Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

McCluskey Award: Informatiker der Uni Bremen ist Weltbester

09.11.2010
Dr. Stephan Eggersglüß von der Arbeitsgruppe Rechnerarchitektur der Universität Bremen unter der Leitung von Professor Rolf Drechsler ist für seine Dissertation zur Steigerung der Qualität des Testens mit dem McCluskey Best 2010 Doctoral Thesis Award ausgezeichnet worden. Die Doktorarbeit gilt damit als die weltbeste Arbeit mit dem stärksten Einfluss auf den Produktionstest international.

In zunehmendem Maße sind wir heute von Elektronik umgeben. MP3-Player und Handys sind unsere täglichen Begleiter geworden und sind aus dem Alltag kaum noch wegzudenken. Und natürlich erwarten wir, dass diese Komponenten immer richtig funktionieren.

Dies sollte bei Neugeräten eine Selbstverständlichkeit sein. Doch auch wenn die Geräte lange in Betrieb sind und harten Belastungen ausgesetzt werden, müssen sie noch korrekt arbeiten. In vielen Bereichen unserer Umwelt vertrauen wir sogar unser Leben diesen Systemen an – oftmals ohne es zu wissen.

Wenn wir ein Flugzeug besteigen oder die Bremse eines modernen Autos betätigen: ohne Elektronik ist das nicht mehr denkbar. Daher werden sehr große Anforderungen an den Test solcher Apparaturen gestellt. Doch heutige Computerchips bestehen oft aus mehreren Milliarden Komponenten, die auf nur wenigen Quadratzentimetern Platz finden. Einen Fehler zu finden lässt sich damit vergleichen den Kopf einer Stecknadel im Weserstadion mit einem Fernglas zu suchen. Daher werden heutzutage bereits über 50% der Herstellungskosten von Computerchips für deren Test ausgegeben.

Eggersglüß hat neue Verfahren entwickelt, die es erlauben die Qualität von Produktionstests zu erhöhen. Für Schaltungen aus der Industrie gelang es ihm zum Beispiel die Anzahl der geprüften Komponenten von 99,5 % auf 99,8 % zu steigern. Was zunächst vernachlässigbar scheint, offenbart sich bei genauerer Betrachtung. Wenn ein Schaltkreis 1 Milliarde Komponenten besitzt, so entsprechen 0,3% drei Millionen Elemente, die ansonsten ungeprüft geblieben wären. Nur durch hochqualitative Testverfahren lassen sich zuverlässige Produkte entwickeln. Es gelang ihm mit wissenschaftlich sehr anspruchsvollen Methoden praktisch relevante Probleme in Kooperation mit dem Industriepartner Philips/NXP zu lösen. Die Leistung ist besonders hoch zu bewerten, da die Generierung von guten Testmustern ein sehr intensiv untersuchtes Gebiet ist. Umso überraschender ist es, dass es Eggersglüß gelang die existierenden Methoden deutlich zu verbessern.

Auf der Tagung International Test Conference (ITC) – der weltweit führenden Fachtagung mit über 2000 Besuchern – wurde seine Arbeit als die beste für das Jahr 2010 ausgezeichnet. Nachdem er sich im Mai dieses Jahres als bester Europäer durchsetzen konnte, gelang ihm dieses nun auch als erster Deutscher in der Endausscheidung weltweit. Dazu wurde die Arbeit von zwei Jurys unabhängig bewertet. Eine aus führenden Professoren des Forschungsgebietes besetzte Gruppe bewertete die Arbeit im Bezug auf den wissenschaftlichen Gehalt. Im Anschluss mussten die Finalisten vor einer Expertenkommission von Vertretern aus der Industrie ihre Arbeit vorstellen und Fragen zur praktischen Bedeutung beantworten. Der Expertenkommission gehörten unter anderem Vertreter der Firmen Intel, Freescale/Motorola und ARM an. In Anerkennung seiner besonderen Leistung wurde Stephan Eggersglüß der E. J. McCluskey Best 2010 Doctoral Thesis Award des Test Technology Technical Council (TTTC) der IEEE Computer Society verliehen. Die Doktorarbeit wurde von Professor Rolf Drechsler betreut und im Oktober 2010 mit dem Prädikat „summa cum laude“ abgeschlossen.

TTTC ist eine Organisation innerhalb der IEEE Computer Society, welche sich mit dem Testen von Elektronik befasst. Das Ziel des TTTC ist sowohl die Weiterentwicklung von Techniken im diesem Gebiet als auch die professionelle Förderung der Mitglieder selbst. Das TTTC ist Sponsor von zahlreichen Kongressen in diesem Fachgebiet. Einer der wichtigsten darunter ist die International Test Conference (ITC), welche seit 1970 besteht.

Edward J. McCluskey ist emeritierter Professor der Universität Stanford und einer der Pioniere auf dem Gebiet der Entwurfsautomatisierung. Darüber hinaus hat er sich in seiner langjährigen Arbeit intensiv für die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses eingesetzt.

E. J. McCluskey Best Doctoral Thesis Award wird jährlich vom TTTC für diejenige Doktorarbeit vergeben, welche den größten Einfluss auf den Produktionstest elektronischer Schaltungen hat. Im Jahr 2010 wurde er zu Ehren von E. J. McCluskey umbenannt. Seit 2010 wird der Preis in einem zweistufigen Verfahren vergeben. Die Sieger der Halbfinale der einzelnen Kontinente treten im Finale auf der International Test Conference (ITC) gegeneinander an. Mehr Informationen unter http://www.tttc-events.org.

Weitere Informationen:
Universität Bremen
Fachbereich 3 Mathematik/ Informatik
Arbeitsgruppe Rechnerarchitektur
Prof. Dr. Rolf Drechsler
Telefon: 0421 218-63932
Dr. Stephan Eggersglüß
Telefon: 0421 218 63936
E-Mail: drechsler@uni-bremen.de

Eberhard Scholz | idw
Weitere Informationen:
http://www.informatik.uni-bremen.de/agra/ger/index.php
http://www.tttc-events.org

Weitere Berichte zu: Computerchip Elektronik IEEE ITC McCluskey Merit Award Produktionstest TTTC

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Deutscher Wirtschaftspreis für Forschung in Gesundheitsökonomik
21.08.2017 | Joachim Herz Stiftung

nachricht Sechs innovative Projekte sind im Rennen um den begehrten European Health Award 2017
17.08.2017 | European Health Forum Gastein

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Im Neptun regnet es Diamanten: Forscherteam enthüllt Innenleben kosmischer Eisgiganten

21.08.2017 | Physik Astronomie

Ein Holodeck für Fliegen, Fische und Mäuse

21.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Institut für Lufttransportsysteme der TUHH nimmt neuen Cockpitsimulator in Betrieb

21.08.2017 | Verkehr Logistik