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Lernen mit den Augen des Lehrers

07.10.2009
Mediziner können Augenbewegungen in Echtzeit verfolgen und so lebensnah Situationen für andere sichtbar machen

Anfang 2004 ging es los. Und jetzt haben die Entwickler der "EyeSeeCam" den mit 10.000 Euro dotierten Preis beim RoboDays-Festival im dänischen Odense gewonnen. Damit würdigte die Jury dieses ganz besondere Kamerasystem und hob die gelungene Übertragung menschlicher Qualitäten auf eine Maschine hervor.

Federführend an der Entwicklung dieses "künstlichen Auges" beteiligt war das Team um Dr. Erich Schneider und Prof. Dr. Thomas Brandt vom Institut für klinische Neurowissenschaften am Campus Großhadern des Klinikums der Universität München. Eingebunden zunächst in ein Projekt der Bayerischen Forschungsstiftung war das Ziel der Forscher von Anfang an klar gesteckt: eine Kamera zu schaffen, die die Augenbewegungen eines Menschen originalgetreu wieder gibt - also mit geringer Zeitverzögerung, sozusagen in Echtzeit.

"Dabei stand die Anwendung in der Medizin im Mittelpunkt", sagt der Physiker. Tatsächlich hat Prof. Dr. Karl-Walter Jauch, Direktor der Chirurgischen Klinik und Poliklinik in Großhadern, die EyeSeeCam bereits im Operationssaal getestet. Mit einem Gestell am Kopf befestigt, hat die Kamera live und direkt alle Blicke Jauchs während eines Eingriffs mit einer Zeitverzögerung von nur zehn Millisekunden übertragen. Damit ist die Kamera derzeit das schnellste entsprechende System weltweit. Sozusagen mit den Augen des Chirurgen verfolgten die Zuschauer, welche Eingriffe Jauch an der Operations-Stelle vornahm. "Den Test hat die EyeSeeCam hervorragend bestanden", erklärt Dr. Schneider.

Künftig soll das System deshalb für Lehrzwecke genutzt werden, um beispielsweise Eingriffe aus dem Operationssaal in einen Hörsaal mit Medizinstudenten zu übertragen. So können sie dem Chirurgen buchstäblich über die Schulter schauen. Auch für Lehr-Videos ist die Kamera exzellent geeignet. Bislang musste für derlei Produktionen stets ein Kamera-Mann im OP zugegen sein, was Chirurgen oft genug in ihrer Arbeit behinderte.

Nicht zuletzt soll die EyeSeeCam in der Medizin genutzt werden, um bei einem Eingriff die Arbeitsbelastung und die visuelle Aufmerksamkeitsverteilung etwa von Chirurgen oder Anästhesisten zu messen. Durch Analyse der Blickbewegungen lässt sich ermitteln, ob etwa ein Anästhesist die wichtigen Geräte auch in einer Notfall-Situation noch immer im Blickfeld hat und ob er sie sicher bedienen kann. Der Einsatz der EyeSeeCam würde so zur rechtzeitigen Erkennung einer Notfallsituation beitragen und langfristig die Patientensicherheit erhöhen. Diese Anwendung wurde erstmals mit Dr. Christian Schulz am Anästhesie-Simulator der Klinik für Anästhesiologie des Klinikums rechts der Isar erfolgreich getestet.

Dr. Schneider betont, dass die Entwicklung der Kamera einem interdisziplinären Team aus Medizinern, Neurowissenschaftler, Physikern und Ingenieuren zu verdanken ist, an dem auch Forscher der Technischen Universität München, insbesondere des Lehrstuhls für Angewandte Mechanik, beteiligt sind. Jetzt geht es darum, die Herstellung des Systems effizienter - sprich: preiswerter - zu machen. "Mehr als 25.000 Euro", sagt Schneider, "darf die EyeSeeCam nicht kosten."

Ansprechpartner für die Pressevertreter:
Dr. Erich Schneider
Institut für klinische Neurowissenschaften
Ludwig-Maximilians-Universität
Marchioninistr. 23, D-81377 München
Tel: +49 (0)89 7095-4830
Fax: -4801
Klinikum der Universität München
Im Klinikum der Universität München (LMU) sind im Jahr 2008 an den Standorten Großhadern und Innenstadt etwa 500.000 Patienten ambulant, poliklinisch, teilstationär und stationär behandelt worden. Die 45 Fachkliniken, Institute und Abteilungen verfügen über mehr als 2.300 Betten. Von insgesamt 9.800 Beschäftigten sind rund 1.700 Mediziner. Forschung und Lehre ermöglichen eine Patientenversorgung auf höchstem medizinischem Niveau. Das Klinikum der Universität München hat im Jahr 2008 etwa 64 Millionen Euro an Drittmitteln eingeworben und ist seit Juni 2006 Anstalt des öffentlichen Rechts.

Philipp Kressirer | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-muenchen.de

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