Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Nominierung für den Deutschen Zukunftspreis

14.10.2008
Prof. Dr. Jörg Sennheiser, Aufsichtsratsvorsitzender der Sennheiser electronic GmbH & Co. KG, und Gerrit Buhe, Leiter Entwicklung professionelle HF-Systeme, sind für den Deutschen Zukunftspreis des Bundespräsidenten nominiert worden.

Mit einem digitalen Funkmikrofon wollen die Nominierten den Bühnen- und Live-Sektor revolutionieren: Dieses Mikrofon bringt die Vorteile der Digitaltechnik nun auch in den Bereich der drahtlosen Mikrofone. 15 Jahre Entwicklungszeit in Zusammenarbeit mit Instituten, Unternehmen und Universitäten sowie Aufwendungen von über 20 Millionen Euro stecken in der Technik — mit der sich außerdem deutlich mehr Funkmikrofone in einem gegebenen Frequenzbereich unterbringen lassen.

Mikrofone sind eine der letzten Bastionen der analogen Audiotechnik. Wo Mischpult, Effektgerät und Soundbearbeitung schon lange digital sind, trotzt das Mikrofon noch dem digitalen Siegeszug. Bei den kabelgebundenen Studiomikrofonen gibt es seit wenigen Jahren digitale Modelle, doch ein qualitativ hochwertiges digitales Funkmikrofon — bisher Fehlanzeige. Die wenigen bereits auf Messen gezeigten Prototypen setzen auf Datenkompression und übertragen dadurch nicht das vollständige Signal oder sie besetzen ein großes Frequenzspektrum und sind damit für den Einsatz unter professionellen Produktionsbedingungen — insbesondere, wenn viele Mikrofone parallel im Einsatz sind — nicht geeignet.

„Hinter unserem Produkt steckt ein langer Erkenntnisprozess“, erklärt Prof. Dr. Jörg Sennheiser. „In der Entwicklungszeit mussten viele Ansätze wegen zu geringer Audioqualität verworfen werden. Doch aus jedem Ansatz, der sich nicht realisieren ließ, sind wertvolle Ideen für einen neuen Weg entstanden.“

Digital ohne Datenkompression
Argwöhnisch beobachtet von den „Goldenen Ohren“ der Tonmeister — und den dazu gehörigen Augen — müssen Digitalmikrofone zeigen, dass sie mindestens so gut sind wie ihre analogen Brüder und Schwestern. Das geht nur ohne Datenkompression. Denn die ist nicht nur hörbar, sondern „verstümmelt“ auch den Originalklang — und verschenkte Aufnahmequalität am Anfang der Produktionskette kann nicht nachträglich zurückgeholt werden. Das Tonsignal muss unverfälscht zur Verfügung stehen.
Und als ob das noch nicht Herausforderung genug gewesen wäre…
… tat sich während der Entwicklung ein weiteres Problemfeld auf: die Frequenzen, auf denen Funkmikrofone senden. 2004 erklärte das European Telecommunication Standard Institute (ETSI), dass auch digitale drahtlose Mikrofone mit dem schmalen Übertragungskanal des analogen Funkmikrofons auskommen müssen — und das trotz des ungleich größeren Datenstroms. Das — und die nicht für den Mikrofonbetrieb geschützten Übertragungsfrequenzen — bedeutete das Aus u.a. für ein digitales System, das Sennheiser mit einem Partner früher auf dem US-Markt vertrieb.

„Die Anforderungen stiegen während der Entwicklungszeit immer weiter — da war es nur gut, dass unsere eigenen Ansprüche von vornherein sehr, sehr hoch gewesen sind“, sagt Gerrit Buhe, Leiter der Entwicklung von professionellen HF-Systemen bei Sennheiser. „Mit den ETSI-Anforderungen standen wir vor der Herausforderung, das „breite“ Digitalsignal mit einem besonderen Verfahren durch den „schmalen“, vorgeschriebenen Übertragungskanal von 200 kHz zu bringen.“

„Parallel dazu haben wir uns in der Gremienarbeit engagiert, um Mikrofonfrequenzen zu sichern“, so Buhe weiter. „Mehrere Mitarbeiter kümmern sich ausschließlich darum. Mit der Einführung des digitalen Fernsehens hat man sich gedacht, dass Frequenzen frei werden und anderen Diensten verkauft werden können. Und dabei übersehen, dass drahtlose Mikrofone eben diese Frequenzen für Musicals, Theater, Sport- und Wahlberichterstattung sowie TV-Programmproduktionen nutzen. So kam neben der Entwicklung noch die Gremienpolitik hinzu.“

Der Durchbruch
Auf der Entwicklungsebene ist der große Durchbruch schon da: „Mit den Erfahrungen aus der digitalen Übertragungstechnik und verfeinerten Simulationsmethoden haben wir 2002 einen Kooperationsvertrag mit der TU Hamburg-Harburg geschlossen“, erzählt Prof. Dr. Sennheiser. „Die gemeinsame Konzeptarbeit ließ uns schließlich ein System entwickeln, das die ersten Tests bei den Goldenen Ohren mit Bravour gemeistert hat.“

Keinerlei Signalverfälschungen waren zu hören, das System spielte die Vorteile der digitalen Technik aus: klarer, rauschfreier Ton und eine hohe Reichweite auch bei schwachem Funksignal. Eines der wichtigsten Kriterien bei digitalen Strecken wurde als herausragend beurteilt: Die so genannte Latenz, salopp gesagt die „Reisezeit“ des Signals durch die elektronische und numerische Signalverarbeitung, ist sehr gering.

Prof. Dr. Jörg Sennheiser hebt einen weiteren Vorteil heraus: „Weil hochwertige digitale Übertragungsverfahren sehr empfindlich auf so genannte Nichtlinearitäten reagieren, sind unsere Sender und Empfänger derart linear gebaut, dass sie die üblichen Intermodulations-Störprodukte fast vollständig vermeiden. Bei herkömmlichen Systemen belegen diese wertvollen „Sendeplatz“, den wir mit unserem neuen System für noch mehr Funkmikrofone nutzen können. Man kann also von nachhaltiger Frequenznutzung sprechen.“ „Wir werden in der Lage sein, doppelt so viele Drahtlosstrecken in den gegebenen Fernsehkanälen zu betreiben“, freut sich Gerrit Buhe.

Im Gegensatz zur üblichen Funktechnik wird der Empfänger des neuen Sennheiser-Systems im gesamten UHF-Frequenzbereich arbeiten — dafür wären sonst mehrere analoge Systeme nötig. Durch diese hohe Flexibilität kann das System weltweit eingesetzt werden, in den verschiedenen Frequenzbereichen, die in den jeweiligen Ländern zugelassen sind.

Ausblick
Das digitale Mikrofonsystem ist mit internationalen Patenten geschützt. Die Vorserie befindet sich momentan bei Schlüsselkunden und „Goldenen Ohren“ zur intensiven Erprobung. Und sobald die grünes Licht geben, geht das System in Serie…

Die Sennheiser-Gruppe mit Sitz in der Wedemark (Region Hannover) ist einer der weltweit führenden Hersteller von Mikrofonen, Kopfhörern und drahtlosen Übertragungssystemen. 2007 erzielte das 1945 gegründete Familienunternehmen einen Umsatz von über 395 Millionen Euro bei einem Auslandsanteil von über 83%. Weltweit hat Sennheiser fast 2000 Beschäftigte, davon 56% in Deutschland. Sennheiser fertigt in Deutschland, Irland und den USA und ist weltweit vertreten durch Tochtergesellschaften in Frankreich, Großbritannien, Belgien, den Niederlanden, Deutschland, Dänemark (Nordic), Russland, Hongkong, Indien, Singapur, Japan, China, Kanada, Mexiko und den USA sowie durch langjährige Handelspartner in vielen anderen Ländern. Die Unternehmen Georg Neumann GmbH, Berlin (Studiomikrofone), K + H Vertriebs- und Entwicklungsgesellschaft mbH (Klein + Hummel Studiomonitore, Installed Sound) und das Joint Venture Sennheiser Communications A/S (Headsets für PC, Office und Call Center) gehören ebenfalls zur Sennheiser-Gruppe.

Weitere aktuelle Informationen über Sennheiser finden Sie im Internet unter www.sennheiser.com oder kontaktieren Sie:

Sennheiser electronic GmbH & Co. KG
Pressereferat • Edelgard Marquardt
Am Labor 1 • 30900 Wedemark
Fon: +49 (5130) 600-329
Fax: +49 (5130) 600-295
e-Mail: edelgard.marquardt@sennheiser.com

Edelgard Marquardt | fischerAppelt
Weitere Informationen:
http://www.sennheiser.com

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Deutscher Wirtschaftspreis für Forschung in Gesundheitsökonomik
21.08.2017 | Joachim Herz Stiftung

nachricht Sechs innovative Projekte sind im Rennen um den begehrten European Health Award 2017
17.08.2017 | European Health Forum Gastein

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Im Neptun regnet es Diamanten: Forscherteam enthüllt Innenleben kosmischer Eisgiganten

21.08.2017 | Physik Astronomie

Ein Holodeck für Fliegen, Fische und Mäuse

21.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Institut für Lufttransportsysteme der TUHH nimmt neuen Cockpitsimulator in Betrieb

21.08.2017 | Verkehr Logistik