Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neuer Biomarker für Rheuma entdeckt - Preis für Forscher des Deutschen Rheuma-Forschungszentrums Berlin

01.07.2009
Forscher des Deutschen Rheuma-Forschungszentrums Berlin (DRFZ) haben mit dem Gen "Twist1" das erste Kennzeichen für bestimmte Rheuma verursachende Zellen gefunden.

Anhand dieses Biomarkers lassen sich krankmachende von schützenden Zellen des Abwehrsystems unterscheiden. Dies wiederum bildet neue Grundlagen für Therapien, die an den Ursachen von Rheuma ansetzen.

Die Stiftung Wolfgang Schulze zeichnet die DRFZ-Forscher Dipl. biol. Inka Albrecht und Dr. rer. nat. Uwe Niesner jetzt für ihre Studien aus: Den Förderpreis verlieh die Deutsche Rheuma Liga e.V. am 27. Juni 2009 in Berlin.

Menschen mit entzündlich rheumatischen Erkrankungen leiden dauerhaft unter starken Schmerzen, die nicht selten ihr Leben erheblich beeinträchtigen. Ursache ist eine fehlgeleitete körpereigene Abwehr: Anstatt dem Körper Schutz vor Viren oder Bakterien zu bieten, greift sie ihn an. Bei Rheumatoider Arthritis zum Beispiel ruft das Immunsystem im Knorpel Entzündungen hervor. Dies reicht bis hin zum völligen Zerfall der Gelenke. Auslöser sind bestimmte weiße Blutkörperchen, unter anderem die T-Helfer-Zellen (Th-Zellen). Zwar üben die meisten Th-Zellen auch bei Betroffenen weiterhin ihre schützende Funktion aus, so die Preisträger. Einige jedoch verhalten sich wiederholt 'autoreaktiv': Sie greifen immer wieder das gesunde Gewebe an.

Wie sich diese Th-Zellen von gesunden unterscheiden, fanden die Preisträger mithilfe einer Analyse der Erbsubstanz heraus: "Twist1" ist eines der Gene, das ausschließlich in den entzündungsfördernden Zellen aktiv ist. "Mit Twist1 haben wir den ersten Biomarker in Th-Zellen entdeckt, die im Gewebe von Menschen mit entzündlichen rheumatischen Erkrankungen vorkommen", erläutern Albrecht und Niesner. Darüber hinaus reguliere das Gen die Aktivität der Th-Zellen: Das Ausschalten von Twist1 verstärkt im Tierversuch die Entzündung.

Ihre Ergebnisse erzielten beide Preisträger in der DRFZ-Arbeitsgruppe Zellbiologie unter Leitung von Professor Dr. rer. nat Andreas Radbruch, Direktor des DRFZ. Die Studien führten sie durch in enger Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern aus den Charité-Arbeitsgruppen von Professor Dr. med. Gerd Rüdiger Burmester, Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Rheumatologie und Klinische Immunologie, Campus Mitte und Professor Dr. med. Joachim Sieper, Medizinische Klinik I, Rheumatologie, Campus Benjamin Franklin.

Biomarker tragen entscheidend dazu bei, Krankheiten früh zu erkennen und ihren Verlauf einzuschätzen. Forscher erhoffen sich davon aber auch neue Therapien: "Denn mit heutigen Medikamenten bekämpfen wir ausschließlich die Symptome von Rheuma", sagt Professor Radbruch. Sobald Patienten diese absetzen, schreitet auch die Zerstörung der Gelenke fort. Eine Immuntherapie schwächt zudem die gesamte körpereigene Abwehr. Langfristiges Ziel sei daher die Heilung von Rheuma. Twist1 liefert hierfür einen geeigneten Angriffspunkt: Zukünftig ließen sich schädigende Th-Zellen identifizieren und ausschalten - während die gesunden Th-Zellen weiterhin den Schutz des Körpers aufrechterhalten.

Die Stiftung Wolfgang Schulze würdigt den herausragenden Erkenntnisgewinn des DRFZ-Projektes für die Behandlung von Rheuma. Für den Preis bewerben sich Forscher aus dem In- und Ausland mit ihren Erstveröffentlichungen. Die von der Rheuma-Liga e.V. verwaltete Stiftung hat seit dem Jahr 2002 das Ziel, Forschung auf dem Gebiet der entzündlichen und autoimmunen rheumatischen Erkrankungen zu unterstützen.

Quelle: Niesner, U., Albrecht, I. et al., Autoregulation of Th1-mediated inflammation by twist1, jem 2008,Aug,04;205(8):1889-1901 (PMCID: 2525589, DOI: 10.1084/jem.20072468)

Finanzierung: Diese Arbeit wurde finanziert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) mit den Sonderforschungsbereichen 421, 633 und 650, durch das 6. EU-Forschungsrahmenprogramm (Projekt MUGEN, LSHG-CT-2005-005203) sowie durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen der Projekte 1KW9913, 031068 und des Nationalen Genomforschungsnetzes (NGFN1-2 Projekte 01GS0110, 01GS0160, 01GS0413)

Das Deutsche Rheuma-Forschungszentrum Berlin (DRFZ) untersucht die Grundlagen rheumatischer Erkrankungen. Anliegen des DRFZ ist es, dabei gewonnene Erkenntnisse direkt in die Behandlung von Menschen mit Rheuma einzubringen. Unter seinem Dach forschen etwa 150 Wissenschaftler aus 16 Nationen. Die derzeit 24 Forschungsgruppen stehen in engem Austausch mit Wissenschaftlern aus Deutschland, Europa, Japan und den USA. Gegründet im Jahr 1988 treibt das DRFZ seine Arbeit seit 2009 als Mitglied der Leibniz Gemeinschaft voran. Als eine der international führenden wissenschaftlichen Einrichtungen auf diesem Gebiet verfolgt das DRFZ das Ziel, Rheuma eines Tages heilbar zu machen. Weitere Informationen finden Sie im Internet unter: www.drfz.de.

Für Ihre Antwort:

O Ich möchte ein Interview führen mit: Prof. Andreas Radbruch/Dr. Uwe Niesner/Inka Albrecht. Bitte stellen Sie für mich einen Kontakt her.

O Bitte senden Sie mir regelmäßig Informationen des DRFZ.

Kontakt für Journalisten:
Anna Julia Voormann
Postfach 301120
70451 Stuttgart
Tel: +49 (0)711 89 31 552
Fax: +49 (0)711 89 31 167
voormann@medizinkommunikation.org

Jacqueline Hirscher | idw
Weitere Informationen:
http://www.drfz.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Rudolf-Virchow-Preis 2017 – wegweisende Forschung zu einer seltenen Form des Hodgkin-Lymphoms
23.06.2017 | Deutsche Gesellschaft für Pathologie e.V.

nachricht Repairon erhält Finanzierung für die Entwicklung künstlicher Herzmuskelgewebe
23.06.2017 | Deutsches Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften