Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Millionenförderung für Mainzer Polymerforschung

27.09.2013
Zwei ERC Advanced Grants für Direktoren des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung

Der Europäische Forschungsrat (ERC) fördert mit Professor Hans-Jürgen Butt und Professor Kurt Kremer gleich zwei Direktoren des Max-Planck-Institutes für Polymerforschung (MPI-P) in Mainz mit jeweils einem ERC Advanced Grant. Das gab die von der EU-Kommission getragene Institution am 26.9.2013 in Brüssel bekannt.

Beide erhalten für die kommenden fünf Jahre Forschungsgelder in Höhe von circa 2,5 Millionen Euro sowie 2 Millionen Euro. Der ERC Advanced Grant richtet sich im Gegensatz zu anderen Förderlinien des Forschungsrates an etablierte Spitzenforscher und dient dazu, mit neuen ambitionierten wissenschaftlichen Vorhaben bisher wenig oder nicht beachtete aber wegweisende Forschungsthemen zu erschließen. Sowohl Butt als auch Kremer genießen auf ihren Fachgebieten in der Wissenschaftsgemeinschaft einen ausgezeichneten Ruf.

Die Physik der Grenzflächen ist das zentrale Forschungsthema von Direktor Hans-Jürgen Butt. Seit 2002 leitet er den gleichnamigen 65-köpfigen Arbeitskreis am MPI-P. Die Wissenschaftler untersuchen mit optischen und mechanischen Methoden, wie Stoffe sich an ihren räumlichen Grenzen zueinander verhalten, welche Rückschlüsse das auf ihre Funktionen zulässt und welche Gesetzmäßigkeiten sich daraus ableiten lassen. Im Jahr 2011 gelang es Butt und seinem Team erstmals überhaupt superamphiphobe Oberflächen zu gewinnen, an denen sämtliche Flüssigkeiten -auch stark benetzende wie Öl oder Blut- abperlen, ohne Spuren zu hinterlassen.

Verantwortlich dafür ist ihre Nanostruktur, die der von Kerzenruß nachempfunden ist. Sie besteht aus kleinsten, nur unter dem Elektronenmikroskop sichtbaren Kügelchen. Die Physiker um Butt arbeiten daraufhin, dieses Prinzip auf neue Anwendungen auszudehnen. Erfolgreich experimentiert wurde bereits mit Membranen. Deren Oberflächenbeschaffenheit prädestiniert sie für Filter, die Gase wie CO2 von Flüssigkeiten trennen.

Der effiziente Gasaustausch durch solche Membranen ermöglicht auch die hochkonzentrierte Anreicherung von Sauerstoff in Blut. Lebensrettende Herz-Lungen-Maschinen könnten damit leistungsfähiger arbeiten. "Der ERC Grant gibt uns die Möglichkeit, fundamentale physikalische Gesetzmäßigkeiten zu untersuchen, die technische Entwicklungen bisher hemmen," sagt Hans-Jürgen Butt. "Wir Physiker kennen uns genau mit atomaren Strukturen aus, aber sind immer noch weit davon entfernt zu verstehen, wie sich Flüssigkeiten auf Oberflächen wirklich verhalten."

Professor Kurt Kremer widmet sich seit 1995 als Direktor am MPI-P der theoretischen, insbesondere computergestützten Erforschung der physikalischen Merkmale weich kondensierter Materie. Hierbei handelt es sich um eine Klasse von organischen Materialien, die sich oft nicht eindeutig als fest oder flüssig definieren lassen. Die Bandbreite der Untersuchungsobjekte reicht von Polymernetzwerken über Gele und biologischen Polymeren bis hin zur organischen Elektronik. Anhand von computerbasierten Simulationen und Modellberechnungen können die Mitglieder von Kremers Arbeitskreis "Theorie der Polymere" das Verhalten und die Eigenschaften von Materialien prognostizieren.

Die große Herausforderung besteht darin, exakte Vorhersagen für dynamische Prozesse in Zuständen des Nichtgleichgewichts, etwa Kristallisationsvorgänge, zu treffen. Mit diesen Ergebnissen lassen sich dann Eigenschaften neuer Materialien gezielt vorhersagen und Herstellungsprozesse vorschlagen. Der ERC fördert nun Kurt Kremers langfristiges Ziel, ein integriertes Simulationsinstrument zu entwickeln.

Dieses Instrument soll Aussagen über mehrere Größenordnungen von den chemischen Bausteinen bis hin zum Verhalten ganzer makromolekularer Systeme im Nichtgleichgewicht zulassen. Solch eine Methode wäre für das Materialdesign der Zukunft ein fundamentales Werkzeug.

Die nun bekanntgegebene Förderentscheidung des Europäischen Forschungsrates gibt einen Hinweis auf das Potenzial und ist zugleich Wertschätzung für die am MPI-P betriebene Grundlagenforschung.

Max-Planck-Institut für Polymerforschung

Das 1984 gegründete Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPI-P) zählt zu den international führenden Forschungszentren auf dem Gebiet der Polymerwissenschaft. Durch die Fokussierung auf so genannte weiche Materie und makromolekulare Materialien ist das Max-Planck-Institut für Polymerforschung mit seiner Forschungsausrichtung weltweit einzigartig. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem In- und Ausland arbeiten im Rahmen der Grundlagenforschung an der Synthese und Charakterisierung von Polymeren und der Untersuchung ihrer physikalischen und chemischen Eigenschaften. Anfang 2013 sind insgesamt 551 Personen am MPI-P beschäftigt: Die Belegschaft setzte sich aus 112 Wissenschaftlern, 173 Doktoranden und Diplomanden, 71 Gastwissenschaftlern und 195 technischen und Verwaltungsangestellten sowie Hilfskräften zusammen.

Stephan Imhof | idw
Weitere Informationen:
http://www.mpip-mainz.mpg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Bund fördert Entwicklung sicherer Schnellladetechnik für Hochleistungsbatterien mit 2,5 Millionen
06.12.2016 | Technische Universität Clausthal

nachricht Fraunhofer WKI koordiniert vom BMEL geförderten Forschungsverbund zu Zusatznutzen von Dämmstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen
05.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Holzforschung - Wilhelm-Klauditz-Institut WKI

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Das Universum enthält weniger Materie als gedacht

07.12.2016 | Physik Astronomie

Partnerschaft auf Abstand: tiefgekühlte Helium-Moleküle

07.12.2016 | Physik Astronomie

Bakterien aus dem Blut «ziehen»

07.12.2016 | Biowissenschaften Chemie