Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neueste Erkenntnisse aus der Wahrnehmungsforschung

15.05.2009
Verleihung der Attempto-Preise 2009 an Christoph Kayser und Matthis Synofzik

Die Attempto-Preise gehen dieses Jahr an die Nachwuchswissenschaftler Dr. Christoph Kayser und Dr. Matthis Synofzik. Die mit jeweils 7.500 Euro dotierten Preise werden am heutigen 15. Mai traditionell im Rahmen der Mitgliederversammlung der Vereinigung der Freunde der Universität Tübingen e.V. (Unibund) um 15 Uhr im Großen Senat in der Neuen Aula überreicht.

Seit 1983 werden mit dem Preis herausragende Arbeiten junger Wissenschaftler im Bereich der Neurobiologie ausgezeichnet. Er dient zur Förderung der weiteren wissenschaftlichen Karriere und wird von der Attempto-Stiftung verliehen. Die Stiftung wurde vom Reutlinger Ehepaar Maria-Dorothea und Konrad Ernst ins Leben gerufen. Nahezu alle bisherigen Preisträger haben inzwischen erfolgreiche wissenschaftliche Karrieren gemacht.

Christoph Kayser wurde 1977 in Ulm geboren. Seit 2008 ist er am Tübinger Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik als Projektleiter einer Max-Planck-Junior-Gruppe zum Thema "Neuronale Grundlagen der Sinnesintegration" tätig. In seiner Forschung beschäftigt sich Kayser mit der Frage, wie und wo im Gehirn die Informationen von Seh- und Hörsinn kombiniert werden. Ihn interessieren dabei vor allem Prozesse zur Integration verschiedener Sinneseindrücke, mit denen der Mensch seine Wahrnehmung verbessert. So ist z. B. ein Sprecher in einer lauten Umgebung für den Hörer besser verständlich, wenn der Hörer die Lippenbewegung des Sprechenden auch visuell verfolgen kann. Auch Lernprozesse lassen sich schneller bewältigen, wenn Lerninhalte mit mehreren Sinnen aufgenommen werden. Bereits in früheren Studien hat Kayser mit seiner Gruppe nachgewiesen, dass der Prozess der Sinnesintegration schon auf viel tieferen Verarbeitungsebenen beginnt als bisher angenommen. In seiner prämierten Arbeit konzentriert er sich auf das Hörsystem und untersucht, wie genau sich die neuronale Repräsentation von akustischer Information durch Sinnesintegration verändert. Dazu vergleicht Kayser systematisch verschiedene Mechanismen der neuronalen Informationskodierung im Hörkortex. Dabei zeigt sich, dass Zellpopulationen Sinnesinformation auf verschiedenen zeitlichen Skalen gleichzeitig repräsentieren können. Kayser stellt somit fest, dass die Änderung einer neuronalen Antwort auf einer kurzen Zeitskala andere Komponenten eines akustischen Reizes kodieren kann als die langsamere Komponente derselben Antwort.

Matthis Synofzik wurde 1979 in Marburg geboren. Er forscht seit 2007 als Arzt und Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für Neurologie, Abteilung Neurodegenerative Erkrankungen, sowie am Hertie-Institut für Klinische Hirnforschung. Zugleich ist er assoziierter Mitarbeiter am Institut für Ethik und Geschichte in der Medizin der Universität Tübingen. Synofzik befasst sich zum einen mit der Funktion des Kleinhirns und dessen Ausfällen bei Patienten mit Kleinhirnläsion. Nach gängiger Auffassung führt eine solche Schädigung des Kleinhirns zu Problemen mit der Koordination von Bewegungen. Zum anderen untersucht Synofzik auch Wahrnehmungsstörungen, insbesondere im Hinblick auf die Wahrnehmung von Bewegungen. Auch hier spielt das Kleinhirn eine wesentliche Rolle: Es fungiert als Schnittstelle zwischen der Durchführung und der Wahrnehmung von Bewegungen. An diesem Punkt setzt auch Synofziks Forschung an. Der Wissenschaftler nimmt an, dass den motorischen Störungen von Menschen mit Kleinhirnläsion Wahrnehmungsdefizite vorausgehen. Er möchte herausfinden, inwiefern die Bewegungsdefizite eine Folge von Wahrnehmungsstörungen sind. In seiner ausgezeichneten Arbeit untersucht Synofzik die Rolle des Kleinhirns bei der Wahrnehmung der eigenen Bewegung. Im Alltag trifft der Mensch ständig Vorhersagen über die eigenen Bewegungen, z. B. um etwas zu greifen. Diese Vorhersagen müssen den gegebenen Bedingungen angepasst werden, etwa in unterschiedlichen Lebensphasen oder auch bei wechselnder Tagesverfassung. Synofzik konnte in seiner Arbeit nachweisen, dass das Kleinhirn für diese Anpassungen zuständig ist.

EBERHARD KARLS UNIVERSITÄT TÜBINGEN
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit · Michael Seifert
Wilhelmstr. 5 · 72074 Tübingen
Tel.: 0 70 71 · 29 · 7 67 89 · Fax: 0 70 71 · 29 · 5566
E-Mail: presse1@verwaltung.uni-tuebingen.de

Michael Seifert | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-tuebingen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht BRIESE-Preis 2016: Intelligente automatisierte Bildanalyse erschließt Geheimnisse am Meeresgrund
20.01.2017 | Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde

nachricht Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert
20.01.2017 | University of Twente

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise