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Leibniz-Medaille an Prof. Dr. Fotis C. Kafatos und Prof. Dr. Ernst-Ludwig Winnacker

03.03.2011
Mit der Verleihung der Leibniz-Medaille an die Wissenschaftler Prof. Dr. Fotis C. Kafatos und Prof. Dr. Ernst-Ludwig Winnacker würdigt die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften deren besondere Verdienste bei der Gründung und beim Aufbau des European Research Council (ERC).

Die Einrichtung des European Research Council (ERC) ist ein Meilenstein für die europäische Wissenschaft. Mit ihm wurde eine Institution zur Finanzierung von Grundlagenforschung ins Leben gerufen, die ihre Gelder nicht mehr nach regionalem Proporz, sondern ausschließlich auf der Grundlage wissenschaftlicher Qualität vergibt.

Die Wissenschaftler Fotis C. Kafatos und Ernst-Ludwig Winnacker waren maßgeblich an der Herbeiführung und der Umsetzung des 2002 gefassten Beschlusses der EU-Präsidentschaftskonferenz zur Einrichtung des ERC beteiligt und schufen somit die Voraussetzungen, die eine erfolgreiche Aufnahme der Arbeit des ERC im Jahre 2005 (mit offizieller Einweihung im Februar 2007) ermöglichten.

Professor Dr. Fotis C. Kafatos gehörte zu den ersten Wissenschaftlern überhaupt, die eine Verbesserung des europäischen Wissenschaftssystems durch Gründung einer europäischen Förderorganisation für Grundlagenforschung anstrebten. Er gehörte in den 1990er Jahren zu den Mitbegründern und Führungspersönlichkeiten der Initiative for Science in Europe, einer Initiative, die die Planung und Ausgestaltung einer europäischen Forschungsförder-organisation systematisch voranbrachte. Kafatos sorgte nicht nur für die Finanzierung dieser Initiative. Seine Leistung bestand vor allem darin, die wissenschaftliche Gemeinschaft Europas hinter das gemeinsame Ziel versammelt zu haben. Der Prozess mündete 2002 in dem Beschluss der EU-Präsidentschaftskonferenz, den ERC einzurichten. Unmittelbar bevor dieser dann seine Aktivitäten aufnehmen konnte, trug Kafatos wesentlich dazu bei, dass die Programme und Strukturen des ERC innerhalb kurzer Zeit etabliert werden konnten.

Professor Dr. Ernst-Ludwig Winnacker war während dieser Zeit Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft und hat in dieser Eigenschaft die Entstehung des ERC entscheidend mit vorangetrieben und seine Ausgestaltung geprägt. Als Präsident der größten Forschungsförderorganisation in Europa hatte Winnackers Forderung nach der Errichtung des ERC besonderes Gewicht. Es ist sein Verdienst, sich für die Durchsetzung höchster Qualitätsstandards bei den Begutachtungs-verfahren für den zu gründenden ERC eingesetzt zu haben. Bei der Entwicklung dieser Verfahren hat man sich die langjährige Erfahrung und Professionalität der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) zu Nutze gemacht und sich an ihrem Vorbild orientiert.

Nach seiner Errichtung haben sich Kafatos und Winnacker auch im Team für den ERC eingesetzt, Kafatos als Gründungspräsident des ERC und Chairman von dessen Scientific Council und Winnacker als erster Generalsekretär der Institution. In diesen Positionen haben sie gemeinsam die Herausforderungen in den Anfangsjahren des ERC bewältigt. So musste eine Institution mit 300 Mitarbeitern aufgebaut werden, 9000 Antragsskizzen des ersten Starting Grants 2007 bearbeitet werden. Darüber hinaus mussten sukzessive die Rahmenbedingungen des ERC verbessert werden, wodurch eine höhere Zahl an Wissenschaftlerinnen bei den Starting Grants, eine kontinuierliche Erhöhung des ERC-Budgets und eine größere Unabhängigkeit gegenüber der EU-Bürokratie erreicht werden konnte.

Fotis C. Kafatos gelang es, sich neben seinen exzellenten Forschungsarbeiten auch um die europäische Forschungslandschaft verdient zu machen. Er studierte Biologie an der Cornell University und an der Harvard University, wo er nach seinem PhD 1969 mit 29 Jahren jüngster Professor wurde und diese Position bis 1994 innehielt. Parallel dazu war er Professor für Biologie an den Universitäten von Athen (1972-1982) und Creta (1982-1993), wobei er die moderne Biologie in Griechenland etablierte. 1993 bis 2005 leitete er als Generaldirektor 12 Jahre lang das European Molecular Biology Laboratory (EMBL) in Heidelberg, das führende molekularbiologische Laboratorium in Europa. In dieser Zeit konnte er nicht nur wichtige Beiträge zu Forschung leisten, sondern das EMBL institutionell durch die Einrichtung dreier neuer Laboratorien prägen und verbessern. Darüber hinaus war ihm die gezielte Förderung anderer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler durch die Etablierung eines internationalen Nachwuchsförderprogramms im Bereich der Molekularbiologie ein besonderes Anliegen. Insbesondere für Frauen und Nachwuchswissenschaftler bestand aus seiner Perspektive in Europa keine ausreichende Chancengleichheit. Seit 2005 ist er Chair für Immunogenomics am Imperial College London.

Für seine Arbeiten und sein Engagement im Bereich der Wissenschaftsförderung erhielt er zahlreiche Auszeichnungen. So ist er Inhaber dreier Ehrendoktorate. Professor Kafatos ist ausländisches Mitglied der Royal Society of London und der Académie des sciences, Paris, sowie ordentliches Mitglied der US National Academy of Sciences, der American Academy of Arts and Sciences, der Pontifical Academy of Sciences, des EMBO and der Academia Europea.

Auch Ernst-Ludwig Winnacker konnte im Laufe seiner beruflichen Karriere sowohl im Bereich eigener Forschung, als Wegbereiter der modernen Gentechnik in Deutschland, als auch in der Wissenschaftsförderung wegweisend tätig werden. Nach Studium und Promotion 1968 in Zürich führten ihn Postdoktorate an die University of California, Berkley und das Karolinska Institut, Stockholm. Von 1972 bis 1977 war er Assistent bzw. Gastprofessor der DFG am Institut für Genetik der Universität zu Köln. 1977 erhielt er den Ruf auf eine C3-Professur am Institut für Biochemie der Ludwig-Maximilians-Universität München, wo er seit 1980 ordentlicher Professor für Biochemie ist. Seine Qualitäten als Wissenschaftsmanager stellte er als Leiter des Laboratoriums für Molekulare Biologie am Genzentrum der LMU München unter Beweis. Doch vor allem in seiner Zeit als Vizepräsident (1987-1993) sowie als Präsident (1998-2006) der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) erwies er sich als geschickter Lenker von Forschung. So initiierte und begleitete er zahlreiche zukunftsweisende Programme, wie das Emmy Noether-Nachwuchsprogramm und die Heisenberg-Professur. Er stärkte die Position der Geisteswissenschaften und konnte das Budget der DFG, trotz des öffentlichen Sparzwangs, während seiner Amtszeit deutlich expandieren. In seine Amtszeit fallen auch die Vorbereitung und die 1. Runde der Exzellenzinitiative sowie die Einführung der Forschungspauschale. Darüber hinaus machte er die DFG zu einem global player mit Vertretungen in Washington, Moskau, Peking und Neu Delhi. Sein internationales Engagement führte ihn von Januar 2007 bis Juni 2009 als erster Generalsekretär an das unter anderem durch seine Tatkraft entstandenen ERC. Und seit Juli 2009 ist er Generalsekretär des Human Frontier Science Programme (HSFP).

Ernst-Ludwig Winnacker wurde bereits mit zahlreichen Ehrungen ausgezeichnet, so u.a. 2010 mit dem Großen Verdienstkreuz mit Stern des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland und 2010 mit der Verdienstmedaille der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina. Er ist seit 1998 Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und darüber hinaus Mitglied der Akademie der Naturforscher Leopoldina, Mitglied der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften, der Göttinger Akademie der Wissenschaften und des Institute of Medicine (IOM) der National Academies of Sciences der USA.

Die Leibniz-Medaille wird als Anerkennung für Verdienste um die Förderung der Wissenschaften sowie als Anerkennung für wissenschaftliche Leistungen verliehen, die von Personen bzw. Personengruppen außerhalb ihrer Profession erbracht wurden. Die Medaille kann jährlich verliehen werden. Die bisherigen Preisträger sind (in der Reihenfolge der Auszeichnung): Heinrich Pfeiffer, Hartmut Rahn, Berthold Beitz, Reimar Lüst, Jan Philipp Reemtsma, Wolf Lepenies, Hasso Plattner, Heinrich Meier, Arend Oetker, Hans Joachim Meyer, Klaus J. Jacobs, Manfred Erhardt und Klaus Tschira.

Gisela Lerch | idw
Weitere Informationen:
http://www.bbaw.de

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