Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Otto-Hahn-Medaille für Jaime Agudo-Canalejo

21.06.2017

Im Rahmen der 68. Jahreshauptversammlung der Max-Planck-Gesellschaft (MPG), die am 21. und 22. Juni in Weimar, Jena und Erfurt stattfindet, erhält der Nachwuchswissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung die Otto-Hahn-Medaille. Er wird für seine herausragende Doktorarbeit über die Krümmungselastizität von flüssigen Membranen ausgezeichnet.

Die supramolekulare Architektur der lebenden Zelle wird zu einem erheblichen Teil von fluiden Membranen bestimmt, die aus Doppelschichten von Lipid-Membranen bestehen. Wie Wände in einer Wohnung grenzen sie die einzelnen räumlichen Bereiche der Zelle voneinander ab und trennen das Innere vom Äußeren der Zelle.


Dr. Jaime Agudo-Canalejo

Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung

Die Membranen selbst sind flüssig und extrem dünn, nur etwa einen Millionstel Millimeter. Die Membranen haben deshalb auch ungewöhnliche flüssig-elastische Eigenschaften: Sie sind sehr flexibel und können ihre Form in vielfältiger Weise an Stimuli oder Veränderungen ihrer Umwelt anpassen.

In seiner Doktorarbeit, die Jaime Agudo-Canalejo in der Abteilung von Reinhard Lipowsky anfertigte, hat er das komplexe morphologische Verhalten dieser Membranen aufgeklärt und dabei die Theorie der Krümmungselastizität weiterentwickelt.

Ein besonders eindrucksvolles Beispiel für die Umgestaltung von Membranen ergibt sich bei der Endozytose. Das ist ein zellulärer Vorgang, bei dem Nanopartikel aus der Umgebung durch Einstülpung von kleinen Segmenten der Zellmembran aufgenommen werden. Diese Nanopartikel können natürliche Viren sein, die die Zelle infizieren oder auch synthetische Partikel, die ein Medikament transportieren und so von hoher biomedizinischer Relevanz sind.

Während der Endozytose spreitet die Membran über die Partikel-Oberfläche bis das Partikel vollständig eingehüllt ist. Danach gelangt es, umgeben von einem Membranmantel, ins Innere der Zelle. Anhand eines theoretischen Modells zur Membranelastizität, hat Agudo-Canalejo eine quantitative Beschreibung dafür erhalten, wie die Endozytose unterstützt oder behindert werden kann.

Ein wichtiger Parameter ist die Partikelgröße sowie die sogenannte spontane Krümmung, was frühere experimentelle Beobachtungen erklärt. Darüber hinaus gibt das Modell Einsichten wie der Prozess der Endozytose in großen Vesikeln nachgeahmt werden könnte. Diese Vesikel stellen künstliche biomimetische Systeme dar und liefern wichtige Module für die synthetische Biologie.

Neben der Endozytose hat der Nachwuchswissenschaftler auch andere Umbauvorgänge von Membranen untersucht wie z.B. die Bildung von Nanoröhren in Vesikeln, die asymmetrischen Umgebungen ausgesetzt sind oder die Bildung von engen Membranhälsen in biologischen und biomimetischen Membranen. Letztere sind entscheidend für wichtige zelluläre Prozesse wie die Zellteilung oder die Autophagie.

Otto-Hahn-Medaille
Seit 1978 zeichnet die Max-Planck-Gesellschaft jedes Jahr junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für herausragende wissenschaftliche Leistungen, die sie in der Regel im Zusammenhang mit ihrer Doktorarbeit erbracht haben, mit der Otto-Hahn-Medaille aus. Diese ist mit einem Anerkennungsbetrag von 7500 Euro verbunden.

Durch die Preisverleihung sollen besonders begabte Nachwuchswissenschaftler zu einer späteren Hochschul- oder Forscherkarriere motiviert werden. Seit 1978 wurden bereits über 910 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit der Otto-Hahn-Medaille ausgezeichnet. Die Auszeichnung wird jeweils während der Hauptversammlung der Max-Planck-Gesellschaft im folgenden Jahr verliehen.

Katja Schulze | Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung
Weitere Informationen:
http://www.mpikg.mpg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Wirtschaftsmagazin Capital: Platz 1 für wohngesundes Bauen geht an das Ökohaus-Unternehmen Baufritz
18.06.2018 | Bau-Fritz GmbH & Co. KG, seit 1896

nachricht Muskelaufbau im Computer: Internationales Team will Entstehung von Myofibrillen enträtseln
13.06.2018 | Technische Universität Dresden

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Überdosis Calcium

Nanokristalle beeinflussen die Differenzierung von Stammzellen während der Knochenbildung

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitäten Freiburg und Basel haben einen Hauptschalter für die Regeneration von Knochengewebe identifiziert....

Im Focus: Overdosing on Calcium

Nano crystals impact stem cell fate during bone formation

Scientists from the University of Freiburg and the University of Basel identified a master regulator for bone regeneration. Prasad Shastri, Professor of...

Im Focus: AchemAsia 2019 in Shanghai

Die AchemAsia geht in ihr viertes Jahrzehnt und bricht auf zu neuen Ufern: Das International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production findet vom 21. bis 23. Mai 2019 in Shanghai, China statt. Gleichzeitig erhält die Veranstaltung ein aktuelles Profil: Die elfte Ausgabe fokussiert auf Themen, die für Chinas Prozessindustrie besonders relevant sind, und legt den Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit und Innovation.

1989 wurde die AchemAsia als Spin-Off der ACHEMA ins Leben gerufen, um die Bedürfnisse der sich damals noch entwickelnden Iindustrie in China zu erfüllen. Seit...

Im Focus: AchemAsia 2019 will take place in Shanghai

Moving into its fourth decade, AchemAsia is setting out for new horizons: The International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production will take place from 21-23 May 2019 in Shanghai, China. With an updated event profile, the eleventh edition focusses on topics that are especially relevant for the Chinese process industry, putting a strong emphasis on sustainability and innovation.

Founded in 1989 as a spin-off of ACHEMA to cater to the needs of China’s then developing industry, AchemAsia has since grown into a platform where the latest...

Im Focus: Li-Fi erstmals für das industrielle Internet der Dinge getestet

Mit einer Abschlusspräsentation im BMW Werk München wurde das BMBF-geförderte Projekt OWICELLS erfolgreich abgeschlossen. Dabei wurde eine Li-Fi Kommunikation zu einem mobilen Roboter in einer 5x5m² Fertigungszelle demonstriert, der produktionsübliche Vorgänge durchführt (Teile schweißen, umlegen und prüfen). Die robuste, optische Drahtlosübertragung beruht auf räumlicher Diversität, d.h. Daten werden von mehreren LEDs und mehreren Photodioden gleichzeitig gesendet und empfangen. Das System kann Daten mit mehr als 100 Mbit/s und fünf Millisekunden Latenz übertragen.

Moderne Produktionstechniken in der Automobilindustrie müssen flexibler werden, um sich an individuelle Kundenwünsche anpassen zu können. Forscher untersuchen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Hengstberger-Symposium zur Sternentstehung

19.06.2018 | Veranstaltungen

LymphomKompetenz KOMPAKT: Neues vom EHA2018

19.06.2018 | Veranstaltungen

Simulierter Eingriff am virtuellen Herzen

18.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Rätselhaftes IceCube-Ereignis könnte von Tau-Neutrino stammen

19.06.2018 | Physik Astronomie

Automatisierung und Produktionstechnik – Wandlungsfähig – Präzise – Digital

19.06.2018 | Messenachrichten

Überdosis Calcium

19.06.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics