Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Nernst-Haber-Bodenstein-Preis geht an Max-Planck-Forscher Christian Eggeling

16.06.2011
Christian Eggeling vom Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie hat den diesjährigen Nernst-Haber-Bodenstein-Preis erhalten. Mit der Auszeichnung ehrt die Deutsche Bunsen-Gesellschaft für Physikalische Chemie jährlich Nachwuchsforscher für herausragende wissenschaftliche Leistungen. Der Preis ist mit 5000 Euro dotiert.

Christian Eggeling erforscht, wie sich bisher Unsichtbares im Nanokosmos lebender Zellen sichtbar machen lässt. Seit dem Jahr 2003 arbeitet er hierzu in der Abteilung „NanoBiophotonik“ von Stefan W. Hell am Göttinger Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie. Der Physiker hat sich auf Eigenschaften von Proteinen und Lipiden in Biomembranen spezialisiert, deren Bewegungen und Wechselwirkungen sich auf allerkleinstem Raum abspielen: im Bereich von wenigen Nanometern (Millionstel Millimetern). Ein Bereich, der sich mit einem herkömmlichen Lichtmikroskop nicht beobachten lässt.

Um diese kleinsten Bewegungen sichtbar zu machen, verfolgt Eggeling einen interdisziplinären Ansatz. Erfolgreich kombiniert er die von Hell entwickelte ultrahochauflösende Stimulated Emission Depletion (STED)-Mikroskopie mit der Fluoreszenzkorrelations-Spektroskopie. „Wir schauen insbesondere auf Anomalien bei Bewegungen und Wechselwirkungen von Proteinen und Lipiden. Gerade sie verraten uns sehr viel über ihre Funktion“, erklärt der Nachwuchswissenschaftler. Er arbeitet dazu eng mit Kollegen der Abteilung „NanoBiophotonik“ am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie und Wissenschaftlern der Universität Bonn zusammen.

Seine Erkenntnisse können helfen zu verstehen, wie Zellen Signale aus ihrer Umgebung empfangen, interpretieren und auf sie reagieren. Auch medizinisch sind die von Eggeling untersuchten Membranproteine von großer Bedeutung: Rund die Hälfte aller zugelassenen Arzneimittel wirkt auf diesen Proteintyp. Zu verstehen, wie Membranproteine in der lebenden Zelle im molekularen Detail funktionieren, ist daher auch wichtig, um neue medizinische Wirkstoffe zu erforschen.

Neben diesen Proteinen und Lipiden interessiert den Physiker eine Struktur, die Forschern noch immer Rätsel aufgibt: sogenannte Lipid Rafts – winzige Bereiche in Biomembranen, die auffallend reich an Cholesterin und bestimmten Lipidtypen sind. „Durch geschickte Kombination ultrahochauflösender mikroskopischer Methoden mit physikalisch-chemischen Methoden haben wir jetzt ein Werkzeug an der Hand, mit dem wir diesen Bereich in der Biomembran erstmals direkt in lebenden Zellen untersuchen können“, sagt Eggeling. Er hofft, damit entscheidend dazu beitragen zu können, das Mysterium der Lipid Rafts aufzuklären.

Für seine herausragenden Forschungsleistungen hat die Deutsche Bunsen-Gesellschaft für Physikalische Chemie den Nachwuchswissenschaftler jetzt mit dem renommierten Nernst-Haber-Bodenstein-Preis geehrt. Die mit 5000 Euro dotierte Auszeichnung wurde ihm von Martin Quack, dem Präsidenten der Deutschen Bunsen-Gesellschaft für Physikalische Chemie, am 2. Juni 2011 in Berlin überreicht.

Zur Person:
Christian Eggeling studierte Physik an den Universitäten Hamburg und Göttingen. Nach einem Forschungsaufenthalt am Karolinska-Institut in Stockholm (Schweden) kehrte er 1996 für seine Promotion nach Göttingen zurück. Für herausragende Leistungen in seiner Doktorarbeit am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie unter Jürgen Troe und Claus Seidel wurde ihm die Otto-Hahn-Medaille der Max-Planck-Gesellschaft verliehen. Nach einer dreijährigen Tätigkeit in der Firma Evotec in Hamburg forscht Christian Eggeling seit 2003 in der Abteilung „NanoBiophotonik“ von Stefan W. Hell am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie.
Zum Preis:
Mit dem Nernst-Haber-Bodenstein-Preis werden Nachwuchswissenschaftler für herausragende wissenschaftliche Leistungen in der physikalischen Chemie ausgezeichnet. Der Preis wird durch die Deutsche Bunsen-Gesellschaft für Physikalische Chemie (DBG) verliehen und ist mit 5000 Euro dotiert. Die DBG ist eine gemeinnützige Organisation, die sich in der Forschungs- und Bildungspolitik engagiert. Sie wurde unter Mitwirkung von Jacobus Henricus van't Hoff, Walther Nernst und Wilhelm Ostwald im Jahre 1894 unter dem Namen Deutsche Elektrochemische Gesellschaft gegründet, seit 1936 trägt sie den jetzigen Namen.
Ansprechpartner:
Dr. Christian Eggeling, Abteilung „NanoBiophotonik“
Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie, Göttingen
Tel.: +49 551 / 201-2513, -2553
E-Mail: ceggeli@gwdg.de
Dr. Carmen Rotte, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie, Göttingen
Tel.: +49 551 / 201-1304
E-Mail: crotte@gwdg.de

Dr. Carmen Rotte | idw
Weitere Informationen:
http://www.mpibpc.mpg.de/aktuell/pr/2011/11_11/index.html
http://www.mpibpc.mpg.de/research/dep/hell/index.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht 1,5 Millionen Euro für vier neue „Innovative Training Networks” an der Universität Hamburg
29.05.2017 | Universität Hamburg

nachricht Auszeichnung der ESA BIC Startup-Challenge während der INNOspace Masters Konferenz in Berlin
24.05.2017 | Anwendungszentrum GmbH Oberpfaffenhofen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue Methode für die Datenübertragung mit Licht

Der steigende Bedarf an schneller, leistungsfähiger Datenübertragung erfordert die Entwicklung neuer Verfahren zur verlustarmen und störungsfreien Übermittlung von optischen Informationssignalen. Wissenschaftler der Universität Johannesburg, des Instituts für Angewandte Optik der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) präsentieren im Fachblatt „Journal of Optics“ eine neue Möglichkeit, glasfaserbasierte und kabellose optische Datenübertragung effizient miteinander zu verbinden.

Dank des Internets können wir in Sekundenbruchteilen mit Menschen rund um den Globus in Kontakt treten. Damit die Kommunikation reibungslos funktioniert,...

Im Focus: Strathclyde-led research develops world's highest gain high-power laser amplifier

The world's highest gain high power laser amplifier - by many orders of magnitude - has been developed in research led at the University of Strathclyde.

The researchers demonstrated the feasibility of using plasma to amplify short laser pulses of picojoule-level energy up to 100 millijoules, which is a 'gain'...

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebensdauer alternder Brücken - prüfen und vorausschauen

29.05.2017 | Veranstaltungen

49. eucen-Konferenz zum Thema Lebenslanges Lernen an Universitäten

29.05.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz an der Schnittstelle von Literatur, Kultur und Wirtschaft

29.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Intelligente Sensoren mit System

29.05.2017 | Messenachrichten

Geckos kommunizieren überraschend flexibel

29.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

1,5 Millionen Euro für vier neue „Innovative Training Networks” an der Universität Hamburg

29.05.2017 | Förderungen Preise