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Eine Million für die klinische Forschung

05.05.2011
Junge Ärzte für die klinische Forschung fit machen: Darauf zielt die Else-Kröner-Fresenius-Stiftung mit ihren neuartigen Forschungskollegs ab. Erstmals werden jetzt drei solche Kollegs eingerichtet und mit je einer Million Euro gefördert – an den Universitätskliniken in Würzburg, Ulm und Bonn.

Große Freude bei den Wissenschaftlern an der Würzburger Uniklinik: Gegen eine starke Konkurrenz von 54 anderen Bewerbern haben sie sich mit ihrem Antrag auf ein Forschungskolleg bei der Else-Kröner-Fresenius-Stiftung durchgesetzt. Jetzt gehören sie zu den Gewinnern. Sie erhalten in den kommenden drei Jahren eine Million Euro, um hoch qualifizierte junge Ärztinnen und Ärzte zu fördern.

Das wissenschaftliche Thema des Würzburger Kollegs ist die Regulation des Immunsystems. Warum versagt das Abwehrsystem des Körpers bei Krebs- und Infektionserkrankungen. Was lässt sich dagegen tun? Wie löst das Immunsystem Krankheiten aus, wie reagiert es nach Transplantationen? Auf diesen Gebieten sollen Mediziner, die am Anfang ihrer Facharztausbildung stehen, in dem Forschungskolleg kliniknah und wissenschaftsorientiert arbeiten.

„Fachübergreifend soll bei den Kollegiaten das Bewusstsein dafür geschärft werden, dass immunologische Prozesse bei verschiedensten Krankheitsbildern, auch bei Herz-Kreislauf- oder Stoffwechselerkrankungen, eine bedeutende Rolle spielen können“, sagt Forschungsgruppenleiter Dr. Andreas Beilhack von der Medizinischen Klinik II, der das neue Kolleg koordiniert.

Ablauf der Ausbildung im Forschungskolleg

„Mit der Förderung durch die Stiftung können wir für drei Jahre acht junge Ärzte aufnehmen“, so Beilhack. Die Stellen werden Anfang Sommer international ausgeschrieben. Im ersten Jahr ihrer Ausbildung sollen die Kollegiaten ausschließlich forschen, in den folgenden zwei Jahren auch in der Klinik tätig sein. Zusätzlich bekommen sie Seminare und andere Trainings auf dem Gebiet der klinischen Forschung.

Die Kollegiaten sollen auch lernen, wie man klinische Studien durchführt – wie also die korrekte Vorgehensweise aussieht, wenn erstmals neue Medikamente an Menschen getestet werden. Im Kolleg haben sie zudem die Möglichkeit, sich zu so genannten Prüfärzten ausbilden zu lassen – nur Mediziner mit dieser Qualifikation dürfen klinische Studien durchführen.

Mehrere Fächer wirken am Kolleg mit

„Ob Allergien, Autoimmunerkrankungen, Organ- und Stammzelltransplantationen oder Krebsleiden: Beim klinischen Umgang mit immunologischen Problemstellungen kann man von einem Austausch zwischen den Fachrichtungen enorm profitieren“, betont Privatdozent Dr. Jörg Wischhusen von der Frauenklinik, Sprecher des Forschungskollegs.

Um diesen interdisziplinären Austausch zu gewährleisten, werden sich Betreuer und Mentoren aus fünf Kliniken und drei Instituten um die Würzburger Else-Kröner-Kollegiaten kümmern. Die Führung liegt beim Interdisziplinären Zentrum für Klinische Forschung.

Passendes Umfeld in Würzburg

Würzburg bietet den Kollegiaten ein sehr gutes Umfeld: Immunologie, Infektionserkrankungen und Krebs bilden hier wichtige Schwerpunkte. Naturwissenschaftler und Mediziner aus Universität und Uniklinikum entwickeln gemeinsam neue therapeutische Antikörper und Konzepte für die Immuntherapie. „Große Erfolge wurden in Würzburg jüngst bei der Behandlung von Krebspatienten mit dem bispezifischen T-Zell-rekrutierenden Antikörper Blinatumomab erzielt“, so Beilhack.

Wichtig für solche Erfolge sei auch das Klinische Studienzentrum „Early Clinical Trial Unit“. Dort dürfen neue Wirksubstanzen erstmals an Patienten erprobt werden, bei denen alle anderen Therapien keinen Erfolg bringen. Die Würzburger Unit ist die erste Einrichtung dieser Art in Deutschland.

Else-Kröner-Stiftung über die Forschungskollegs

Die Else-Kröner-Stiftung sieht ihre Forschungskollegs als neues Strukturelement in der deutschen Hochschulmedizin, heißt es in einer Pressemitteilung. Leitbild sei der „Clinician Scientist“, der eine Brücke zwischen grundlagenorientierter Forschung und klinischer Anwendung schlägt und so wichtige Voraussetzungen für die Medizin der Zukunft schafft, sagt Dr. Susanne Schultz-Hector, Vorstandsmitglied der Stiftung.

Die Else-Kröner-Fresenius-Stiftung wurde 1983 von Else Kröner (1925-1988) gegründet. Die gemeinnützige Stiftung fördert die klinisch orientierte biomedizinische Forschung und medizinisch-humanitäre Hilfsprojekte. Bis heute hat sie an die 900 Projekte mit insgesamt rund 100 Millionen Euro unterstützt.

Kontakt

PD Dr. Jörg Wischhusen, Sprecher des Forschungskollegs „Immunkontrolle“, T (0931) 201-25291, wischhusen_j@klinik.uni-wuerzburg.de

Dr. Andreas Beilhack, Koordinator des Forschungskollegs, T (0931) 201-44040, beilhack_a@klinik.uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de

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