Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ministerium fördert telemedizinisches Reha-Projekt in der Alterstraumatologie am Uniklinikum Aachen

11.07.2012
Ältere Menschen haben nach Knochenbrüchen erhebliche Probleme, wieder fit zu werden. Das Telemedizin-Projekt „TIRA“ (steht für: Telemedizinische intersektorale Rehabilitationsplanung in der Alterstraumatologie) aus dem Uniklinikum Aachen soll den Genesungs- und Rehabilitationsprozess für diese Patientengruppe beschleunigen und optimieren.
Die Entwicklung wird vom Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter in NRW mit 1,6 Millionen Euro gefördert. Zusammen mit dem Telemedizinischen Rettungsassistenzsystem TEMRAS und der intensivmedizinischen Telematik TIM sowie der telemedizinischen Herz-Ambulanz ist auf diesem Zukunftssektor mit TIRA eine weitere Säule am UKA entstanden.

Unsere Gesellschaft wird älter und kränker. 2012 waren 12,4 Millionen Bürger über 70 Jahre alt, 2030 sollen es fast 20 Millionen sein. Im Alter verringern sich Kraft, Wahrnehmung und Koordination. Dadurch stürzen ältere Menschen sehr viel häufiger und erleiden in der Folge Knochenbrüche, die umfassende Therapie und Diagnostik erfordern. Problematisch bei älteren Patienten: Sie haben oft mehrere gravierende Erkrankungen. Univ.-Prof. Hans-Christian Pape, Direktor der Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie am Universitätsklinikum Aachen, erläutert die Problematik: „Bei unseren älteren Patienten sind die Verletzungen oft schwer und die Eingriffe groß, gleichzeitig haben diese Menschen häufig noch andere gravierende Erkrankungen.“

Mit dem Telemedizin-Projekt „TIRA“ am Aachener Uniklinikum soll nun eine wesentliche Verbesserung in der Behandlung und Rehabilitation dieser Patientengruppen erreicht werden. Kern ist dabei die bessere Verknüpfung von Akut- und Rehabilitationsbehandlung, gerade im Hinblick auf eine individualisierte Planung der Reha. Um dies zu erreichen, kooperiert das Uniklinikum mit zwei Projektpartnern, der Reha-Klinik Schwertbad und dem Haus Cadenbach im Aachener Luisenhospital. Besondere Berücksichtigung erfahren dabei die individuellen Ansprüche und Fähigkeiten des Einzelnen schon vor der Verlegung und eine verbesserte interdisziplinäre Zusammenarbeit von Rehabilitations- und Akutmedizinern im Verlauf der Behandlung der oft multifaktoriell behandlungsbedürftigen Patienten.

„Besonders großen Wert legen wir auf die enge zeitliche und inhaltliche Vernetzung der Behandler, dies wird durch unser telemedizinische Projekt ‚TIRA’ ermöglicht“, sagt Prof. Pape. Oftmals seien Akut- und Reha-Kliniken weit voneinander entfernt, der Dialog zwischen Akut- und Reha-Ärzten deshalb deutlich ausbaufähig. „Gerade bei älteren Patienten kommt es viel häufiger zu Rückverlegungen und Wiedervorstellungen in Akutkliniken, die häufig durch telemedizinische Kooperation vermieden werden können“, erläutert Pape.

Im Telemedizinzentrum am UKA wird der individuelle Patient digital erfasst, seine Informationen werden auf diese Weise für seine Behandler transparenter, die medizinische Kooperation innerhalb der Versorgungskette optimiert. Basis ist die sogenannte EFA, die elektronische Fallakte. In ihr speichern behandelnde Ärzte alle relevanten Daten wie Befunde, OP-Berichte, Röntgenbilder, komplexe Verlaufskurven und vieles mehr. Die EFA wiederum kann – eine entsprechende Berechtigung vorausgesetzt – an fast jedem beliebigen Ort weltweit gelesen werden. So lassen sich andere Krankenhäuser oder auch Reha-Einrichtungen relativ einfach und effizient einbinden. Mit wenigen Klicks können selbst weit voneinander entfernte Ärzte in Kontakt treten, über einen Patienten konferieren und gleichzeitig seine aktuelle Krankenakte einsehen.
Optimierte Kooperation: Mit einem Klick den Patienten im Blick

Prof. Pape möchte diese etablierte und gut funktionierende Technik nutzen, um gemeinsam mit Reha-Koooperationspartnern (Luisenhospital Aachen/Haus Cadenbach und die Reha-Klinik Schwertbad) Behandlung und Rehabilitation älterer Patienten deutlich zu optimieren. Es bietet die Möglichkeit des beiderseitigen Kontaktes ohne längere Reisewege.

Gleichzeitig kann schon im Krankenhaus der optimale Reha-Aufenthalt für den Patienten von Chirurg und Rehabilitationsmediziner gemeinsam geplant werden. Kommt es während der Reha-Aufenthaltes zu Komplikationen, ist der Arzt aus dem Krankenhaus schnell zur Hand: Im Zweifel ist die telemedizinische Konsultation per Videokonferenz und gemeinsamem Einblick in die Krankenakte nur ein paar Klicks mit der Computermaus entfernt, bei Bedarf kann der Arzt im Reha-Haus mit einem Videowagen den Patienten aufsuchen – der Arzt im Uniklinikum schaut ihm dann bei der Untersuchung des Patienten digital über die Schulter und kann dem Patienten sogar Fragen stellen.

Auf diese Weise soll die Rehabilitationsbehandlung optimiert werden, um das Bedürfnis der Patientinnen und Patienten nach einer möglichst optimalen Wiederherstellung ihrer Mobilität besser erfüllen zu können. Die Lösung soll auch für andere Felder der medizinischen Anschlussheilbehandlung nutzbar sein, um eine weitere Verbreitung zu ermöglichen.

Felix Lennertz | idw
Weitere Informationen:
http://www.ukaachen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro
24.03.2017 | Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg

nachricht TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro
24.03.2017 | Technische Universität Kaiserslautern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise