Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Millionenförderung für neue Roboter

27.01.2015

Forscher der Universität Bonn haben bei der ersten Robotik-Ausschreibung im Programm Horizon 2020 der Europäischen Union erfolgreich Forschungsfördermittel in Millionenhöhe eingeworben. Im von Prof. Dr. Sven Behnke vom Institut für Informatik VI koordinierten Projekt „Centauro“ wird ein humanoider Roboter entwickelt, der in für Menschen gefährlichen Umgebungen als Helfer eingesetzt werden soll. Prof. Dr. Cyrill Stachniss aus der Photogrammetrie der Universität Bonn ist an zwei weiteren geförderten Forschungsprojekten für Industrie und Landwirtschaft beteiligt.

Die Europäische Union fördert das Projekt „Centauro“ in den nächsten vier Jahren mit rund 4,1 Millionen Euro. Der Roboter erinnert in der Tat an einen Zentaur: Kopf, Oberkörper und Arme sehen einem Menschen sehr ähnlich, darunter befindet sich eine Art Pferderumpf.


Designstudie des Centauro-Roboters.

(c) Foto: RWTH Aachen

Mit ihren vier Beinen soll sich die Maschine auch in Schuttflächen und auf sonst sehr unzugänglichem Terrain fortbewegen können. „Überall, wo es in Katastrophensituationen für Menschen zu gefährlich ist, soll der Centauro-Roboter Einsatzkräfte unterstützen“, sagt Prof. Dr. Sven Behnke, Leiter des Instituts für Informatik VI und der Arbeitsgruppe Autonome Intelligente Systeme, der das Vorhaben koordiniert.

Der Roboter vollzieht eins zu eins die Bewegungen des Menschen nach

Hinsichtlich seiner Größe und seiner handwerklichen Fähigkeiten soll Centauro dem Menschen in nichts nachstehen: Zum Beispiel für die Entnahme von Proben, für die Reparatur defekter Anlagen oder für die Bergung wichtiger Gegenstände soll der Roboter ganz normale Werkzeuge gebrauchen können.

Geplant ist, dass die Steuerung durch Personen erfolgt, die sich außerhalb der Gefahrenzone befinden. Mit Hilfe geballter Computertechnik soll die Person, welche die Maschine lenkt, in die Einsatzumgebung vor Ort versetzt werden: Über eine Datenbrille sind in Echtzeit Bilder und Töne von der Katastrophenstelle zu sehen und zu hören.

Mit einem Ganzkörperanzug, einem so genannten Exoskelett, werden nach den Plänen zum Beispiel die Armbewegungen des Menschen beim Geräteeinsatz eins zu eins auf den Roboter übertragen. Wenn also die Bedienungsperson im Kontrollraum eine Bewegung zum Lösen einer Schraube ausführt, tut dies gleichzeitig auch Centauro. Umgekehrt können über dieses Exoskelett Kräfte übertragen werden. Der Mensch fühlt dann zum Beispiel genauso, wie fest eine verrostete Schraube sitzt, wie der sich vor Ort damit abmühende Roboter.

„Eine große Herausforderung ist es, detaillierte Modelle der Einsatzumgebung aus den Messungen der Robotersensoren zu erstellen“, sagt Prof. Behnke. Außerdem sei angesichts der zahlreichen Robotergelenke die Generierung komplexer Bewegungsabläufe in Echtzeit schwierig. Nicht zuletzt müsse erforscht werden, wie Mensch und Roboter effizient im Team zusammenarbeiten.

Die Forschergruppe der Universität Bonn, die bereits bei zahlreichen Fußball- und Serviceroboter-Weltmeisterschaften gesiegt hat, stellt ihre Erfahrungen vor allem für die Entwicklung der selbständigen Fortbewegung und der Fingerfertigkeit von Centauro zur Verfügung. An dem von der EU geförderten Vorhaben sind sieben weitere Projektpartner aus Deutschland, Italien und Schweden beteiligt.

Universität Bonn ist an weiteren Roboterprojekten beteiligt

Der Lehrstuhl von Prof. Dr. Cyrill Stachniss vom Institut für Geodäsie und Geoinformation der Universität Bonn ist zudem an zwei weiteren von der EU mit insgesamt neun Millionen Euro geförderten Roboterprojekten beteiligt. Ziel des Projekts „Flourish“ unter Federführung der ETH Zürich ist die Entwicklung neuer Boden- und Flugroboter für die Automatisierung in der Landwirtschaft.

Die Abteilung für Photogrammetrie erforscht dabei neue Techniken zur schnellen Identifikation von Nutzpflanzen aus Kamerabildern etwa für die mechanische Unkrautbekämpfung durch Roboter. Im Projekt „RobDREAM“, das von der KUKA Laboratories GmbH koordiniert wird, geht es um die Entwicklung neuer Verfahren zur Optimierung mobiler Manipulationsroboter in der Industrie.

Kontakt für die Medien:

Prof. Dr. Sven Behnke
Institut für Informatik VI
Arbeitsgruppe Autonome Intelligente Systeme
Tel. 0228/734116
E-Mail: behnke@cs.uni-bonn.de

Prof. Dr. Cyrill Stachniss
Institut für Geodäsie und Geoinformation
Lehrstuhl für Photogrammetrie
Tel. 0228/732713
E-Mail: cyrill.stachniss@igg.uni-bonn.de

Weitere Informationen:

http://www.centauro-project.eu Informationen zum Centauro-Projekt im Internet

Johannes Seiler | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Bund fördert Entwicklung sicherer Schnellladetechnik für Hochleistungsbatterien mit 2,5 Millionen
06.12.2016 | Technische Universität Clausthal

nachricht Fraunhofer WKI koordiniert vom BMEL geförderten Forschungsverbund zu Zusatznutzen von Dämmstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen
05.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Holzforschung - Wilhelm-Klauditz-Institut WKI

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie