Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neurologische Forschung sichtbar machen – die Gewinner des Deutschen Journalistenpreises Neurologie

09.09.2013
Der Deutsche Journalistenpreis Neurologie geht im Jahr 2013 an Volkart Wildermuth mit seinem Radiofeature im Deutschlandfunk: „Das Prion-Prinzip. Der neue Blick auf Alzheimer, Parkinson und Huntington“ sowie an Dr. Andreas Bernard, der für das SZ-Magazin den Beitrag „Die Hirnforschung ist die Königin aller Wissenschaften“ verfasst hat. Die Jury aus Neurologen und Journalisten musste in diesem Jahr ihre Entscheidung wieder aus rund 50 anspruchsvollen Beiträgen in den Kategorien elektronische Medien und Wort fällen.

Haben die Neurowissenschaften und ihre bildgebenden Verfahren die alte Utopie von der Lesbarkeit des Menschen verwirklicht? Dass die Dekodierung der menschlichen Regungen tatsächlich nicht so unproblematisch ist, wie manche Ergebnisse von Neuroimaging-Forscher glauben machen, zeigt Dr. Andreas Bernard in seinem Beitrag „Die Hirnforschung ist die Königin aller Wissenschaften” im SZ-Magazin vom 31.8.2012 auf.

Was auf den ersten Blick wie eine Jubelarie klingt, stellt sich beim Lesen als eindeutige Kritik an den modernen Neuromythen heraus: „Schonungslos führt er dem Leser vor Augen, wie dessen eigene dankbare Gläubigkeit dazu führt, dass nicht hinterfragt wird, was Neuro-Koryphäen verbreiten“, urteilt die Jury. Er entlarvt, wie Nicht-Mediziner, aber auch wie bisweilen die Forscher selber der Hightech-Wissenschaft blind vertrauen – beseelt vom Wunsch, endlich eine Vorstellung vom Unvorstellbaren zu erhalten.

Bernard zeigt dem Leser unerschrocken, dass es bei der Interpretation des Hirnscans um die Frage geht, was tatsächlich gemessen werden kann: keinesfalls die Gefühle und Gedanken an sich, wie die Berichterstattung häufig suggeriert. Andreas Bernard:

„Der Artikel verdankt sich einem gewissen Unmut, dass in der Berichterstattung über die Neurowissenschaften immer so getan wird, als würde inzwischen ein unverstellter Einblick in die Hirntätigkeit des Menschen möglich sein. Die Darstellungsweisen der Hirnforschung werden dabei immer ausgeblendet. Ich habe mit dem Artikel versucht, den indirekten, unsicheren, manchmal auch willkürlich gestifteten Zusammenhang zu beschreiben, der zwischen den Bildern der Hirnforschung und ihrem Gegenstand besteht.”

Der promovierte Literaturwissenschaftler Andreas Bernard (44) arbeitete zunächst als Autor für das Jugendmagazin „jetzt“ der Süddeutschen Zeitung, später in deren Feuilleton, bevor er für das wöchentlich erscheinende Supplement „Süddeutsche Magazin“ tätig wurde. Er veröffentlichte außerdem Bücher, u.a. „Über das Essen“ (2002) und „Geschichte des Fahrstuhls. Über einen beweglichen Ort der Moderne“ (2006). Er lebt in Berlin und München.

Volkart Wildermuth ist Preisträger in der Kategorie „Elektronische Medien“. Er beleuchtete mit seinem Radiofeature im Deutschlandfunk „Das Prion-Prinzip. Der neue Blick auf Alzheimer, Parkinson und Huntington“ differenziert und anschaulich die Mechanismen, die für diese Erkrankungen des Gehirns verantwortlich sind. So nimmt er den Zuhörer mit in internationale Labore, in denen Neurowissenschaftler an der grauen Substanz Verstorbener nach den Ursachen und Auslösern neurodegenerativer Erkrankungen fahnden. Der Zuhörer erfährt, wie Prionen gesunde Strukturen im Gehirn zerstören und wie Forscher versuchen, über das Prion-Prinzip gefürchtete Krankheiten des Gehirns zu stoppen. „Das Ganze so perfekt, dass die Panik, menschliche Krankheiten könnten eng mit BSE und Creuzfeldt-Jakob in Verbindung stehen, gar nicht erst aufkommt. Gerade bei diesem Thema eine hohe Kunst“, so das Urteil der Jury. „Das Thema war ein harter Brocken, weil es doch um recht abstrakte Konzepte geht. Umso schöner, dass die Sendung die Jury überzeugt hat“, freut sich Volkart Wildermuth.

Volkart Wildermuth (51) studierte Biochemie in Tübingen und Berlin und arbeitete parallel als Reporter für den Südwestfunk. Seit 1996 konzentriert er sich auf den Wissenschaftsjournalismus mit dem Schwerpunkt Lebenswissenschaften. Seine mehrfach preisgekrönten Kurzbeiträge und längeren Sendungen, Kommentare und Rezensionen laufen regelmäßig im Deutschlandfunk und im Westdeutschen Rundfunk, in weiteren ARD-Anstalten sowie gelegentlich im Schweizer, Österreicher und Australischen Rundfunk. Volkart Wildermuth moderiert Diskussionsrunden zu Forschungsthemen und ist Autor des Buchs „Biotechnologie. Zwischen wissenschaftlichem Fortschritt und ethischen Grenzen“. Seit 2007 ist er regelmäßig als Medientrainer für Wissenschaftler tätig. Er lebt in Berlin.

Der Deutsche Journalistenpreis Neurologie wird seit 2008 von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie vergeben und ist mit insgesamt 3000 Euro in zwei Kategorien dotiert. Der Preis wird nicht von der Industrie unterstützt. Er würdigt Autoren mit journalistischen Beiträgen für die breite Öffentlichkeit, die sich einerseits durch fundierte Recherche, andererseits aber auch durch journalistische Kompetenz und Kreativität auszeichnen. Jährlich bewerben sich rund 50 Journalisten oder Autorenteams um die Auszeichnung. Die Jury besteht aus dem 1. Vorsitzenden und dem Pressesprecher der DGN sowie renommierten Journalisten, in diesem Jahr Vera Cordes (Visite, NDR), Dr. Joachim Müller-Jung (FAZ) und Dr. Hans Haltmeier (Apothekenumschau). Die Preisverleihung findet im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung des 86. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Neurologie am Donnerstag, 19. September 2013, von 11:00 - 13:15 Uhr in der Messe Dresden statt.

Pressestelle der Deutschen Gesellschaft für Neurologie e.V.
Englmannstr. 2, 81673 München
Tel.: +49 (0)89-46148622, Fax: +49 (0)89-46148625
E-Mail: presse@dgn.org
Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V. (DGN)
sieht sich als neurologische Fachgesellschaft in der gesellschaftlichen Verantwortung, mit ihren mehr als 7500 Mitgliedern die neurologische Krankenversorgung in Deutschland zu sichern. Dafür fördert die DGN Wissenschaft und Forschung sowie Lehre, Fort- und Weiterbildung in der Neurologie. Sie beteiligt sich an der gesundheitspolitischen Diskussion. Die DGN wurde im Jahr 1907 in Dresden gegründet. Sitz der Geschäftsstelle ist seit 2008 die Bundeshauptstadt Berlin.

http://www.dgn.org

1. Vorsitzender: Prof. Dr. med. Martin Grond
2. Vorsitzender: Prof. Dr. med. Wolfgang H. Oertel
3. Vorsitzender: Prof. Dr. med. Ralf Gold
Geschäftsführer: Dr. rer. nat. Thomas Thiekötter
Geschäftsstelle
Reinhardtstr. 27 C, 10117 Berlin, Tel: +49 (0)30-531437930, E-Mail: info@dgn.org
Ansprechpartner für die Medien
Frank A. Miltner, Tel: +49 (0)89-461486-22, E-Mail: presse@dgn.org
Pressesprecher der DGN: Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener, Essen

Frank A. Miltner | idw
Weitere Informationen:
http://www.dgn.org
http://www.dgnkongress.org

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht DFG fördert für weitere drei Jahre Forschungen zu Kieselalgen
22.03.2017 | Technische Universität Dresden

nachricht Effiziente Tools für bildgebende Studien
21.03.2017 | Justus-Liebig-Universität Gießen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Im Focus: Physiker erzeugen gezielt Elektronenwirbel

Einem Team um den Oldenburger Experimentalphysiker Prof. Dr. Matthias Wollenhaupt ist es mithilfe ultrakurzer Laserpulse gelungen, gezielt Elektronenwirbel zu erzeugen und diese dreidimensional abzubilden. Damit haben sie einen komplexen physikalischen Vorgang steuern können: die sogenannte Photoionisation oder Ladungstrennung. Diese gilt als entscheidender Schritt bei der Umwandlung von Licht in elektrischen Strom, beispielsweise in Solarzellen. Die Ergebnisse ihrer experimentellen Arbeit haben die Grundlagenforscher kürzlich in der renommierten Fachzeitschrift „Physical Review Letters“ veröffentlicht.

Das Umwandeln von Licht in elektrischen Strom ist ein ultraschneller Vorgang, dessen Details erstmals Albert Einstein in seinen Studien zum photoelektrischen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

Unter der Haut

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Neues Schiff für die Fischerei- und Meeresforschung

22.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Mit voller Kraft auf Erregerjagd

22.03.2017 | Biowissenschaften Chemie