Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie Nervenzellen sich ihren Weg bahnen

15.05.2009
Göttinger Wissenschaftler erhält 1 Million US-Dollar für internationales Verbundvorhaben

Prof. Dr. Fred S. Wouters vom Exzellenzcluster 171 "Mikroskopie im Nanometerbereich" erhält für sein innovatives Projekt zur Entschlüsselung der grundlegenden Mechanismen neuronaler Wachstumsprozesse drei Jahre Fördergelder vom Human Frontier Science Programm (HFSP).

Während der Gehirnentwicklung müssen die Fortsätze von Nervenzellen, so genannte Axone, über weite Strecken wachsen, um neue Zellkontakte und somit ein funktionierendes Nervennetzwerk auszubilden. Wie dabei die Mechanismen zur Navigation dieser Wachstumsprozesse auf zellulärer Ebene ablaufen, ist bisher unbekannt. Dies will Prof. Dr. Fred S. Wouters, Wissenschaftler im Exzellenzcluster "Mikroskopie im Nanometerbereich" am DFG-Forschungszentrum Molekularphysiologie des Gehirns (CMPB) an der Universitätsmedizin Göttingen, gemeinsam mit Wissenschaftlern aus den USA und England aufklären. Das Forschungsvorhaben zur Entschlüsselung der grundlegenden Mechanismen neuronaler Wachstumsprozesse wird vom Human Frontier Science Programm (HFSP) mit einem "Program Grant" gefördert: 1 Million US-Dollar fließen über einen Zeitraum von drei Jahren in das international besetzte Projekt unter Göttinger Leitung. Mit seinem Konzept konnte sich der Prof. Wouters auf internationaler Ebene erfolgreich gegen 600 weitere Bewerber durchsetzen.

"Es ist bekannt, dass richtungsgebende Signalstoffe im Gehirn freigesetzt werden und an passende Rezeptoren der Nervenfasern anbinden. Wie genau die Zusammenarbeit dieser Signalmoleküle jedoch die Wachstumsrichtung der Axone lenkt, ist bisher unbekannt," sagt Prof. Wouters. Für die Untersuchung der unbekannten zellulären Prozesse hat das Labor von Prof. Wouters bereits einzigartige Mikroskopieverfahren und molekulare Biosonden entwickelt. Die HFSP-Fördergelder erlauben nun die Entwicklung neuerer Varianten dieser Methoden und Sensoren. Rund ein Drittel der Gesamtsumme stehen dafür direkt der Göttinger Arbeitsgruppe zur Verfügung.

In der Umsetzung seines Forschungsvorhabens wird der Göttinger Wissenschaftler Prof. Dr. Fred Wouters von zwei Forscherkollegen aus den USA und England unterstützt: Prof. Marcel P. Bruchez vom Department of Chemistry and Molecular Biosensors and Imaging Center an der Carnegie Mellon University, Pittsburgh bringt seine Kompetenz in der Herstellung chemisch-synthetischer Biosonden ein. Sein Expertenwissen spielt für das Vorhaben eine wichtige Rolle. Zur Anwendung kommen die künstlich hergestellten Biosonden dann in einem Modell für das Nervenwachstum vom Auge zum visuellen Kortex des Gehirns. Dieses Modell wird von Prof. Christine Holt, vom Department of Physiology, Development and Neuroscience an der University of Cambridge in das Projekt eingebracht.

"Nur durch unsere gemeinsame Arbeit können wir die räumlich-zeitlichen Aspekte des neuronalen Wachstums verstehen. Unsere Erkenntnisse möchten wir zukünftig für die Reparatur zerstörter Nervenverbindungen - wie z.B. nach einem Schlaganfall - nutzen," sagt der Leiter der Studie, Prof. Wouters.

Die 'Program Grants' des Human Frontier Science Programms dienen in erster Linie der Förderung von interdisziplinär sowie international ausgerichteter Forschungsverbünden. Deren gemeinsame Expertise soll die Erforschung bisher unbeantworteter biologischer Fragestellungen ermöglichen.

DFG Forschungszentrum Molekularphysiologie des Gehirns (CMPB) und Exzellenzcluster Mikroskopie im Nanometerbereich: Das DFG Forschungszentrum Molekularphysiologie des Gehirns (CMPB) an der Universitätsmedizin Göttingen besteht seit 2002. Im Rahmen der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder wurde es im Oktober 2006 um das Exzellenzcluster Mikroskopie im Nanometerbereich erweitert. Der bestehende und fest etablierte Forschungsverbund der Göttinger Neurowissenschaften wird durch diese Technologieplattform mit höchst innovativen Mikroskopie-Techniken verstärkt.

WEITERE INFORMATIONEN
Universitätsmedizin Göttingen
DFG Forschungszentrum Molekularphysiologie des Gehirns (CMPB)
Prof. Dr. Fred S. Wouters
Labor für Molekulare and Zelluläre Systeme
Abteilung Neuro- und Sinnesphysiologie
Telefon 0551-39-12368
Mail: fred.wouters@gwdg.de

Dr. Susanne Ohrt | idw
Weitere Informationen:
http://www.cmpb.de
http://www.uni-goettingen.de/de/58060.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht IVAM-Marketingpreis würdigt zum zehnten Mal überzeugendes Technologiemarketing
22.08.2017 | IVAM Fachverband für Mikrotechnik

nachricht UDE / UK: Verbundprojekt zur Bekämpfung Ras-abhängiger Tumore
22.08.2017 | Universität Duisburg-Essen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Nature“ berichten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden von der Entdeckung eines seltenen Materiezustandes, bei dem sich die Elektronen in einem Kristall gemeinsam in einer Richtung bewegen. Diese Entdeckung berührt eine der offenen Fragestellungen im Bereich der Festkörperphysik: Was passiert, wenn sich Elektronen gemeinsam im Kollektiv verhalten, in sogenannten „stark korrelierten Elektronensystemen“, und wie „einigen sich“ die Elektronen auf ein gemeinsames Verhalten?

In den meisten Metallen beeinflussen sich Elektronen gegenseitig nur wenig und leiten Wärme und elektrischen Strom weitgehend unabhängig voneinander durch das...

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer IPM präsentiert »Deep Learning Framework« zur automatisierten Interpretation von 3D-Daten

22.08.2017 | Informationstechnologie

Globale Klimaextreme nach Vulkanausbrüchen

22.08.2017 | Geowissenschaften

RWI/ISL-Containerumschlag-Index erreicht neuen Höchstwert

22.08.2017 | Wirtschaft Finanzen