Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mehr als eine Million Euro zur Verbesserung der neurowissenschaftlichen Forschung

18.05.2009
Die Europäische Union fördert im 7. Forschungsrahmenprogramm fünf Arbeitsgruppen des Forschungsverbundes Neurowissenschaften an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald.

Ihm Rahmen des internationalen Projektes Improvement of the research competitiveness in neuroscience at the Ernst-Moritz-Arndt-University of Greifswald wollen Wissenschaftler der Universität Greifswald unter anderem herausfinden, welche Zellstrukturen in der Regenerationsphase des Gehirns nach einem Schlaganfall eine Rolle spielen. Hintergrund für das Vorhaben ist die Erkenntnis, dass Hirnzellen auch nach einem Schlaganfall wieder wachsen können. Insgesamt wurden rund eine Million Euro bewilligt.

Schlaganfall ist die dritthäufigste Todesursache und die häufigste Ursache von Behinderung in unserer Gesellschaft. In Deutschland erleiden jedes Jahr rund 150.000 Menschen einen Schlaganfall. Die Folgen sind häufig eine dauerhafte Behinderung; die Patienten sind für den Rest ihres Lebens teilweise oder ständig auf fremde Hilfe angewiesen. Die Rehabilitation nach einem Schlaganfall ist sehr schwierig.

"Aus diesem Grund interessieren uns die Faktoren, die wichtig sind, damit sich das geschädigte Gehirn des Patienten erholt und seine Funktion weitgehend wiedererlangt. In einem ersten Projekt des Labors Molekulare Neurobiologie an der Neurologischen Universitätsklinik wird in einem Tiermodell untersucht, wie das Gehirn nach einem Schlaganfall im Rahmen regenerativer Vorgänge seine Funktion wiedererlangt. Im zweiten Teilprojekt untersuchen wir, wie mit Hilfe von Stammzellen zerstörtes Gewebe wieder ergänzt werden kann", erklärt Prof. Dr. Aurel Popa-Wagner, der Projektleiter und Leiter des Labors Molekulare Neurobiologie an der Neurologischen Universitätsklinik Greifswald.

Gefördert wird die Einstellung von sechs Wissenschaftlern für drei Jahre sowie regelmäßige Arbeitsaufenthalte in international renommierten Partnerinstitutionen. Außerdem wurde die Anschaffung eines 350.000 Euro teuren konfokalen Lasermikroskops der Firma Leica bewilligt. Mit diesem Gerät werden Fluorochrome mit einem Laser angeregt und dadurch einzelne Zellen und Zellbestandteile sichtbar gemacht. Anschließend wird ihre Struktur dreidimensional rekonstruiert.

"Das ist für die Forschung unglaublich wichtig, mit dieser neuen Technologie können wir nachverfolgen, wie sich nach einer Hirnschädigung die Hirnzellen erholen, neue Ausläufer und neue synaptische Verbindungen ausbilden, die den Schaden funktionell kompensieren", so Professor Kessler, der Direktor der Neurologie.

Ein weiteres Projekt der BDH-Klinik für Neurorehabilitation in Greifswald, untersucht bei Patienten nach einem Schlaganfall die Anwendung der transkraniellen Magnetstimulation (v. lat. transkraniell: durch den Schädel hindurch), um sehr gezielt die betroffenen Hirnareale zu stimulieren.

Der Einsatz von Stammzellen als mögliche Option bei der Behandlung von Patienten mit chronischen neurologischen Patienten wird in Greifswald nicht nur beim Schlaganfall, sondern auch bei anderen chronischen Erkrankungen des Nervensystems erforscht. Die Arbeitsgruppe von Dr. Michael Sabolek untersucht, wie Stammzellen, die Rattenembryonen entnommen worden sind, am effektivsten dazu gebracht werden, Dopamin zu produzieren, der Überträgersubstanz, die bei Parkinsonpatienten nur unzureichend gebildet wird. Das Projekt wird in Kooperation mit dem renommierten Wallenberg-Forschungsinstitut in Lund durchgeführt.

In einem Projekt der Abteilung für Neuropathologie unter der Leitung von Priv.-Doz. Dr. Silke Vogelgesang werden an Hirnen von Alzheimerpatienten spezifische Eiweißstoffe untersucht, die den Transport schädlicher Substanzen aus den Nervenzellen regulieren (Transportproteine). Die Wissenschaftler erhoffen sich, darüber Aufschluss über die Entstehung der Pathogenese der Alzheimererkrankung zu bekommen und Grundlagen für die Entwicklung neuer therapeutischer Strategien zu erarbeiten.

Neben dem Spezialmikroskop wurden Geräte angeschafft, mit denen elektrophysiologische Messungen an lebenden Zellen (Patch clamping) möglich sind. Damit können Lokalisation, Funktion und Regulation von Ionenkanälen in Nerv- und Muskelzellen untersucht werden. Die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Heinrich Brinkmeier, Leiter des Instituts für Pathophysiologie der Universität Greifswald, untersucht, welche Prozesse bei speziellen Muskelerkrankungen ablaufen. Schwerpunkt ist die Erforschung der Duchenne Muskeldystrohie, die bei Jungen auftritt und erblich bedingt ist. Internationaler Partner bei diesem Teilprojekt ist das Institute of Human Genetics in Newcastle in England.

Der Antrag des Greifswalder Forschungsverbundes ist einer von 31 bewilligten Projektanträgen. Insgesamt gab es 410 Anträge. Die Unterstützung der EU wird helfen, die Vernetzung innerhalb der neurowissenschaftlich tätigen Gruppen zu stärken und wichtige internationale Kooperationen einzugehen. In einem Jahr sollen im Rahmen eines internationalen Kongresses mit renommierten Neurowissenschaftlern aus ganz Europa die ersten Ergebnisse präsentiert werden.

Themen der Teilprojekte
WP2, WP3 - Schlaganfall (Rattenmodelle)
WP4 - Neurodegeneration/Regeneration (bei neurodegenerativen Erkrankungen)
WP5 - Alzheimer Demenz
WP6 - Muskeldystrophie
WP7 - Rehabilitation nach Schlaganfall (Patienten)
Ansprechpartner für Rückfragen:
Prof. Dr. Aurel Popa-Wagner
Klinik und Poliklinik für Neurologie, Ellernholzstraße 1/2, 17475 Greifswald
Telefon 03834 86-6853, Telefax 03834 86-6843, wagnerap@uni-greifswald.de
Prof. Dr. med. Christof Kessler
Direktor der Klinik und Poliklinik für Neurologie, Ellernholzstraße 1/2, 17475 Greifswald

Telefon 03834 86-6800, Telefax 03834 86-6875, kessler@neurologie.uni-greifswald.de

Prof. Dr. Heinrich Brinkmeier
Institut für Pathophysiologie, Greifswalder Straße 11c, 17495 Karlsburg
Telefon 03834 86-19319/-19100, Telefax 03834 86-19111, hbrinkme@postfix.uni-greifswald.de

Jan Meßerschmidt | idw
Weitere Informationen:
http://www.forschungsrahmenprogramm.de/
http://www.medizin.uni-greifswald.de/neurolog/index.php?id=434

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Über 1,6 Millionen Euro für Forschung im Bereich Innovative Materialien und Werkstofftechnologie
17.05.2017 | Hochschule Osnabrück

nachricht MHH-Forscher beleben Narbengewebe in der Leber wieder
16.05.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungen

Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloquium 2017: Internet of Production für agile Unternehmen

23.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Krebs erregende Substanzen aus Benzinmotoren

24.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wasserqualität von Flüssen: Zusätzliche Reinigungsstufen in Kläranlagen lohnen sich

24.05.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Orientierungslauf im Mikrokosmos

24.05.2017 | Physik Astronomie