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Neuen Blick auf den Balkan vermitteln

11.01.2011
Südosteuropa-Graduiertenkolleg der Universität Jena wird mit 1,9 Mio. Euro weiter gefördert

„Kulturelle Orientierungen und gesellschaftliche Ordnungsstrukturen in Südosteuropa” lautet das Thema des Graduiertenkollegs 1412 an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Interdisziplinär untersuchen hier seit 2006 Wissenschaftler, die durch Kollegen von der Uni Erfurt und der FH für Polizei Sachsen unterstützt werden, wie sich die Gesellschaften auf dem Balkan seit der Lösung aus dem Osmanischen Reich um den Beginn des 19. Jahrhunderts den kulturellen Prägungen Westeuropas angepasst oder verweigert haben.

Das Graduiertenkolleg hat bisher so erfolgreich gearbeitet, dass es jetzt von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) nach intensiver Prüfung um 4,5 Jahre verlängert worden ist. Dafür erhalten die Wissenschaftler ab 1. April rd. 1,9 Millionen Euro an Fördermitteln. Damit werden zehn Promotionsstipendien sowie – erstmals – zwei Postdoktorandenstipendien finanziert. Außerdem gibt es ab dem 1. Oktober 2011 für ein Jahr vier „Qualifizierungsstipendien“, mit denen Studierende – vor allem aus Südosteuropa – die Voraussetzungen für eine Bewerbung als Doktorand im Kolleg erlangen sollen. Bewilligt wurden zudem Mittel für die „Anschubförderung“, die drei Doktoranden nach erfolgreicher Beendigung des Promotionsverfahrens in einer Zeit von neun Monaten die Möglichkeit bieten soll, sich durch die Erarbeitung eines entsprechenden Forschungsförderungsantrages die Chance für einen Einstieg in eine wissenschaftliche Laufbahn zu eröffnen. Darüber hinaus erhalten die Stipendiaten Mittel, um für notwendige Feldforschungen, Archivarbeiten etc. nach Südosteuropa zu reisen. Gelder für die jährliche „Studienwoche“, Tagungen, Workshops und Gastvorträge ergänzen die Förderung. „Diese Bewilligung durch die DFG zeigt, dass unsere bisherigen Forschungen auf hohem Niveau liegen“, sagt Prof. Dr. Wolfgang Dahmen, der Sprecher des Graduiertenkollegs.

„Die meisten Mitglieder der ersten Gruppe von 2006-2009 haben ihr Promotionsverfahren inzwischen erfolgreich beendet“, berichtet Dahmen. „Hiervon haben inzwischen fast alle eine Beschäftigung als Wissenschaftler an Universitäten oder in Forschungsprojekten gefunden oder ein Postdoktorandenstipendien bekommen.“

Auch wenn das Graduiertenkolleg schon immer einen neuen Blick auf den Balkan als Ganzes vermitteln will, wird es in der neuen Förderperiode Ausweitungen geben. Verstärkt werden die balkanologischen, die politik- und die literaturwissenschaftlichen Komponenten. Durch entsprechende Promotionsprojekte rückt in dieser zweiten Phase auch Medienwissenschaft in das Blickfeld. „Es gibt Projekte, die sich mit Film- bzw. Videokunst beschäftigen“, erläutert Prof. Dahmen. Bislang standen vor allem die orthodox- bzw. islamisch-orientierten Länder und Kulturen im Mittelpunkt. „Das soll grundsätzlich so bleiben, doch werden auch Länder, die man als ,lateinisch‘ geprägt bezeichnen kann – wie Kroatien oder Ungarn – verstärkt berücksichtigt“, sagt der Sprecher. Außerdem soll die Vernetzung mit den anderen Standorten im deutschsprachigen Raum, an denen Südosteuropaforschung betrieben wird, weiter ausgebaut werden. „Anknüpfungspunkte gibt es natürlich auch mit dem Imre-Kertész-Kolleg Jena“, weist Dahmen auf die enge Kooperation mit dem neuen internationalen Kolleg an der Universität Jena hin.

Die DFG wiederum erhofft sich vom Jenaer Graduiertenkolleg 1412 eine Vorbildwirkung für Regionalwissenschaften insgesamt in Deutschland und Auswirkungen auf die Wissenschaftskultur in Südosteuropa. „Das Forschungsprogramm und seine Ergebnisse haben ein großes Potenzial zur Wissens- und Konzeptvermittlung, das es zu nutzen gilt“, heißt es im Bewilligungsschreiben. „Der Transfer nach Südosteuropa würde einen innovativen Prozess in Gang setzen, da dort oft noch wenig diesbezügliches Wissen über die Nachbarländer vorliegt. Damit könnte das Kolleg einen wesentlichen Beitrag zur Weiterentwicklung der Südosteuropaforschung insgesamt leisten.“ Prof. Dahmen: „Wir werden uns bemühen, den Erwartungen der DFG gerecht zu werden“.

Kontakt:
Prof. Dr. Wolfgang Dahmen
Institut für Romanistik der Universität Jena
Ernst-Abbe-Platz 8, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 944660
E-Mail: wolfgang.dahmen[at]uni-jena.de

Axel Burchardt | idw
Weitere Informationen:
http://www2.uni-jena.de/philosophie/histinst/osteuropa/graduiertenkolleg/

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