wird. Weitere Ergebnisse sind unter dem Titel „Privatheitsbedürfnisse verschiedener Kommunikationstypen on- und offline“ in der aktuellen Ausgabe der Media Perspektiven (5/2015) erschienen ( www.media-perspektiven.de/publikationen/fachzeitschrift/2015/artikel/privatheitsbeduerfnisse-verschiedener-kommunikationstypen-on-und-offline  ). Mit der Publikation weiterer Ergebnisse wird im Herbst 2015 gerechnet.

Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert das Projekt mit 487.500 Euro. Damit zählt es zu einem der Schwergewichte der Forschung an der Universität Hohenheim.

Hintergrund: Schwergewichte der Forschung
Rund 30 Millionen Euro an Drittmitteln akquirierten Wissenschaftler der Universität Hohenheim 2014 für Forschung und Lehre. In loser Folge präsentiert die Reihe „Schwergewichte der Forschung“ herausragende Forschungsprojekte mit einem Drittmittelvolumen von mindestens 250.000 Euro bei den Experimental- bzw. 125.000 Euro bei den Sozial- und Gesellschaftswissenschaften.
Text: A. Schmid

Kontakt für Medien:
Philipp Masur M.A., Universität Hohenheim, Fachgebiet Kommunikationswissenschaft, insbesondere Medienpsychologie
Tel.: 0711 459 24792, E-Mail: philipp.masur@uni-hohenheim.de

Prof. Dr. Sabine Trepte, Universität Hohenheim, Fachgebiet Kommunikationswissenschaft, insbesondere Medienpsychologie, Tel.: 0711 459 22654, E-Mail: sabine.trepte@uni-hohenheim.de

Florian Klebs | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.uni-hohenheim.de

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