Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die neue Balance zwischen Individuum und Gemeinschaft

20.08.2009
Meister Eckhart Preis für Amitai Etzioni

Für seine Forschungen und wissenschaftlichen Arbeiten zum Kommunitarismus erhält Amitai Etzioni am 9. Dezember den Meister Eckhart Preis, den die Identity Foundation, Düsseldorf, gemeinsam mit der Universität zu Köln alle zwei Jahre vergibt.

Der Preis ist mit 50.000 Euro dotiert und würdigt Persönlichkeiten, die sich in ihrem Werk mit dem Thema Identität beschäftigen und wegweisende gesellschaftspolitische Veränderungsanstöße geben. Etzioni hat als Grundübel für die aktuellen Fehlentwicklungen den überzogenen Individualismus der Menschen ausgemacht.

Als prägend für diese gegenwärtig dominierende Auffassung der Identität des Einzelnen beschreibt er ein Ich, dem der Bezug zum Wir verloren gegangen ist. Das Selbstbild der wirtschaftsliberalistischen westlichen Gesellschaften, das bislang dem Individuum stets Vorrang vor der Gemeinschaft einräumt - für Etzioni ist es langfristig unhaltbar. Seine Kritik: Wir haben unser Mitgefühl an den Staat delegiert. Diejenigen, die mehr Einkommen haben als die anderen, empfinden keine Solidarität mehr. Ihnen ist das Gefühl für das gesellschaftliche Wir abhanden gekommen. Jedes Mitglied der Gemeinschaft, so der renommierte Soziologe, schuldet allen übrigen etwas, wie umgekehrt die Gemeinschaft jedem ihrer Mitglieder etwas schuldet.

Der Preisträger
Amitai Etzioni wurde 1929 in Köln geboren und hieß ursprünglich Werner Falk. 1936 floh seine Familie mit ihm vor den Nazis nach Palästina, wo er seinen heutigen Namen erhielt. Der Wissenschaftler ist inzwischen amerikanischer Staatsbürger und lehrt Soziologie an der George Washington University in Washington D.C. Dort leitet er das Institute for Communitarian Policy Studies. 2001 wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt. Zu den Hauptwerken von Amitai Etzioni gehören "Die Verantwortungsgesellschaft" (1997, dt. 1997) und "Die Entdeckung des Gemeinwesens" (1993, dt. 1995).
Der Preis
Der mit 50.000 Euro dotierte Meister Eckhart Preis wird seit 2001 im Turnus von zwei Jahren von der Identity Foundation vergeben - einer 1998 gegründeten gemeinnützigen Wissenschaftsstiftung. Ziel ist es, die Auseinandersetzung mit dem Thema Identität in der meinungsbildenden Öffentlichkeit zu fördern. Geehrt werden Persönlichkeiten, die in ihren Arbeiten existenzielle Fragen der persönlichen, sozialen und interkulturellen Identität aufgreifen und durch ihr Wirken einen breiten öffentlichen und internationalen Diskurs beleben. Seit 2007 wird der Preis gemeinsam mit der Universität zu Köln verliehen.

Der Meister Eckhart Preis ist nach dem gleichnamigen Prediger, Prior und Professor benannt, der zwischen 1260 und 1328 lebte. Meister Eckhart lebte und lehrte vor allem in Erfurt, Köln, Paris und Straßburg. Der Dominikaner Eckhart gilt als der führende Kopf der deutschen Mystik.

Die bisherigen Preisträger : Der amerikanische Philosoph Richard Rorty (2001), der französische Ethnologe Claude Lévi-Strauss (2003), der deutsche Philosoph Ernst Tugendhat (2005), der als einer der wichtigsten Vertreter der sprachanalytischen Philosophie in Deutschland gilt, und der indische Ökonom, Philosoph sowie Harvard-Professor Amartya Sen (2007).

Die Mitglieder der Jury für den Meister Eckhart Preis 2009:
· Dr. Christoph Bartmann, Leiter der Abteilung "Kultur und Information" in der Zentrale des Goethe-Instituts in München
· Prof. Dr. Eugen Buß, Leiter des Lehrstuhls Soziologie der Universität Hohenheim und Vorsitzender des Beirats der Identity Foundation
· Dr. Julia Encke, Feuilleton-Redakteurin der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung
· Prof. Dr. Dr. h.c. Andreas Speer, Direktor des Thomas-Instituts und des dort beheimateten Meister-Eckhart-Archivs und Co-Direktor des Philosophischen Seminars der Universität zu Köln

· Prof. Dr. Rainer Zimmermann, Professor für Medienmanagement an der Fachhochschule Düsseldorf und Beirat der Identity Foundation

Die Identity Foundation
Die Identity Foundation ist eine gemeinnützige Stiftung zur Wissenschaftsförderung, deren Schwerpunkt auf Forschungen zum Selbstverständnis von Personen, Gruppen und Institutionen liegt. Sie konzentriert sich auf Einzelprojekte in verschiedenen sozialen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Kontexten, darunter Fachtagungen und Symposien, empirische Untersuchungen und (Forschungs-)Projekte, die Förderung der Medienberichterstattung über grundlegende oder aktuelle Identitätsthemen und die Beteiligung an kunstwissenschaftlichen oder spirituellen Projekten mit besonderen Bezügen zur Frage der Identitätsbildung und -entwicklung. Die Stiftung wurde 1998 vom Gründer der Kommunikationsagentur Pleon Kohtes Klewes Paul J. Kohtes und seiner Frau Margret ins Leben gerufen.

Bei Rückfragen: Stabsstelle Presse und Kommunikation

Verantwortlich: Dr. Patrick Honecker

Gabriele Rutzen | idw
Weitere Informationen:
http://www.identityfoundation.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Periimplantitis: BMBF fördert zahnärztliches Verbund-Projekt mit 1,1 Millionen Euro
21.02.2018 | Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

nachricht Eva Luise Köhler Forschungspreis für Seltene Erkrankungen 2018 für Tübinger Neurowissenschaftler
21.02.2018 | Universitätsklinikum Heidelberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Im Focus: Developing reliable quantum computers

International research team makes important step on the path to solving certification problems

Quantum computers may one day solve algorithmic problems which even the biggest supercomputers today can’t manage. But how do you test a quantum computer to...

Im Focus: Innovation im Leichtbaubereich: Belastbares Sandwich aus Aramid und Carbon

Die Entwicklung von Leichtbaustrukturen ist eines der zentralen Zukunftsthemen unserer Gesellschaft. Besonders in der Luftfahrtindustrie und in anderen Transportbereichen sind Leichtbaustrukturen gefragt. Sie ermöglichen Energieeinsparungen und reduzieren den Ressourcenverbrauch bei Treibstoffen und Material. Zum Einsatz kommen dabei Verbundmaterialien in der so genannten Sandwich-Bauweise. Diese bestehen aus zwei dünnen, steifen und hochfesten Deckschichten mit einer dazwischen liegenden dicken, vergleichsweise leichten und weichen Mittelschicht, dem Sandwich-Kern.

Aramidpapier ist ein etabliertes Material für solche Sandwichkerne. Sein mechanisches Strukturversagen ist jedoch noch unzureichend erforscht: Bislang fehlten...

Im Focus: Die Brücke, die sich dehnen kann

Brücken verformen sich, daher baut man normalerweise Dehnfugen ein. An der TU Wien wurde eine Technik entwickelt, die ohne Fugen auskommt und dadurch viel Geld und Aufwand spart.

Wer im Auto mit flottem Tempo über eine Brücke fährt, spürt es sofort: Meist rumpelt man am Anfang und am Ende der Brücke über eine Dehnfuge, die dort...

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

Tag der Seltenen Erkrankungen – Deutsche Leberstiftung informiert über seltene Lebererkrankungen

21.02.2018 | Veranstaltungen

Digitalisierung auf dem Prüfstand: Hochkarätige Konferenz zu Empowerment in der agilen Arbeitswelt

20.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Von Hefe für Demenzerkrankungen lernen

22.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Sektorenkopplung: Die Energiesysteme wachsen zusammen

22.02.2018 | Seminare Workshops

Die Entschlüsselung der Struktur des Huntingtin Proteins

22.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics