Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ein neuartiger Sensor löst weitere Innovationen aus

09.11.2010
Die AiF verleiht jedes Jahr den mit 5.000 Euro dotierten Otto von Guericke-Preis an ein Forschungsprojekt aus der Industriellen Gemeinschaftsforschung (IGF), das einen wichtigen Anstoß für Innovationen in der Wirtschaft liefert.

Die diesjährige Auszeichnung geht an ein IGF-Projekt aus dem Bereich Werkstofftechnik. Der Festakt findet am 9. November 2010 während der 83. Tagung des Wissenschaftlichen Rates der AiF in Berlin-Adlershof statt.

Stahl ist ein beliebter Werkstoff, vor allem deshalb, weil er die unterschiedlichsten Eigenschaften aufweisen kann, je nach Art der Vorbehandlung. Das wichtigste Verfahren dazu ist das Härten, das mit unterschiedlichen Methoden erfolgen kann.

Eine davon ist das so genannte Bainitisieren, bei dem Bauteile nach dem Erwärmen auf Härtetemperatur nicht zügig bis auf Raumtemperatur abgeschreckt, sondern in Warmbädern teilweise mehrere Stunden bei höheren Temperaturen gehalten werden.

Dieses Verfahren hat viele technologische Vorteile, so zum Beispiel behalten die Bauteile während der Behandlung ihre Maße und Formen weitgehend bei und haben zudem bessere Zähigkeitseigenschaften. Allerdings hat es auch einen gravierenden Nachteil, nämlich die lange Behandlungsdauer. Da man diese bisher nur empirisch abschätzen konnte und, um ausreichende Prozesssicherheit zu gewährleisten, mit hohen Zeitzuschlägen arbeiten musste, war diese Methode für viele Anwendungen unrentabel.

Abhilfe kam aus den Reihen der Industriellen Gemeinschaftsforschung, als die Wissenschaftler Dr.-Ing. Wilfried Reimche von der Leibniz Universität Hannover, Institut für Werkstoffkunde, und Dr.-Ing. Heinrich Klümper-Westkamp von der Stiftung Institut für Werkstofftechnik in Bremen eine neue Messtechnik für das Bainitisieren entwickelten. Ein elektromagnetischer Sensor macht es nun möglich, den Prozessablauf kontinuierlich zu verfolgen und das Ende der Behandlungszeit zu erkennen.

Dank dieser berührungslosen Messtechnik reduzieren sich die Behandlungszeiten um 20 bis 50 Prozent. Gleichzeitig steht den Anwendern ein ausgezeichnetes System zur Qualitätskontrolle zur Verfügung, mit dem mögliche Ausfallchargen bereits während des Umwandlungsprozesses erkannt und korrigiert werden können. Der Bainitsensor ist gerade für kleine und mittlere Unternehmen eine kostengünstige Möglichkeit, den Umwandlungsvorgang zu beurteilen und zu dokumentieren.

Im Unterschied zur bisherigen Analysemethode, bei der Materialproben entnommen werden mussten, ist die innovative Methode zerstörungsfrei und verläuft direkt im Prozess. Sie ist robuster, bedienungsfreundlicher und besser automatisierbar. Außerdem können demnächst Bauteileigenschaften und Qualitätssicherung im Fertigungsprozess gezielt eingestellt werden.

Die neue Messtechnik ist so präzise und vielfältig nutzbar, dass auf ihrer Basis weitere innovative Verfahren entwickelt werden können, wie zum Beispiel das partielle oder mehrstufige Bainitisieren. Sie versprechen ein beachtliches Potenzial, wenn es um die Steigerung der Lebensdauer von Bauteilen geht. Dass der konsequente Einsatz dieser Sensortechnik zu Energieeinsparungen von über 20 Prozent und damit zu wirtschaftlicheren und energieeffizienteren Fertigungsketten für Hochleistungsbauteile führen wird, sind sich die beiden Forscher, die den diesjährigen Otto von Guericke-Preis entgegen nehmen, einig.

Dr.-Ing. Wilfried Reimche (61) ist promovierter Maschinenbauer und seit 1986 Akademischer Direktor an der Leibniz Universität Hannover. Seit 2000 leitet er zudem den Bereich Zerstörungsfreie Prüfverfahren am Institut für Werkstoffkunde. Dr.-Ing. Heinrich Klümper-Westkamp (54) ist Diplom-Physiker, er promovierte im Fachbereich Produktionstechnik und leitet seit 1989 in der Stiftung Institut für Werkstofftechnik in Bremen die Arbeitsgruppe Sensorik in der Wärmebehandlung.

Über die AiF
Die AiF – Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen "Otto von Guericke" e.V. – fördert seit 1954 Forschung und Entwicklung zugunsten mittelständischer Unternehmen. Als Dach eines Netzwerks mit 101 Forschungsvereinigungen bietet sie praxisnahe Innovationsberatung. Sie ist Träger der Industriellen Gemeinschaftsforschung und betreut gemeinsam mit der AiF Projekt GmbH, ihrer einhundertprozentigen Tochter, weitere Förderprogramme der öffentlichen Hand. Pro Jahr fließen über die AiF ca. 400 Millionen Euro öffentliche Mittel in mehrere Tausend Forschungsprojekte.
Pressearbeit
AiF, Anita Widera, E-Mail: presse@aif.de, Telefon: 0221 37680-10

Anita Widera | idw
Weitere Informationen:
http://www.aif.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Heinz Maier-Leibnitz-Preise 2017: DFG und BMBF zeichnen vier Forscherinnen und sechs Forscher aus
23.02.2017 | Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

nachricht Eine Milliarde Euro für die Hochschulmedizin
17.02.2017 | Deutsche Hochschulmedizin e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie