Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Peter Seeberger erhält Inhoffen-Medaille des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung

06.04.2011
Für die Entwicklung des ersten Syntheseautomaten zur Herstellung komplexer Zucker und die damit verbundene Erforschung synthetischer Impfstoffe wird Prof. Dr. Peter Seeberger die Inhoffen-Medaille verliehen. Die Auszeichnung wird dem Direktor am Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung und Professor der Freien Universität Berlin am Donnerstag, den 7. April 2011 in Braunschweig überreicht.

Der 44-Jährige ist einer der weltweit führenden Wissenschaftler auf dem neuen Forschungsgebiet „Glycomics“. Damit ist die Erforschung von Kohlehydraten gemeint, die Chemiker auch als Zucker bezeichnen – für Nichtchemiker ein irreführender Begriff, geht es doch nicht um „Süßes“.

Zucker übernehmen Kommunikationsfunktionen in Organismen und zwischen Zellen, sie sind der Code, mit dem Zellen kommunizieren. Das Problem bei der Erforschung dieser Funktionen ist die Komplexität der Zucker. Beim Menschen gibt es zehn verschiedene Monosaccharidbausteine, bei Bakterien mehr als 100. Außerdem sind Oligosaccharide verzweigt und räumlich unterschiedlich verknüpft. Aus drei Einfachzuckern als Bausteinen können bereits 27.000 verschiedene Moleküle gebildet werden.

Entscheidend dafür, warum sich die Wissenschaft nicht mit den komplexen Zuckern beschäftigt hat, war aber nicht nur die Komplexität des Gebietes, sondern auch die Tatsache, dass man keinen praktikablen Zugang zu den Zuckern hatte. Sie mussten aus Zellen isoliert und aufgereinigt werden. Die meisten Zucker standen deshalb, wenn überhaupt, nur in winzigen Mengen zur Verfügung. Diese Ausgangslage hat sich durch die Forschung von Peter Seeberger grundlegend verändert. Sein Synthesizer –in Verbindung mit dem chemischen Know-how – ermöglicht es, selbst komplexe Zucker schnell zusammenzubauen. Früher war für jeden Zucker eine eigenständige Doktorarbeit nötig, heute erledigt der Synthesizer die Arbeit an einem Tag. Damit sind jetzt alle Zucker potenziell erforschbar.

Die Kenntnisse über die Zuckerchemie nehmen rasant zu, neue Impfstoffe und Medikamente befinden sich in der Entwicklung. Ein Beispiel ist eine Impfung gegen die Infektion des Gehirns, die bei Malariaerkrankungen zum Tod führt – der Malariaparasit selbst ist nicht –tödlich – deren Wirksamkeit Seeberger bei Tieren nachweisen konnte. Weit fortgeschritten sind die chemische Synthese des Blutgerinnungshemmers Heparin und die Entwicklung eines Impfstoffes gegen die Tropenkrankheit Leishmaniose.

Peter Seeberger über den Preis: „Die Inhoffen-Medaille zu erhalten ist eine sehr große Ehre – besonders auch, wenn man sich die Liste der bisherigen Preisträger ansieht. Diese Auszeichnung in meinem Alter zu bekommen, ist ein großer Ansporn, den hohen Ansprüchen auch weiter gerecht zu werden“.

Hans Herloff Inhoffen und die gleichnamige Medaille
Zum Gedenken an den 1992 verstorbenen Chemiker Prof. Hans Herloff Inhoffen veranstalten die Technische Universität Braunschweig und das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (damals noch: Gesellschaft für Biotechnologische Forschung, kurz GBF) seit 1994 regelmäßig die Inhoffen-Vorlesung, bei der der gleichnamige Preis vergeben wird. Inhoffen lehrte von 1946 bis 1974 an der Technischen Hochschule Braunschweig und amtierte dort von 1948 bis 1950 als Rektor. Er gründete darüber hinaus 1965 das „Institut für Molekulare Biologie, Biochemie und Biophysik“ (IMB), das Vorläufer-Institut der GBF und damit des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung.
Weitere Informationen erhalten Sie von:
• Prof. Dr. Peter H. Seeberger, Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung, Potsdam, und Freie Universität Berlin, Telefon: 030 / 838-59300, E-Mail: peter.seeberger@mpikg.mpg.de
• Frank Grimm, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Max-Planck-Instituts für Kolloid- und Grenzflächenforschung, Potsdam, Telefon: 0331 / 567-9203, E-Mail: frank.grimm@mpikg.mpg.de

• Stabsstelle Presse und Kommunikation der Freien Universität Berlin, Telefon: 030 / 838-73180, E-Mail: presse@fu-berlin.de

Carsten Wette | idw
Weitere Informationen:
http://www.fu-berlin.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht BRIESE-Preis 2016: Intelligente automatisierte Bildanalyse erschließt Geheimnisse am Meeresgrund
20.01.2017 | Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde

nachricht Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert
20.01.2017 | University of Twente

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise