Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die Macht der Geschichten – Erzählungen als Form der Wertevermittlung in Familienunternehmen

24.08.2011
Preisgekrönte Dissertation am Wittener Institut für Familienunternehmen der Universität Witten/Herdecke im Carl Auer Verlag veröffentlicht

Die kulturellen Werte von Familienunternehmen gelten als ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal gegenüber Nicht-Familienunternehmen. In ihnen gründen sich ihre Wettbewerbsvorteile und Nachteile, diese Werte garantieren in der öffentlichen Wahrnehmung Stabilität und Verlässlichkeit der Wirtschaft.

Die praktische wie wissenschaftliche Bedeutung, die Werte für Familienunternehmen haben, ist unbestritten. Umso erstaunlicher ist die geringe Zahl wissenschaftlicher Arbeiten, der sich ihrer Erforschung widmet. „Vor allem die Frage, wie Werte in Familienunternehmen eigentlich über die Generationen weitergegeben werden, wie sie stabil bleiben und sich zugleich im Laufe der Zeit verändern, ist bisher weitgehend unbeantwortet geblieben“, so Prof. Dr. Arist v. Schlippe, der akademische Direktor des Wittener Instituts für Familienunternehmen.

Eine Forschungsarbeit aus dem Institut von Dr. Mirko Zwack bietet darauf eine Antwort: „Mit Geschichten über Gründungsphase, Krisen und unglaubliche Erfolge und solchen rund um Firmengründer, Führungspersönlichkeiten und Inhaberfamilie.“ Die Arbeit wurde 2011 mit dem Förderpreis der Systemischen Gesellschaft (SG) in Berlin ausgezeichnet.

„Das sind Geschichten wie die über den Chef eines mittlerweile über 30.000 Mann starken Unternehmens, der immer noch von der Autobahn auf den Parkplatz fährt, wenn er einen der Firmen-LKWs dort sieht, um dem Fahrer persönlich die Hand zu schütteln“, führt Zwack ein Beispiel aus seiner Untersuchung an, „oder wenn der Firmengründer an der Kasse auftaucht und wider der Erwartung gegenüber der Kassiererin nicht auf ‚Selbstbedienung’, sondern auf normale Bezahlung besteht. Über solche Ereignisse werden im Unternehmen Geschichten erzählt und weitererzählt. Sie vermitteln bspw. den Wert der Gleichheit aller gegenüber den Interessen des Unternehmens, oder wie im ersten Fall eine besondere Wertschätzung den Mitarbeitern gegenüber, über alle Hierarchienebenen hinweg.“

Solche Geschichten hat Zwack in drei Familienunternehmen unter die Lupe genommen. Hierfür wurden in qualitativen Interviews mit Gründern, Familienmitgliedern, Fremdmanagern und Angestellten Geschichten identifiziert und anschließend untersucht, inwiefern diese im Unternehmen bekannt sind. In einer quantitativen Untersuchung wurde erforscht, ob davon ausgegangen werden kann, dass unterschiedliche Zuhörer der gleichen Geschichte diese auch auf den gleichen Wert hin interpretieren. Die Ergebnisse bestätigen die besondere Bedeutung von Geschichten im Prozess der Wertevermittlung.

„Solche Geschichten vermitteln die Werte eines Unternehmens sehr viel lebhafter und anschaulicher als abstrakte Leitbilder, die Firmen sich geben. Für die Mitarbeiter sind sie leichter zu erinnern und allein deshalb schon wirkungsmächtiger.“ Und: Geschichten kann man nicht einfach widersprechen. „Ich muss schon dabei gewesen sein, damit ich sagen kann: Das stimmt nicht. Und einfach so seinen Unglauben kundzutun gilt gemeinhin als unhöflich.“ Hinzu kommt: „Indem wir in Geschichten nie alles erzählen, sondern immer etwas weglassen, etwas besonders ausschmücken oder gar dazuerfinden, spitzen wir unsere Erzählungen auf einen bestimmten Wert oder eine bestimmte Kernbotschaft zu, die ankommt, auch wenn sie nur implizit erzählt wird. Und was nicht gesagt wird, kann auch nicht angezweifelt werden. So schützt die Geschichte ihre Werte vor Widerspruch.“ Für Zwack ein weiteres wesentliches Argument für die Macht der Geschichten.

Mirko Zwack: Die Macht der Geschichten. Erzählungen als Form der Wertevermittlung in Familienunternehmen 275 Seiten, € 24,95
ISBN 978-3-89670-948-6
http://www.carl-auer.de/programm/978-3-89670-948-6
Weitere Informationen erhalten Sie bei Mirko Zwack. mirko.zwack@uni-heidelberg.de Handynummer erfragen unter 02302/926-849/805
Hintergrundinformationen:
Das Wittener Institut für Familienunternehmen (WIFU) ist in Deutschland der Pionier und Wegweiser akademischer Forschung und Lehre zu Besonderheiten von Familienunternehmen. Drei Lehrstühle - Betriebswirtschaftslehre, Psychologie / Soziologie und Rechtswissenschaften - bilden das wissenschaftliche Spiegelbild der Gestalt von Familienunternehmen. Dadurch hat sich das WIFU eine einzigartige Expertise im Bereich Familienunternehmen erarbeitet. Seit 2004 ermöglichen die Institutsträger, ein exklusiver Kreis von über 40 Familienunternehmen, dass das WIFU auf Augenhöhe als Institut von Familienunternehmen für Familienunternehmen agieren kann. Mit aktuell acht Professoren leistet das WIFU mittlerweile seit über zwölf Jahren einen signifikanten Beitrag zur generationenübergreifenden Zukunftsfähigkeit von Familienunternehmen.
Über die UW/H:
Die Universität Witten/Herdecke (UW/H) nimmt seit ihrer Gründung 1982 eine Vorreiterrolle in der deutschen Bildungslandschaft ein: Als Modelluniversität mit rund 1.300 Studierenden in den Bereichen Gesundheit, Wirtschaft und Kultur steht die UW/H für eine Reform der klassischen Alma Mater. Wissensvermittlung geht an der UW/H immer Hand in Hand mit Werteorientierung und Persönlichkeitsbildung.

Witten wirkt. In Forschung, Lehre und Gesellschaft.

Kay Gropp | Uni Witten/Herdecke
Weitere Informationen:
http://www.uni-wh.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Über zwei Millionen für bessere Bordnetze
28.04.2017 | Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

nachricht Innovationspreis 2017 der Deutschen Hochschulmedizin e.V.
24.04.2017 | Deutsche Hochschulmedizin e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie