Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Krebstherapie mit Sicherheitsschalter

08.10.2010
Dr. Elisa Kieback wird für ihre Dissertation zur Immuntherapie von Krebs mit dem diesjährigen Nachwuchswissenschaftlerinnen-Preis des Forschungsverbundes Berlin ausgezeichnet. Den Preis überreicht der Präsident der Leibniz-Gemeinschaft Prof. Karl Ulrich Mayer am 9. November 2010 im Wissenschaftszentrum Berlin.

In ihrer Promotion am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in Berlin-Buch hat Elisa Kieback eine Methode entwickelt, die die Krebstherapie mit körpereigenen T-Zellen für den Patienten sicherer macht. Dies ist ein weiterer Schritt zu einer möglichen Anwendung dieser neuen Therapieform.

Derzeit basiert die Krebstherapie auf drei Schwerpunkten: Bestrahlung, Chemotherapie und chirurgische Entfernung. Es gibt aber einen neuen Hoffnungsträger im Kampf gegen Krebs: die körpereigene Immunabwehr. Krebszellen werden vom Körper nicht wie andere Krankheiten bekämpft, weil die Krebszellen im Grunde körpereigenes Gewebe sind und daher von der Immunabwehr nicht erkannt werden. Da die Krebszellen aber mutiert sein können, unterscheiden sie sich doch etwas von körpereigenem Gewebe.

Bestimmte Immunzellen, die so genannten T-Zellen, können deshalb so sensibilisiert werden, dass sie Krebszellen erkennen und bekämpfen. Wissenschaftlern ist es gelungen, T-Zellen mit einem entsprechenden Rezeptor auszustatten, der diese Therapie ermöglicht. Dazu muss den Patienten Blut entnommen werden, die T-Zellen werden daraus isoliert, mit dem Rezeptor versehen und anschließend wieder in den Patienten zurückgespritzt.

Was dann allerdings im Körper geschieht, lässt sich nicht mehr kontrollieren. T-Zellen sind sehr potent, und können – ausgestattet mit dem zusätzlichen Rezeptor – auch zu einer Autoimmunkrankheit führen. Ein ohnehin schon geschwächter Krebspatient könnte dadurch noch zusätzlich leiden. Also suchten Wissenschaftler nach einem Sicherheitsmechanismus, der es ihnen ermöglicht, die T-Zellen im Notfall im Körper wieder auszuschalten. Einen solchen Sicherheitsmechanismus hat Elisa Kieback in ihrer Promotion entwickelt.

Elisa Kieback hat an den Rezeptor einen Marker angebracht, der von einem Antikörper erkannt wird. Der Marker besteht aus einer kurzen Aminosäurekette und beeinträchtigt die Funktion der T-Zellen nicht, solange keine Antikörper in der Nähe sind. Greifen die T-Zellen jedoch gesundes Gewebe an, können dem Patienten Antikörper gespritzt werden, die an den Marker andocken und die T-Zellen ausschalten. So kann die Therapie abgebrochen werden, falls schwere Nebenwirkungen auftreten.

„Eine große Herausforderung war es, den Marker so anzubringen, dass die Funktion des Rezeptors nicht eingeschränkt wird, der Marker aber trotzdem sichtbar ist für die Antikörper“, erläutert Elisa Kieback. „Im Laufe meiner Arbeit hat sich eine optimale Position herauskristallisiert.“ Das Modell hat sie schon im Organismus getestet, und zwar in der Maus. „Ich hoffe, dass meine Methode später einmal in der Krebstherapie eingesetzt werden kann – das wird aber noch einige Zeit dauern“, so Kieback. „Der Vorteil an dem Sicherheitsmechanismus ist es, dass er nur gezielt die veränderten T-Zellen ausschaltet. Das übrige Immunsystem bleibt davon unberührt.“

Die Ergebnisse ihrer Doktorarbeit konnte Elisa Kieback hervorragend publizieren, darunter in der renommierten Zeitschrift „PNAS“. Prof. Wolfgang Uckert, der die Doktorarbeit betreut hat, hält Elisa Kieback für eine viel versprechende junge Wissenschaftlerin: „Von ihr können wir weitere interessante und wichtige Beiträge zum Gebiet der T-Zelltherapie erwarten.“

Der Nachwuchswissenschaftlerinnen-Preis des Forschungsverbundes ist mit 3000 Euro dotiert und wird in diesem Jahr zum zehnten Mal verliehen. Mit der jährlichen Auszeichnung will der Forschungsverbund besondere Leistungen junger Wissenschaftlerinnen würdigen, die an einer Hochschule in Berlin oder Brandenburg promoviert wurden.

Die Preisverleihung mit anschließendem Empfang findet am 9. November 2010 um 19 Uhr im Wissenschaftszentrum Berlin, Reichpietschufer 50, 10785 Berlin, statt. Wir heißen alle Gäste herzlich willkommen.

Gesine Wiemer | idw
Weitere Informationen:
http://www.fv-berlin.de/pm_archiv/2010/46-nawu2010.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Bund fördert Entwicklung sicherer Schnellladetechnik für Hochleistungsbatterien mit 2,5 Millionen
06.12.2016 | Technische Universität Clausthal

nachricht Fraunhofer WKI koordiniert vom BMEL geförderten Forschungsverbund zu Zusatznutzen von Dämmstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen
05.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Holzforschung - Wilhelm-Klauditz-Institut WKI

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einzelne Proteine bei der Arbeit beobachten

08.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Intelligente Filter für innovative Leichtbaukonstruktionen

08.12.2016 | Messenachrichten

Seminar: Ströme und Spannungen bedarfsgerecht schalten!

08.12.2016 | Seminare Workshops