Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Modulares Halbschalensystem für nachhaltige Gebäude

30.09.2013
Deutscher Nachhaltigkeitspreis: Forschergruppe mit Prof. Andrej Albert von der Hochschule Bochum für BMBF-Sonderpreis nominiert

Die Hochschule Bochum hat sich in besonderer Weise dem Anliegen der Nachhaltigkeit verpflichtet. Deshalb ist sie stolz darauf, dass einer ihrer Wissenschaftler für den BMBF-Forschungspreis „Nachhaltige Entwicklungen“ 2013 nominiert wurde: Prof. Dr. Andrej Albert ist Mitglied einer Forschergemeinschaft, die ein ressourcenschonendes Bauverfahren für Betondecken entwickelt hat.

Gemeinsam mit weiteren Experten der Technischen Universität Kaiserslautern und dem Wiesbadener Unternehmen Cobiax Technologies hat der Stahlbetonbauexperte eine Technik entwickelt, bei der Hohlkörpermodule aus recyceltem Kunststoff in die Decke eingegossen werden. Sie nehmen so den Platz des energieintensiven Betons an den Stellen ein, an denen er für die Tragfähigkeit nicht benötigt wird.

Prof. Albert lehrt seit 2004 Massivbau an der Hochschule Bochum und leitet gemeinsam mit zwei Kollegen das Institut für Beton- und Fertigteilbau. Bereits seit seinem Studium befasst er sich mit Forschungen zum Stahlbetonbau und auch speziell mit Hohlkörperdecken.

Rund fünf bis sieben Prozent aller weltweiten CO2-Emissionen gehen auf das Konto der Zementherstellung. Im Rohbau sind Betondecken die mit Abstand größten Massen- und Volumenträger und bieten daher auch das höchste Potenzial bei der Einsparung von Ressourcen. Bereits seit Jahren bietet das hessische Unternehmen Cobiax Technologies daher Hohlkörpermodule in Kugelform aus 100-prozentig recyceltem Kunststoff an. Diese werden in Stahlbetondecken eingegossen und verdrängen dort den Beton. Bei nahezu gleichbleibender Tragfähigkeit verringern sie somit den Materialeinsatz besonders energieintensiver Baustoffe wie Beton und Stahlbewehrung. Der einzige Nachteil des Systems bestand bisher darin, dass die Technologie nur für Decken ab 35 Zentimetern Dicke und somit für ein begrenztes Einsatzfeld geeignet war.

Um die erfolgsversprechende Technologie auch für dünnere Deckenkonstruktionen nutzbar zu machen, wurde das gemeinsame Forschungsprojekt ins Leben gerufen. Als Ergebnis ist es gelungen, ein zweischaliges System zu entwickeln. Die seit Anfang 2013 bauaufsichtlich zugelassenen neuen Hohlkörpermodule bestehen – wie ihre kugelförmigen Pendants – aus 100-prozentig recyceltem Kunststoff.

Durch ihre geringe Bauhöhe sind sie für bauübliche Betondecken zwischen 20 und 35 Zentimetern Dicke geeignet, was rund 80 Prozent aller Anwendungen entspricht. „Der verringerte Materialeinsatz in den Decken reduziert den CO2-Ausstoß beim Bau eines Gebäudes um bis zu 15 Prozent. Gleichzeitig senken wir den Primärenergiebedarf um bis zu 22 Prozent“, erklärt Cobiax-Geschäftsführer Karsten Pfeffer. Hinzu kommt ein weiteres Sparpotenzial:
Wegen der verminderten Eigenlast und dem somit verringerten Gewicht der Decken, können auch weitere tragende Bauteile des Gebäudes wie Stützen schlanker dimensioniert und somit weiteres Material eingespart werden. „Bei konsequenter Nutzung unserer Technologie können allein in Deutschland jährlich rund sieben Millionen Tonnen Beton und 150.000 Tonnen Stahl eingespart werden. Dies reduziert den CO2-Ausstoß um rund 600.000 Tonnen“, rechnet Pfeffer vor. Es sei daher nicht verwunderlich, dass die Nachfrage entsprechend hoch ist:

Für diese Technologie wurde das Team aus Experten der Technischen Universität Kaiserslautern (Prof. Dr. Jürgen Schnell, Prof. Dr. Wolfgang Breit), der Hochschule Bochum (Prof. Dr. Andrej Albert) und des Hohlkörperdecken-Spezialisten Cobiax (Dr. Karsten Pfeffer, Dipl.-Ing. Volkmar Wanninger) nun für den Forschungspreis „Nachhaltige Entwicklungen“ nominiert, der im Rahmen des „Deutschen Nachhaltigkeitspreises“ ausgelobt wird und anwendungsorientierte Projekte mit besonders nachhaltigem Charakter honoriert.

Das gab die 16-köpfige Fachjury des Deutschen Nachhaltigkeitspreises jetzt in Düsseldorf bekannt. Aus 68 Bewerbern nahm die hochkarätige Fachjury neben diesem Projekt auch noch zwei weitere Forschungsprojekte in die Vorauswahl. Der endgültige Gewinner des Forschungspreises wird am 22. November feierlich bekanntgegeben. Für die Forschergemeinschaft mit Prof. Andrej Albert heißt es nun „Daumen drücken“!

Detlef Bremkens | idw
Weitere Informationen:
http://www.hochschule-bochum.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Berührungslose Ladesysteme
16.11.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Studenten nehmen mit Frühwarnsystem für Geisterfahrer an internationalem Wettbewerb in Peking teil
15.11.2017 | Universität des Saarlandes

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

500 Kommunikatoren zu Gast in Braunschweig

20.11.2017 | Veranstaltungen

VDI-Expertenforum „Gefährdungsanalyse Trinkwasser"

20.11.2017 | Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Künstliche neuronale Netze: 5-Achs-Fräsbearbeitung lernt, sich selbst zu optimieren

20.11.2017 | Informationstechnologie

Tonmineral bewässert Erdmantel von innen

20.11.2017 | Geowissenschaften

Hemmung von microRNA-29 schützt vor Herzfibrosen

20.11.2017 | Biowissenschaften Chemie