Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Molekulare Zeitreise - Europäischer Forschungsrat: 3 Millionen Euro für Bremer Meeresforscher

06.07.2015

Der Bremer Geochemiker Prof. Kai-Uwe Hinrichs erhält vom Europäischen Forschungsrat drei Millionen Euro Fördermittel. Damit wollen er und seine Arbeitsgruppe am MARUM der Universität Bremen in den kommenden fünf Jahren das Projekt ZOOMECULAR verwirklichen. Ziel ist es, Klima- und Umweltprozesse der jüngeren Erdgeschichte in bisher unerreichter zeitlicher Auflösung mit Hilfe molekularer, bildgebender Verfahren nachzuzeichnen.

Im Rahmen der prestigeträchtigen Förderlinie Exzellente Wissenschaft vergibt der Europäische Forschungsrat insgesamt 445 Millionen Euro an 190 Wissenschaftler aus ganz Europa. Die Förderlinie ist Bestandteil des EU-Forschungsrahmenplans Horizon 2020.


Prof. Hinrichs im Bremer Bohrkernlager des IODP International Ocean Drilling Programm

D. Ausserhofer, DFG

Eine Veröffentlichung, die 2014 im angesehenen US-Wissenschaftsmagazin PNAS erschien, lieferte die Initialzündung für den jetzt durch den Europäischen Forschungsrat bewilligten Förderantrag. Damals hatten Hinrichs und seine Gruppe knapp 10.000 Jahre alten Ablagerungen aus dem Mittelmeer Umweltinformationen im Vierjahres-Rhythmus entlockt.

Eine solch hohe zeitliche Auflösung dieser Art von Informationen war bis dato in den untersuchten Ablagerungen unvorstellbar gewesen. Im Fokus der Untersuchungen, für die das Team einen speziellen Laser mit einem Massenspektrometer koppelte, standen organische Moleküle, sogenannte Lipid-Biomarker.

Das sind Zellbausteine einzelliger Meeresorganismen, die in allen Ozeanen lebten und leben. Die in den Sedimenten abgelagerten Lipide abgestorbener Einzeller liefern stellvertretend für direkte Messungen Informationen über vorzeitliche Umweltbedingungen im Meer.

„Mit dem Projekt ZOOMECULAR können wir diese aufwändigen Forschungen jetzt fortsetzen und unsere Methodik weiter verbessern“, sagt Kai-Uwe Hinrichs. „Mit den neuartigen Methoden zoomen wir mit unseren molekularen Analysen in winzige Sedimentproben, die gerade mal einen Zehntel Millimeter Durchmesser haben, um so komplexe Klimaprozesse der jüngeren Erdgeschichte im Jahresrhythmus zu rekonstruieren und damit besser zu verstehen.“

Die molekulare Zeitreise soll neue Erkenntnisse zu hochdynamischen Klimavorgängen liefern. Beispiele dafür sind die sogenannte Kleine Eiszeit im ausgehenden Mittelalter, eine plötzliche kühle Episode am Ende der letzten Kaltzeit, die als Jüngere Dryas in die Erdgeschichte einging, oder das Auf und Ab zwischen El Nino und La Nina im Pazifik. - Als Geochemiker will Hinrichs aber auch mehr darüber herausfinden, wie einzelligen Organismen im Sediment agieren und welche Rolle sie letztlich im Rahmen globaler Stoffkreisläufe spielen.

Hinrichs, seit 2002 Professor für Organische Geochemie an der Universität Bremen, ist einer von nur sieben Erdwissenschaftlern, die in der Exzellenz-Förderrunde des Europäischen Forschungsrats erfolgreich waren – und einer von ganz wenigen Forschern, denen dies zweimal gelang. Bereits 2010 erhielt er diese Auszeichnung vom Europäischen Forschungsrat für ein fünfjähriges Projekt.

„Angesichts der intensiven Konkurrenz um die Fördermittel des Europäischen Forschungsrats ist das ein wirklich überzeugender Erfolg“, sagt MARUM-Direktor Prof. Michael Schulz: „Auch zeigt sich einmal mehr, dass die Rahmenbedingungen am MARUM der Universität Bremen solche internationale Spitzenforschung ermöglichen.“

Weitere Informationen / Interviewanfragen / Bildmaterial:
Albert Gerdes
MARUM-Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: 0421 218 65540
Email: agerdes@marum.de

Albert Gerdes | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.marum.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht 31,5 Millionen Euro für Forschungsinstitute der Innovationsallianz Baden-Württemberg (InnBW)
20.04.2018 | Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg

nachricht Der Herr der Magnetfelder: EU verleiht HZDR-Forscher begehrte Forschungsförderung in Millionenhöhe
12.04.2018 | Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Software mit Grips

Ein computergestütztes Netzwerk zeigt, wie die Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen so verschiedenartige Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Hirnwellen steuern können

Nervenzellen, die auch dann aktiv sind, wenn der auslösende Reiz verstummt ist, sind die Grundlage für ein Kurzzeitgedächtnis. Durch rhythmisch aktive...

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Im Focus: Spider silk key to new bone-fixing composite

University of Connecticut researchers have created a biodegradable composite made of silk fibers that can be used to repair broken load-bearing bones without the complications sometimes presented by other materials.

Repairing major load-bearing bones such as those in the leg can be a long and uncomfortable process.

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Im Focus: Writing and deleting magnets with lasers

Study published in the journal ACS Applied Materials & Interfaces is the outcome of an international effort that included teams from Dresden and Berlin in Germany, and the US.

Scientists at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) together with colleagues from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) and the University of Virginia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Grösster Elektrolaster der Welt nimmt Arbeit auf

20.04.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Bilder magnetischer Strukturen auf der Nano-Skala

20.04.2018 | Physik Astronomie

Kieler Forschende entschlüsseln neuen Baustein in der Entwicklung des globalen Klimas

20.04.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics