Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Multiresistenten Keimen schneller auf die Spur kommen

13.06.2012
Kotsene Loumonvi von der Fachhochschule Südwestfalen wurde für neue Messmethode mit dem Max- Buchner- Preis ausgezeichnet
Ein Allheilmittel gegen multiresistente Keime kennt auch er nicht, aber mit der von Kotsene Loumonvi entwickelten Methode kann zukünftig wesentlich schneller als bisher festgestellt werden, um welche Erregerart es sich handelt. Die betroffenen Patienten können somit frühzeitig richtig behandelt werden. Für seine Bachelorarbeit wurde der 28-jährige Absolvent des Studiengangs Bio- und Nanotechnologien der Fachhochschule Südwestfalen in Iserlohn jetzt mit dem Max- Buchner-Preis der DECHEMA ausgezeichnet.

Fast eine halbe Millionen Menschen infizieren sich in Deutschland jährlich mit multiresistenten Keimen. Davon geht zumindest die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene aus. Am bekanntesten ist die antibiotika-resistente Form eines speziellen Bakteriums unter der Abkürzung MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus). Der Einsatz von Antibiotika hilft meistens nicht, die Patienten sind lange krank oder sterben an den Folgen der Krankenhausinfektion.
Eine schnelle Identifizierung dieser antibiotika- Erreger trägt dazu bei, dass die Patienten frühzeitig behandelt werden können. Doch nicht nur der medizinischen Bereich profitiert davon, auch für die Industrie sind zeitnahe und präzise Identifizierungsmethoden beispielsweise bei der Nahrungsmittelerzeugung und Biotechnologie von großem Interesse.

Kotsene Loumonvi beschäftigte sich in seiner Bachelorarbeit mit dem Vergleich unterschiedlicher spektroskopischer Messtechniken zur Charakterisierung von Mikroorganismen. „Ich habe herkömmliche Messmethoden mit der Methode der Infrarot-Spektroskopie mittels einer faseroptischen ATR-Sonde verglichen. Mit dieser neuartigen Sonde ist es möglich, quasi einen Fingerabdruck der Bakterien zu erhalten und die chemische Zusammensetzung zu erkennen“, erklärt Loumonvi. Verschiedenste Bakterienarten wurden unter Standardbedingungen kultiviert und anhand mathematischer hierarchischer Clusteranalyse erfolgreich klassifiziert. Kotsene Loumonvi konnte zeigen, dass mit der von ihm entwickelten analytischen Methode bereits geringste Mengen an Bakterienmassen schneller analysiert werden können und ein Datenaustausch zwischen Laboren, die unterschiedliche Messtechniken nutzen, möglich ist. „Die infrarot-spektroskopische Charakterisierung spart im Vergleich zu den in der Mikro- und Molekularbiologie gängigen Verfahren einen Tag ein“, sagt Loumonvi und berichtet weiter; „dass zwar die ATR- Fasersonde keine ganz neue Messmethode darstellt, wohl aber die Anwendung für die Bestimmung der Bakterien“. Dies bedeutet einen enormen Fortschritt für die Charaktierisierung von Mikroorganismen gegenüber konventionellen Methoden. Die neue Methode kann im Bereich der allgemeinen Mikrobiologie, der Nahrungsmittelindustrie sowie der Krankenhaushygiene universell eingesetzt werden.

„Ich habe schon viele wissenschaftliche Arbeiten von jungen Studierenden betreut, doch hier war es mir eine besondere Freude mitzuerleben, mit welchem Engagement, mikrobiologischem Geschick und Enthusiasmus die wissenschaftlichen Ergebnisse zustande gekommen sind“ lobte Betreuer Prof. Dr. Herbert Michael Heise bei der Preisverleihung. Er war es auch, der die Arbeit für den Preis der Max-Buchner-Forschungsstiftung für Technische Chemie an Fachhochschulen vorschlug. Mit dem Preis, der von der DECHEMA ( Deutsche Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie e.V.) verliehen wird, werden herausragende Bachelor-Arbeiten von FH-Absolventen ausgezeichnet. Beurteilungskriterien sind die Umsetzung ingenieurwissenschaftlicher Grundlagenkenntnisse in die Praxis, experimentelles Geschick und die Interpretation der Ergebnisse. Der Preis ist mit 500 Euro dotiert.
Prof. Dr. Joachim Litz, Vorsitzender des Gutachtergremiums nahm persönlich die Preisverleihung vor und betonte, dass eine hochkarätige Jury sich für die Auszeichnung von Kotsene Loumonvi entschieden habe, denn „Zeit ist kostbar, weniger Zeit ist mehr wert. Hier hat die Bachelorarbeit bestehende Messmethoden eindeutig optimiert“.

„Ich bin sehr glücklich, dass meine Arbeit letztlich ein gutes Ergebnis gezeigt hat und dass alles so geklappt hat wie ich es mir zu Beginn vorgestellt hatte“, freute sich Kotsene Loumonvi. Er hat direkt nach dem Studium eine Anstellung bei einem Enzymhersteller in Düsseldorf erhalten.

Hintergrund:

Die DECHEMA ist eine gemeinnützige Fachgesellschaft, der über 5.500 NaturwissenschaftlerInnen, IngenieurInnen, Firmen, Organisationen und Institute als Mitglieder angehören. Sie verfolgt u.a. das Ziel, Forschung und Entwicklung in Chemischer Technik und Biotechnologie zu fördern und zu begleiten.

Birgit Geile-Hänßel | idw
Weitere Informationen:
http://www.fh-swf.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht „Digital Mobility“– 48 Mio. Euro für die Entwicklung des digitalen Fahrzeuges
26.06.2017 | Kompetenzzentrum - Das virtuelle Fahrzeug Forschungsgesellschaft mbH

nachricht Hochschule Karlsruhe: mit speichenlosem Fahrrad Kreativwettbewerb gewonnen
26.06.2017 | Hochschule Karlsruhe - Technik und Wirtschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Future Security Conference 2017 in Nürnberg - Call for Papers bis 31. Juli

26.06.2017 | Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

„Digital Mobility“– 48 Mio. Euro für die Entwicklung des digitalen Fahrzeuges

26.06.2017 | Förderungen Preise

Fahrerlose Transportfahrzeuge reagieren bald automatisch auf Störungen

26.06.2017 | Verkehr Logistik

Forscher sorgen mit ungewöhnlicher Studie über Edelgase international für Aufmerksamkeit

26.06.2017 | Physik Astronomie