Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

»Oscarverleihung für Innovationen« im Flugzeugkabinenbereich: Dresdnder Innovation unter Top Drei

16.04.2015

Das Forschungsprojekt Smart-FLUOX wurde zur diesjährigen Verleihung des Crystal Cabin Award am 14. April 2015 in der Kategorie »Material und Komponenten« unter die besten Drei gewählt.

Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik IWU Dresden setzten sich mit einem neuen Konzept für einen Entriegelungsmechanismus für Sauerstoffmasken auf der Grundlage von sogenannten Formgedächtnislegierungen durch.

Das Gewicht des neuen Systems konnte gegenüber der konventionellen Entriegelung um 90 Prozent reduziert werden. Zusätzlich werden etwa 80 Prozent des Bauraums sowie 85 Prozent des Energiebedarfs eingespart.

Der Preis wurde auf der weltgrößten Kabinenmesse Aircraft Interiors Expo verliehen und gilt als »Oscar« für Innovationen im Bereich Flugzeugkabinenausstattung. Insgesamt 68 Bewerber aus 18 Ländern konkurrierten um den begehrten Industrie-Award.

Zu sehen ist das Exponat noch bis zum 17. April auf der Hannover Messe 2015 auf dem Gemeinschaftsstand der Fraunhofer-Allianz Adaptronik (Halle 2, Stand C22).

Präsentiert wird es durch das BMBF-Zwanzig20-Konsortium, smart³ | materials - solutions - growth, das dort erste Demonstratoren auf der Grundlage intelligenter Materialien vorstellt. Mit sogenannten Formgedächtnislegierungen, elektroaktiven Polymeren und Piezoaktoren sollen im interdisziplinär arbeitenden Verbund aus derzeit 68 Industrie- und Forschungspartnern marktfähige und serienreife Produkte entwickelt werden, um damit Energie und Rohstoffe einzusparen.

Mit Smart Materials abheben

So ziemlich jeder, der schon einmal ein Flugzeug bestiegen hat, kennt die Sicherheitseinweisungen durch das Bordpersonal. Darin wird auch der richtige Umgang mit den Sauerstoffmasken beschrieben, die im Falle eines Druckabfalls in der Kabine des Flugzeugs die Versorgung mit Atemluft sicherstellen. Die Wenigsten würden vermuten, dass für jede einzelne Maske ein separater elektromagnetischer Mechanismus notwendig ist, damit diese im Falle eines Notfalls auch zuverlässig aus der Kabinendecke über den Köpfen der Passagiere fallen.

Für jeden Fluggast sowie die Besatzung stehen eine Maske und damit auch eine solche Entriegelungseinrichtung zur Verfügung. Jede besteht aus etwa 30 verschiedenen Teilen, die gefertigt, zusammengebaut und regelmäßig gewartet werden müssen. Konventionell wird die Maske entriegelt, indem ein Elektromotor eine elektrische Leistung in einer Magnetspule in eine mechanische Bewegung umwandelt. Der nun entwickelte Technologiedemonstrator zeigt in zwei Teilschritten die deutlichen Einsparpotentiale, die durch den Einsatz von intelligenten Materialien möglich sind.

»Memoryeffekt« ersetzt Motor

Die hierbei zum Einsatz kommenden thermischen Formgedächtnismaterialien sind metallische Legierungen, die zum überwiegenden Teil aus Nickel und Titan bestehen. Nach einer scheinbar plastischen Verformung nehmen diese Materialien durch Einfluss von Wärme, Licht oder einem Magnetfeld wieder ihre ursprüngliche geometrische Form ein. Dieser Vorgang wird auch als »Memoryeffekt« bezeichnet. Bereits durch den Ersatz der für die Leistungsumwandlung benötigten Magnetspule durch einen Formgedächtnisdraht reduzieren sich das Gewicht und der Bauraum um etwa die Hälfte.

In einem weiteren Schritt wurde die Gestaltungsmöglichkeiten voll ausgenutzt und der Formgedächtnisdraht direkt in die Bauteilstruktur integriert. Das Gewicht des Systems auf Basis von Smart Materials reduziert sich gegenüber der konventionellen Entriegelung um 90 Prozent. Zusätzlich konnten etwa 80 Prozent des Bauraums sowie 85 Prozent des Energiebedarfs reduziert werden. Die Zahl der verbauten Einzelkomponenten sinkt auf fünf.

»Der Demonstrator ist nur eines von zahlreichen ganz konkreten Ideen, die im Netzwerk bereits entstanden sind«, erklärt Holger Kunze, Projektkoordinator smart3. »Das Potential zur Einsparung von Material und Energie ist riesig. Unsere Anwendungen sind hierbei nicht nur für Konstrukteure, sondern auch für Architekten, Designer und Produktentwickler relevant. Wir suchen jetzt ganz konkret nach Partnern, mit denen wir neue Ideen in die Praxis bringen können.«

BMBF-Konsortium smart³

Das Konsortium smart3 | materials – solutions – growth, einer von insgesamt 10 Gewinnern des BMBF-Förderprogramms Zwanzig20, setzt sich aus derzeit 68 Partnern aus Industrie, Wissenschaft und Forschung zusammen. Im zurückliegenden Projektjahr sind gemeinsam mit Designern, Soziologen, Architekten, Werkstoffwissenschaftlern und Ingenieuren erste Demonstratoren entstanden, die das Potential von Smart Materials in den Bereichen Konsum, Mobilität, Gesundheit und Produktion herausstellen. Ausgewählte Designstudien und Ergebnisse sind auf der Hannover Messe 2015 zu sehen.

Weitere Informationen:

http://www.iwu.fraunhofer.de
http://www.smarthoch3.de

Kommunikation | Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik IWU

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht IVAM-Marketingpreis würdigt zum zehnten Mal überzeugendes Technologiemarketing
22.08.2017 | IVAM Fachverband für Mikrotechnik

nachricht UDE / UK: Verbundprojekt zur Bekämpfung Ras-abhängiger Tumore
22.08.2017 | Universität Duisburg-Essen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Körperenergie als Stromquelle

22.08.2017 | Energie und Elektrotechnik

Ein Quantenlineal für Biomoleküle

22.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Prostatakrebs: Bluttest sagt Tumorresistenz vorher

22.08.2017 | Biowissenschaften Chemie