Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Physiker der Universität Göttingen erhält Advanced Grant des Europäischen Forschungsrates

18.06.2014

Der mechanische Tastsinn der Zelle

Der Physiker Prof. Dr. Christoph Schmidt von der Universität Göttingen hat einen Advanced Grant des Europäischen Forschungsrates (ERC) eingeworben. Der ERC fördert damit ein Forschungsprojekt zur mechanischen Signalübertragung in Zellen unter der Leitung von Prof. Schmidt in den kommenden fünf Jahren mit insgesamt rund 2,4 Millionen Euro.


Erhält einen ERC Advanced Grant über 2,4 Millionen Euro: Prof. Dr. Christoph Schmidt von der Universität Göttingen. Foto: Universität Göttingen

Mit Advanced Grants unterstützt der ERC die Arbeit von weltweit herausragenden und erfahrenen Spitzenforscherinnen und -forschern. Nach zwei Advanced Grants für die Universitätsmedizin Göttingen geht die Auszeichnung nun das erste Mal an eine der anderen Fakultäten.

Mit dem Projekt „The Physical Basis of Cellular Mechanochemical Control Circuits“ (CellMechanoControl) geht das Forschungsteam am Dritten Physikalischen Institut der Universität Göttingen der Frage nach, wie sich der mechanische „Tastsinn“ von Zellen in deren komplexes regulatorisches Netzwerk einfügt.

Zellen besitzen sowohl einen chemischen „Geruchssinn“ als auch einen physischen „Tastsinn“. Struktur, Dynamik, Entwicklung und Differenzierung der Zelle sowie der programmierte Zelltod werden durch physische Signale beeinflusst, die in komplizierte Regelwerke eingreifen. Ein Hauptziel des Projekts ist es, solche Signalkaskaden quantitativ zu erforschen, im Detail darzustellen, wie ein äußeres mechanisches Signal in der Zelle übertragen und interpretiert wird und wie letztendlich im Zellkern die Transkription von Genen durch dieses Signal gesteuert wird.

Um die Abläufe im Inneren des Zellkerns im Mikroskop machen zu können, nutzen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler neuartige Nanomaterialien – so genannte Karbonnanoröhrchen. Diese verfügen über besondere Fluoreszenzeigenschaften im nahen Infrarotbereich. Neben grundsätzlicher Bedeutung für die Zell-Biophysik ist die mechanische Kontrolle von Zellverhalten auch von entscheidender Bedeutung für die Biotechnologie und die Medizin, beispielsweise bei der Entwicklung von künstlichen Geweben und Organen.

Christoph Schmidt, Jahrgang 1956, studierte Physik an der Technischen Universität München, wo er 1988 auch promoviert wurde. Nach einem Postdoc-Aufenthalt an der Harvard University war er zunächst als assistant professor und anschließend als associate professor an der University of Michigan in Ann Arbor tätig.

1999 folgte er einem Ruf an die Freie Universität Amsterdam. 2006 nahm er einen Ruf an die Universität Göttingen an, wo er die Leitung des Dritten Physikalischen Instituts übernahm, das sich seit dem Führungswechsel der Biophysik widmet. Prof. Schmidts Forschung ist eng verbunden mit dem Göttinger Exzellenzcluster und DFG Forschungszentrum „Mikroskopie im Nanometerbereich und Molekularphysiologie des Gehirns“ (CNMPB). Dieses Jahr wurde er zum „Fellow of the American Physical Society“ gewählt.

Kontaktadresse:
Prof. Dr. Christoph Schmidt
Georg-August-Universität Göttingen
Fakultät für Physik – Drittes Physikalisches Institut (Biophysik)
Friedrich-Hund-Platz 1, 37073 Göttingen, Telefon (0551) 39-7740
E-Mail: christoph.schmidt@phys.uni-goettingen.de

Weitere Informationen:

http://www.dpi.physik.uni-goettingen.de/de/home.html

Thomas Richter | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Sechs innovative Projekte sind im Rennen um den begehrten European Health Award 2017
17.08.2017 | European Health Forum Gastein

nachricht ERC-Grants: Fünf neue Projekte an der LMU
11.08.2017 | Ludwig-Maximilians-Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie