Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit leuchtenden Bakterien zur eigenen Firma

17.09.2014

Im April wurden die Jülicher Forscher Dr. Stephan Binder und Dr. Georg Schaumann aus dem Institut für Bio- und Geowissenschaften – Biotechnologie (IBG-1) als eines von sieben Gewinnerteams des Gründungswettbewerbs "Gründungsoffensive Biotechnologie GO-Bio" des BMBF ausgezeichnet. Sie haben ein Verfahren zur gezielten Suche hochproduktiver Mikroorganismen entwickelt, das sie nun zur Marktreife bringen wollen.

Zur Realisierung dieses Vorhabens und als Grundlage für die 2017 geplante Unternehmensgründung "SenseUp Biotechnology" unterstützt das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) Binder und Schaumann mit rund 2,5 Millionen Euro. Thomas Rachel MdB, Parlamentarischer Staatssekretär im BMBF, überreichte heute persönlich den Förderbescheid des Ministeriums.


Grund zur Freude haben Dr. Stephan Binder (l.) und Dr. Georg Schaumann (2.v.l.): Forschungsstaatssekretär Thomas Rachel (M.) überreicht den beiden Jülicher Wissenschaftlern im Beisein von Vorstandsmitglied Prof. Harald Bolt (r.) und Institutsleiter Prof. Michael Bott (2.v.r.) den Bewilligungsbescheid über rund 2,5 Millionen Euro.

Quelle: Forschungszentrum Jülich


Dr. Stephan Binder (r.) und Dr. Georg Schaumann (3.v.r.) erläutern Staatssekretär Thomas Rachel (M.) ihr Forschungsprojekt. Mit dabei: Prof. Harald Bolt (2.v.l.) und Prof. Michael Bott (l.).

Quelle: Forschungszentrum Jülich

"Mit ihrem wegweisenden Projekt in der Biotechnologie verbinden Dr. Stephan Binder und Dr. Georg Schaumann zwei wichtige Merkmale für die Weiterentwicklung des Forschungsstandorts Deutschland: Wissenschaftliche Exzellenz und Unternehmergeist. Beides verdient die Unterstützung des BMBF. Im Forschungszentrum Jülich finden sie die optimalen Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Unternehmensgründung vor. Die angestrebte Ausgründung unterstreicht die Leistungs- und Innovationskraft des Forschungsstandorts Jülich", sagte Forschungsstaatssekretär Thomas Rachel bei der Überreichung des Zuwendungsbescheids.

Der industriellen Biotechnologie kommt eine bedeutende Rolle zu, wenn es darum geht, energieintensive Produktionsprozesse auf Erdölbasis durch solche auf Grundlage nachwachsender Rohstoffe zu ersetzen. Mikroorganismen sind die Leistungsträger der Biotechnologie. Bakterien oder Pilze verwandeln nachwachsende Rohstoffe in wertvolle Produkte, zum Beispiel Aminosäuren, Polymer-Bausteine oder Arzneistoffe. Damit Mikroorganismen aber für Spitzenleistungen in der industriellen Produktion geeignet sind, muss ihre genetische Ausstattung optimiert werden.

Dies ist mit derzeitigen Methoden allerdings äußerst ressourcenintensiv. Unter Millionen Mikroorganismen müssen die wenigen identifiziert werden, die das gewünschte Produkt herstellen. Mit dem von Binder und Schaumann entwickelten Verfahren kann die aufwendige Suche nach den besten Mikroorganismen deutlich verringert werden: Von mehreren Monaten auf wenige Tage, was erhebliche Kosteneinsparungen sowie neue wissenschaftliche Entwicklungsansätze verspricht. Am Beispiel von Aminosäuren haben die beiden Gründer das bereits erfolgreich demonstriert.

In SenseUp Biotechnology arbeiten Schaumann und Binder mit einer Technik, die sich High-Throughput Screening & Recombineering (HTSR) nennt. Ein entscheidender Schritt bei der Entwicklung hochproduktiver Mikroorganismen ist das Screening großer Bibliotheken von Zellen mit unterschiedlichen genetischen Änderungen. Die Bakterien erhalten vor dem Screening eine genetische Zusatzausstattung.

Dadurch leuchten sehr produktive Mikroorganismen besonders hell und können so optisch erkannt werden. Die so veränderten Bakterien kommen dann in ein Gerät, das ursprünglich aus der Blutanalytik stammt. Es spült bis zu 50.000 Bakterien pro Sekunde einzeln an einem Laserstrahl vorbei. Es erkennt die hellsten Zellen und sortiert sie einzeln direkt in eine Mikrotiterplatte. Jedes ausgewählte Bakterium kommt in eine eigene abgegrenzte Mulde, in der es vermehrt und weiter untersucht werden kann.

In den vergangen Monaten seit der Auszeichnung durch das BMBF haben Stephan Binder und Georg Schaumann die strategische Ausrichtung Ihres geplanten Unternehmens vorangetrieben.
Gemeinsam mit vier Mitarbeitern haben sie zwei Labore im IBG-1 bezogen, die derzeit mit den notwendigen Geräten ausgestattet werden.

Daneben haben sie sich auch betriebswirtschaftlich weitergebildet und die Erfahrung gemacht, dass eine solche Ausgründung nicht ohne die Unterstützung vieler Partner gelingen kann: "Die Unterstützung, die wir im Forschungszentrum für unser Projekt erfahren, ist uns eine große Hilfe. Besonders hervorheben möchten wir die Unterstützung durch die Institutsleitung und die Kolleginnen und Kollegen der Abteilung Technologietransfer (T) sowie des Projektträgers Jülich (PTJ)", sind sich Stephan Binder und Georg Schaumann einig.

Weitere Informationen:

Institut für Bio- und Geowissenschaften – Biotechnologie (IBG-1)

Weitere Meldungen zum Thema:

"Helmholtz Enterprise" unterstützt Ausgründung aus dem IBG-1

GO-Bio: Jülicher Biotech-Ausgründung erhält 2,6 Mio. Euro

Ansprechpartner:

Dr. Georg Schaumann
Institut für Bio- und Geowissenschaften – Biotechnologie (IBG-1)
Tel.: +49 2461 61-5529
E-Mail: g.schaumann@fz-juelich.de

Dr. Stephan Binder
Institut für Bio- und Geowissenschaften – Biotechnologie (IBG-1)
Tel.: +49 2461 61-5169
E-Mail: s.binder@fz-juelich.de

Pressekontakt:

Jochen Mohr
Tel.: +49 2461 61-2062
E-Mail: jo.mohr@fz-juelich.de

Jochen Mohr | Forschungszentrum Jülich

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Neues Helmholtz-Institut in Würzburg erforscht Infektionen auf genetischer Ebene
24.05.2017 | Hermann von Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren

nachricht CRTD erhält 1.56 Millionen Euro BMBF-Förderung für Forschung zu degenerativen Netzhauterkrankungen
24.05.2017 | DFG-Forschungszentrum für Regenerative Therapien TU Dresden

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten