Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit Coli-Bakterien gegen Influenza

23.09.2015

Studierende der Universität Hamburg im Finale des internationalen iGEM-Wettbewerbs für synthetische Biologie

Ein Team von Studierenden der Universität Hamburg nimmt am Finale des International Genetically Engineered Machine (iGEM)-Wettbewerbs am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in den USA teil. Bei dem studentischen Forschungswettbewerb für synthetische Biologie treffen die Hamburger Studierenden vom 24. bis 28. September auf internationale Konkurrenz aus vier Kontinenten.


Zehn Studierende der Universität Hamburg entwickeln einen Wirkstoff gegen Influenza-Viren.

UHH/iGEM-Team Flu Fighters

Es ist das erste Mal, dass eine norddeutsche Universität im Finale des Wettbewerbs vertreten ist. Die Nachwuchsforscherinnen und -forscher aus Hamburg entwickeln einen Wirkstoff gegen das Influenza-A-Virus, das große Grippewellen verursachen kann. Dabei greifen sie auf Erkenntnisse der traditionellen chinesischen Medizin zurück.

In Ostasien schwört man bei Influenza-Infektionen seit Jahrhunderten auf einen bitteren Sud aus getrockneten Blättern des Japanischen Geißblattes, einem ursprünglich in Japan, China und Korea beheimateten Strauch.

Vor kurzem gelang es Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus China, die antivirale Kraft der Pflanze zu entschlüsseln: Demnach steckt die gesamte Wirkung in der microRNA (miRNA) 2911, einer kurzen, nichtcodierenden Nukleinsäure. miRNA wird nicht in Proteine übersetzt, sondern erfüllt wichtige Aufgaben bei der Steuerung grundlegender biologischer Prozesse und fungiert als eine Art Schalter bei der Übersetzung der genetischen Information.

Die zehn Hamburger Studierenden der Biowissenschaften, Bioinformatik und Nanowissenschaften entwickelten eine Idee, diese miRNA molekularbiologisch in einem für den Menschen harmlosen Stamm von Escherichia coli-Bakterien herzustellen, die unter anderem im menschlichen Darm vorkommen. Die Produktion der miRNA wird gezielt durch Licht ausgelöst.

Sobald die Bakterien genug miRNA produziert haben, regt ein Hitzeimpuls ihren Zerfall an und sie geben die miRNA frei, die dann die Vermehrung der Influenza-Viren deaktivieren kann. Nach diesem Prinzip wäre es zum Beispiel denkbar, dass bei Influenza-Infektionen die getrockneten Bakterien, die die miRNA enthalten, zum Tee zugegeben werden. Das heiße Wasser gibt dabei den Hitzeimpuls, zerstört die Bakterien und setzt die miRNA frei. Beim Genuss eines heißen Tees würden so auch die Influenza-Viren deaktiviert werden.

Das Projekt liegt vom Entwurf der Idee bis zur experimentellen Ausführung und Akquise der Finanzmittel vollständig in den Händen der Studierenden, die sich den Team-Namen „Flu Fighters“ gegeben haben. Betreut werden sie von Prof. Dr. Zoya Ignatova vom Institut für Biochemie und Molekularbiologie der Universität Hamburg.

Der iGEM-Wettbewerb findet seit 2003 jährlich statt. Dabei entwickeln studentische Teams weltweit neue Lösungen für oft alltägliche Probleme mithilfe der synthetischen Biologie, einer fächerübergreifenden Disziplin der biowissenschaftlichen Forschung im Grenzbereich von Biologie, Chemie, Physik, Mathematik und Ethik. In diesem Jahr nehmen 280 Teams am iGEM-Wettbewerb teil.

Für Rückfragen:

Prof. Dr. Zoya Ignatova
Universität Hamburg
Institut für Biochemie und Molekularbiologie
Tel.: 040 42838-2332
E-Mail: zoya.ignatova@chemie.uni-hamburg.de

Andreas Czech
Universität Hamburg
Institut für Biochemie und Molekularbiologie
Tel.: 040 42838-4513
E-Mail: andreas.czech@chemie.uni-hamburg.de

Birgit Kruse | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Über 1,6 Millionen Euro für Forschung im Bereich Innovative Materialien und Werkstofftechnologie
17.05.2017 | Hochschule Osnabrück

nachricht MHH-Forscher beleben Narbengewebe in der Leber wieder
16.05.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Im Focus: Neuer Ionisationsweg in molekularem Wasserstoff identifiziert

„Wackelndes“ Molekül schüttelt Elektron ab

Wie reagiert molekularer Wasserstoff auf Beschuss mit intensiven ultrakurzen Laserpulsen? Forscher am Heidelberger MPI für Kernphysik haben neben bekannten...

Im Focus: Wafer-thin Magnetic Materials Developed for Future Quantum Technologies

Two-dimensional magnetic structures are regarded as a promising material for new types of data storage, since the magnetic properties of individual molecular building blocks can be investigated and modified. For the first time, researchers have now produced a wafer-thin ferrimagnet, in which molecules with different magnetic centers arrange themselves on a gold surface to form a checkerboard pattern. Scientists at the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel and the Paul Scherrer Institute published their findings in the journal Nature Communications.

Ferrimagnets are composed of two centers which are magnetized at different strengths and point in opposing directions. Two-dimensional, quasi-flat ferrimagnets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungen

Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloquium 2017: Internet of Production für agile Unternehmen

23.05.2017 | Veranstaltungen

14. Dortmunder MST-Konferenz zeigt individualisierte Gesundheitslösungen mit Mikro- und Nanotechnik

22.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Medikamente aus der CLOUD: Neuer Standard für die Suche nach Wirkstoffkombinationen

23.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungsnachrichten

CAST-Projekt setzt Dunkler Materie neue Grenzen

23.05.2017 | Physik Astronomie