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Nach der WM ist vor der WM: Wenn Roboter Fußball spielen

25.07.2014

Beim RoboCup, der Weltmeisterschaft für fußballspielende Roboter, sind in dieser Woche Teams von Hochschulen und Universitäten aus der ganzen Welt im brasilianischen João Pessoa in unterschiedlichen Ligen gegeneinander angetreten.

Die Hochschule Offenburg war mit zwei Teams vertreten: „Sweaty“, ein menschenähnlicher Roboter, der sogar schwitzen kann und „Magma“, das elf simulierte 3D-Roboter auf einen virtuellen Rasen schickt. Magma hat sich Platz drei und damit das beste Ergebnis bei seiner mittlerweile sechsten WM-Teilnahme gesichert. Sweaty dagegen ist in seinem ersten Turnier nach einer guten Vorrunde ausgeschieden.


Sweaty, der schwitzende Roboter der Hochschule Offenburg

Hochschule Offenburg, Susanne Gilg

Wenn auf der Tribüne die brasilianische Flagge geschwenkt wird, die Zuschauer begeistert klatschen, mitfiebern und bei jedem Tor ein lautes "Goooool" durch die Halle schallt, scheint es so, als hätten die Brasilianer längst ihr Ausscheiden bei der Fußball-Weltmeisterschaft vergessen. Der RoboCup zieht viele Besucher an, regelmäßig bilden sich vor der Halle Schlangen, die Tribünen sind gefüllt. Für Hochschulroboter Sweaty und sein Team um die Professoren Ulrich Hochberg, Michael Wülker und Klaus Dorer war es das erste Turnier.

Das Magma-Team der simulierten 3D-Roboter war zum sechsten Mal dabei - und hat das beste Ergebnis seit seiner Teilnahme am RoboCup erreicht: ein 1:0 gegen den FC Portugal. "Wir konnten uns im Laufe des Turniers steigern, bei den Europameisterschaften haben wir zuletzt gegen die Portugiesen verloren und nun beim wichtigsten Turnier gewonnen", sagt Professor Dr. Klaus Dorer, der das Magma-Team trainiert.

Ein Platz auf dem Treppchen war das Ziel, Dorer freut sich über den Erfolg: "Informatik macht Spaß und hat unser Team bis nach Brasilien geführt." Vor allem das freiwillige Engagement seiner Mitarbeiter und Studierenden hebt er hervor: "Wir haben im Vorfeld viele, viele Stunden programmiert - es hat sich gelohnt."

Auch beim zweibeinigen Roboter Sweaty ist die Informatik zusammen mit der Mechanik, Elektrik, Mechatronik, dem Maschinenbau und der Kinematik ein wichtiger Bestandteil. Sweaty war weltweit unter den fünf Mannschaften, die es geschafft haben, ihre Roboter beim RoboCup antreten zu lassen - sogar der einzige Europäer. Nach einer guten Vorrunde lag er auch mit ein bisschen Glück anfangs auf Rang zwei - und sorgte bei den anderen Teams mit einem Seitwärtsschritt, den nur der Offenburger Roboter beherrscht, für Beifall.

Doch wegen des schlechteren Torverhältnisses war für Sweaty das Turnier nach der Vorrunde beendet. "Seine Gegner von Spitzenuniversitäten aus China, Taiwan und den USA haben allesamt schon jahrelang Robo-Cup-Erfahrung", so Sweaty-Teamleiter Professor Dr. Ulrich Hochberg. In dem Roboter sind mehrere neue Technologien realisiert worden - beispielsweise die Entkopplung von Gelenk und Servomotor, eine Kinematik mit variabler Übersetzung und natürlich die Verdunstungskühlung.

"Vielleicht zu viele neue Technolgien gleichzeitig, um gegen Teams mit vielen Jahren Erfahrung und erprobter Technik gewinnen zu können. Das Team ist trotz des frühen Ausscheidens nicht geknickt: alte Technologien nachzubauen ist nicht Sinn unserer Arbeit, und humanoide Roboter ohne neue innovative Ansätze weiter zu entwickeln ist nach unserer Ansicht nicht zielführend", fügt Hochberg hinzu.

Den Titel sicherte sich schließlich der Roboter aus den USA, gegen den Sweaty in der Vorrunde mit seinem Seitwärtsschritt verblüfft hatte. Nach seinem Ausscheiden haben die Teammitglieder Sweaty so programmiert, dass er den vielen Zuschauern winken konnte: "Die deutsche Mannschaft hat ja schon die Weltmeisterschaft gewonnen, aber so schön winken konnten die Spieler nicht", witzelte eine Zuschauerin, die - wie viele andere Zuschauer auch - Sweaty mit ihrer Kamera aufgenommen hatte.

"Unser Ziel war es, Turniererfahrung zu sammeln - das haben wir geschafft", so Hochberg. Dazu gehört vor allem auch der Austausch unter den Teams, die aus aller Welt nach Brasilien gereist sind. "Hier ist jetzt die geballte Kompetenz vertreten, das ist Gold wert." Am Ende spielte sogar ein Roboterteam gegen eine Mannschaft aus "echten" Menschen. Das Ergebnis: Unentschieden. Die Zukunft der Robotik bleibt spannend.

Über die RoboCup-WM: Mit mehr als 2500 Teilnehmern ist die RoboCup-WM eine der größten Robotik-Veranstaltungen weltweit. In verschiedenen Ligen spielen simulierte und echte Roboter Fußball, orten Überlebende in Katastrophenszenarien oder servieren kühle Getränke in einer Wohnzimmerumgebung. Die Weltmeisterschaft fand vom 19. bis 25. Juli nach der echten Fußball-WM in Brasilien statt.

Weitere Informationen:

Berichte vom Turnier gibt es im Internet unter http://offenburg-university.de/robocup

Susanne Gilg | idw - Informationsdienst Wissenschaft

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