Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Photodynamische Desinfektion von Kleidung: Vom Labor an der TU Graz zum Innovations-Staatspreis

21.04.2016

Patente, Preise und ein Startup: Ein Projekt der TU Graz und des RCPE zur Desinfektion mittels Lichteffekten hat weite Kreise gezogen. Die Antikeim-Technologie wurde zuletzt mit dem ECONOVIUS ausgezeichnet.

Wenn es bis in den letzten Winkel hygienisch rein sein soll, reichen Staubwedel und Putzlappen nicht aus. Starke chemische Reinigungsmittel sind in der Pharma- und Lebensmittelproduktion und im klinischen Bereich aber fehl am Platz. „Besonders schwierig ist es, Personen zu dekontaminieren. Sie sind in Reinräumen der größte verunreinigende Risikofaktor“, sagt Gabriele Berg vom Institut für Umweltbiotechnologie der TU Graz. Eine „erhellende“ Alternative findet sich in der photodynamischen Desinfektion von Kleidung, eine Technologie, die ihren Ursprung in einem gemeinsamen Projekt der TU Graz und des Research Center Pharmaceutical Engineering (RCPE) hat.


Der photodynamische Effekt ermöglicht es einem Farbstoff , auf spezielle Wellenlängen des Lichts zu reagieren. Es bildet sich hochreaktiver Sauerstoff, der unerwünschte Keimen reduziert...

Lukas Grumet


Die Antikeim-Technologie hat ihren Ursprung in einem gemeinsamen Projekt von TU Graz und RCPE.

Lukas Grumet

Desinfektion mittels Licht

Die zugrunde liegende Technologie der Erfindung nennt sich „Photodynamic Disinfection certified Technology“, kurz PDcT. Gabriele Berg erklärt: „Wir nutzen den photodynamischen Effekt, der es einem Farbstoff ermöglicht, auf spezielle Wellenlängen des Lichts zu reagieren. In dieser Reaktion bildet sich hochreaktiver Sauerstoff, der wiederum mit unerwünschten Keimen reagiert und deren Wachstum verhindert“. Erst seit kurzem ist die photodynamische Desinfektion auch auf speziell gefärbter (Arbeits-)Kleidung möglich. „Für den Menschen ist diese Art der Dekontamination völlig ungefährlich“, so Berg. Mit PDcT ist es erstmals möglich, Personen in ihrem Arbeitsumfeld zu dekontaminieren und die Keimübertragung durch den Menschen zu minimieren.

Die Anwendungsmöglichkeiten der neuen Technologie sind vielfältig: In Reinraum-Bereichen der Pharma- und Lebensmittelproduktion ist sie heute schon erfolgreich im Einsatz. Andere künftige Anwendungsgebiete sind sensible klinische Bereiche wie die Onkologie, Neonatalogie, Intensivstationen oder Nachbetreuungseinrichtungen für Transplant-Patienten. Das Team rund um Gabriele Berg hat diese besondere Antikeim-Technologie mit zwei weiteren Instituten der TU Graz, dem Kompetenzzentrum RCPE und verschiedenen Unternehmenspartnern weiterentwickelt. Das Patent hält die Partnerfirma Ortner Reinraumtechnik. Sie hat dafür kürzlich den Sonderpreis ECONOVIUS im Rahmen des Staatspreises für Innovation 2016 und eine Nominierung zum Houskapreis eingeheimst.

Keimbekämpfung aus der Natur

Neben dem ECONOVIUS, dem Science2Business Award 2011 und dem Kärntner Innovationspreis trägt die gemeinsame Forschung zwischen TU Graz, RCPE und Unternehmenspartnern viele weitere Früchte: etwa das Startup roombiotic, das sich auf Desinfektionsverfahren für schwer zugängliche Bereiche spezialisiert und ebenfalls bereits drei Patente angemeldet hat. Roombiotic setzt flüchtige Wirkstoffe ein, die nützliche Mikroorganismen enthalten. Wie Aromastoffe breiten sie sich über die Luft aus und wehren Keime auf verschiedenen Oberflächen und in Nischenbereichen schonend in der Luft ab.

Zur Website von Roombiotic: http://www.roombiotic.com
Hier geht es zum Clip über die preisgekrönte Desinfektionstechnologie, den der Unternehmenspartner Ortner Reinraumtechnik auf seiner Website veröffentlicht hat: http://www.ortner-group.com/de/node/367

An der TU Graz ist dieses Forschungsprojekt im Field of Expertise „Human & Biotechnology“ verankert, einem von fünf strategischen Forschungsschwerpunkten.

Kontakt:
Gabriele BERG
Univ.-Prof. Dipl.-Biol. Dr.rer.nat.
Institut für Umweltbiotechnologie
Petersgasse 10-12, 8010 Graz
Tel.: +43 664 608 7383 10
E-Mail: gabriele.berg@tugraz.at

Mag. Susanne Eigner | Technische Universität Graz

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope
20.10.2017 | Freie Universität Berlin

nachricht Gitterdynamiken in ionischen Leitern
18.10.2017 | Justus-Liebig-Universität Gießen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise