Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Menschliche Landnutzung treibt Veränderungen der Böden voran

22.04.2014

Rostocker Forschungsprojekt zu Bodenkrusten wird durch Deutsche Forschungsgemeinschaft gefördert

Der Biologe Professor Ulf Karsten vom Institut für Biowissenschaften und der Bodenkundler Professor Peter Leinweber von der Agrar-und Umweltwissenschaftlichen Fakultät der Universität Rostock haben einen „großen Fisch“ an Land gezogen.

Sie sind durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) geadelt worden und nun eingebunden in das nationale Schwerpunktprogramm (SPP 1374 - Biodiversitäts-Exploratorien) zur Biodiversitätsforschung. Das bedeutet für Rostock im Klartext: 500.000 Euro Forschungsgeld, das zwei neue Stellen ermöglicht und eine gute Ausstattung für Feldarbeit und Analysen im Labor.

„Wir starten mit unseren Forschungen im Mai, sammeln zunächst in der Schorfheide biologische Bodenkrusten, die dann in Rostock untersucht werden“, skizziert Prof. Karsten. Biodiversitätsforschung ist ein junges interdisziplinäres Wissenschaftsgebiet, dessen Forschungsaufgaben nur in langfristigen Ansätzen lösbar sind. Die DFG fördert hier seit einiger Zeit neben etlichen Einzelvorhaben auch eine Anzahl größerer Forschungsverbünde, eingeschlossen die Forschungsplattform Biodiversitätsexploratorien.

Biodiversitätsforschung entspricht der Verpflichtung, die Deutschland durch die Unterzeichnung der Biodiversitätskonvention (CBD) eingegangen ist.

In den 2006 gegründeten Biodiversitäts-Exploratorien sollen die Wechselwirkungen zwischen Veränderungen in der Artenvielfalt und der Intensität der Landnutzung sowie die Folgen dieser Veränderungen für Ökosystemprozesse untersucht werden. Dazu wurden drei Gebiete ausgesucht, das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin (Brandenburg), die Region Hainich-Dün mit dem Weltnaturerbe Nationalpark (Thüringen) und die Schwäbische Alb (Baden-Württemberg).

In jedem der Gebiete wurden je 50 Untersuchungsflächen im Wald und 50 im Grünland entlang eines Landnutzungsgradienten sowie eine meteorologische Station eingerichtet. Die Flächen sind also mit zahlreichen Messinstrumenten ausgestattet, um eine möglichst große Zahl von Ökosystemfunktionen erfassen zu können.

Das Besondere der zwei Rostocker Forscher: Professor Leinweber und Prof. Karsten sind deutschlandweit geachtete Spezialisten für Bodenkrusten . Zu diesem Thema haben sie innerhalb der Uni Rostock über die Interdisziplinäre Fakultät im Departement maritime Systeme über den eigenen Tellerrand hinaus geblickt und sich fachlich als Team für das herausfordernde Thema fit gemacht. Biologische Bodenkrusten sind Pionier-Gemeinschaften, die in allen Klimazonen und auf allen Kontinenten der Erde vorkommen, speziell dort, wo die Bodenfeuchte als limitierender Faktor wirkt.

Diese Gemeinschaften bestehen meist aus Bakterien, Algen, Pilzen und Flechten. Neuere Daten zeigen, dass ca. 50 Prozent der weltweiten biologischen Stickstofffixierung an Land über biologische Bodenkrusten realisiert werden, wodurch die Böden quasi „gedüngt“ werden. „Bodenkrusten spielen beispielsweise in den australischen Trockengebieten eine große Rolle“, sagt Prof. Karsten. Das Phänomen: Auf den Krusten bilden sich Gräser aus, die saftiger und kräftiger sind als anderswo. Da lässt sich viel nachhaltiger Viehhaltung in Trockengebieten durchführen. „Zu diesem Thema gibt es noch viele Fragen“, sagt Prof. Leinweber.

„Deshalb untersuchen wir die Wechselwirkungen in Ökosystemen und gehen der Frage nach, welche Auswirkungen der globale Wandel und die Beanspruchung durch den Menschen auf diese hochkomplexen Gefüge haben. Die menschliche Landnutzung ist der Haupttreiber aktueller Veränderungen der Böden“, sagt Prof. Karsten. So würden die Nährstoffkreisläufe sowie viele weitere Ökosysteme stark beeinflusst. Bislang sei weitgehend unbekannt, inwieweit unterschiedliche Organismen eine ähnliche Reaktion auf menschliche Landnutzung zeigen und ebenso ist unklar, wie dies verschiedene, oft miteinander wechselwirkende Ökosysteme beeinflussen“, steht unisono für Leinweber und Karsten fest.

Biodiversität gehört zu unseren wichtigsten Lebensgrundlagen. Die Vielfalt der Organismen und ihre Wechselwirkungen halten die uns umgebende Natur – die Ökosysteme – gesund und leistungsfähig. Sie sorgt dafür, dass wir sauberes Wasser, fruchtbaren Boden und reine Luft haben, und sie schafft die Voraussetzungen für eine nachhaltige Nutzung von Böden und Gewässern.

Schon 2035, so sagen Wissenschaftler voraus, wird der Rohstoff Phosphor im Boden nicht mehr ausreichend zur Verfügung stehen. Doch Phosphor ist für alle Lebewesen ein essenzielles Nährelement und in der Landwirtschaft mitverantwortlich für das Pflanzenwachstum. Aufgrund der weltweit begrenzten Phosphor-Vorkommen wird schon ab etwa 2035 global die Nachfrage das Angebot an Phosphor-Mineralen übersteigen. Die daraus folgende Verknappung kann die weltweite Lebensmittelproduktion bedrohen.

Prof. Leinweber ist ein Pionier der Phosphorforschung. „Der Charme des Projektes ist es, dass wir diese Forschung jetzt mit vielen externen Partnern und auch über den neugegründeten WissenschaftsCampus Rostock Phosphorforschung vertiefen können“. Da sei eben eine interdisziplinare Herangehensweise in der Forschung unumgänglich, sagt Prof. Dr. Peter Leinweber. Doch wie entsteht die Vielfalt der Organismen? Wie funktionieren Ökosysteme und was geschieht, wenn – zum Beispiel durch das Sterben von Arten oder den Klimawandel – das Gleichgewicht in diesen Systemen gestört wird? Antworten auf solche Fragen sucht die Biodiversitätsforschung. Text: Wolfgang Thiel

Universität Rostock
Institut für Biowissenschaften
Prof. Dr. Ulf Karsten
T: 0381 498 6090
Mail: ulf.karsten@uni-rostock.de

Universität Rostock
Agrar- und Umweltwissenschaftliche Fakultät
Prof. Dr. Peter Leinweber
T: 0381 498 3120
Mail: peter.leinweber@uni-rostock.de

Ingrid Rieck | Universität Rostock
Weitere Informationen:
http://www.uni-rostock.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet
02.12.2016 | Universität zu Lübeck

nachricht Ohne erhöhtes Blutungsrisiko: Schlaganfall innovativ therapieren
02.12.2016 | Universität Duisburg-Essen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie