Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Krebsforschung mit hohem Anwendungspotenzial ausgezeichnet

30.11.2010
Das Deutsche Krebsforschungszentrum verleiht zwei Preise an exzellente Wissenschaftler, deren Arbeiten ein hohes Potenzial haben, die Behandlung von Krebserkrankungen zu verbessern: Der Richtzenhain-Preis geht an Stephan Herzig (Deutsches Krebsforschungszentrum); Florian Greten vom Klinikum der Technischen Universität München wird mit dem Emil Salzer-Preis ausgezeichnet.

Starkes Übergewicht, Insulinresistenz und Diabetes gelten heute als gesicherte Risikofaktoren für eine Reihe von Krebserkrankungen. Umgekehrt begünstigen Stoffwechselstörungen nicht nur Risikofaktoren für die Krebsentstehung, sondern treten auch oft als Folge derselben auf.

So ist Tumorwachstum häufig mit extremer Abmagerung verbunden, die als Tumorkachexie bezeichnet wird. Die beiden gegensätzlichen Zustände – Fettleibigkeit und Auszehrung – zeichnen sich durch eine Vielzahl gemeinsamer Stoffwechselkennzeichen aus. Das legt nahe, dass es bei beiden Prozessen gemeinsame molekulare Kontrollstellen gibt.

Dr. Stephan Herzig, Träger des diesjährigen Richtzenhain-Preises, hat seine Forschung ganz auf dieses Gebiet konzentriert. Dabei identifizierte er zahlreiche Faktoren, die eine Schlüsselposition in der Kontrolle des Leberstoffwechsels einnehmen. Damit greifen sie direkt in die Entstehung von Krebsrisikofaktoren bzw. von Krebsfolgeerscheinungen (Kachexie) ein. Diese Kontrollpunkte des Stoffwechsels können nun als Ziele für neue Behandlungsmethoden geprüft werden.

Der Biologe Stephan Herzig leitet seit 2003 im Deutschen Krebsforschungszentrum die Emmy-Noether-Nachwuchsgruppe Molekulare Stoffwechselkontrolle, seit Juli dieses Jahres die gleichnamige Abteilung. Für seine wissenschaftlichen Arbeiten wurde er bereits mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter dem Marie Curie Excellence Award der Europäischen Kommission, dem Ferdinand Bertram Preis der Deutschen Diabetes Gesellschaft und dem Forschungspreis der Deutschen Adipositas-Gesellschaft.

Der Emil Salzer-Preis 2010 geht an Professor Dr. Florian Greten, der am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München eine Forschungsgruppe leitet. Dort untersucht er den Zusammenhang zwischen entzündlichen Darmerkrankungen (Kolitis) und der Entstehung von Dickdarmkrebs.

Florian Greten entdeckte, dass ein wichtiger Genregulator sowohl direkt als auch indirekt das Wachstum von Darmkrebs fördert: Das NF‐κB genannte Eiweiß unterdrückt zum einen den Tod bösartiger Zellen und regt gleichzeitig bestimmte weiße Blutkörperchen zur Produktion von Signalmolekülen an, die das Wachstum von Tumorzellen beschleunigen. Damit gelang Greten der Nachweis, dass von Immunzellen produzierte entzündungsfördernde Botenstoffe die Krebsentstehung ankurbeln.

Besonders überzeugte die Jury des Salzer-Preises, dass diese Arbeiten hohes Potenzial haben, die Therapie von Darmkrebs zu verbessern: Denn Greten identifizierte außerdem in den Krebszellen das Zielmolekül der entzündungsfördernden Botenstoffe. Wird dieses Molekül bei Mäusen ausgeschaltet, kommt das Tumorwachstum zum Erliegen. Damit hat Florian Greten einen neuartigen Ansatzpunkt für die Behandlung von Darmkrebs aufgezeigt.

Den Richtzenhain-Preis, der durch die Stiftung des Neurologen Walther Richtzenhain und seiner Frau Christine durch das Deutsche Krebsforschungszentrum verliehen wird, erhalten im Jahresrhythmus abwechselnd Doktoranden in Heidelberger Forschungsinstituten und Wissenschaftler aus der gesamten Bundesrepublik für Arbeiten auf dem Gebiet der translationalen Krebsforschung. Der diesjährige Preis ist mit 10.000 Euro dotiert.

Seit 1970 verleiht das Deutsche Krebsforschungszentrum den Dr. Emil Salzer-Preis im Auftrag des baden-württembergischen Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst. Er geht zurück auf seinen Stifter, den Reutlinger Arzt Emil Salzer. Seinen Nachlass überließ er dem Land Baden-Württemberg mit der Auflage, die Erträge zur Förderung der Krebsforschung einzusetzen. Das Preisgeld beträgt 5.000 Euro.

Die Preisverleihung findet am Donnerstag, dem 2. Dezember, ab 17:00 Uhr im Kommunikationszentrum des Deutschen Krebsforschungszentrums statt. Gäste sind herzlich willkommen.

Bilder zur Pressemitteilung stehen im Internet zur Verfügung unter:
www.dkfz.de/de/presse/pressemitteilungen/2010/images/Greten.jpg
www.dkfz.de/de/presse/pressemitteilungen/2010/images/Herzig_Stephan.jpg
Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland und Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren. Mehr als 2.200 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, davon über 1000 Wissenschaftler, erforschen die Mechanismen der Krebsentstehung und arbeiten an der Erfassung von Krebsrisikofaktoren. Sie liefern die Grundlagen für die Entwicklung neuer Ansätze in der Vorbeugung, Diagnose und Therapie von Krebserkrankungen. Daneben klären die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Krebsinformationsdienstes (KID) Betroffene, Angehörige und interessierte Bürger über die Volkskrankheit Krebs auf. Das Zentrum wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert.
Dr. Stefanie Seltmann
Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Deutsches Krebsforschungszentrum Im Neuenheimer Feld 280 D-69120 Heidelberg
T: +49 6221 42 2854
F: +49 6221 42 2968
presse@dkfz.de

Dr. Stefanie Seltmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.dkfz.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Rudolf-Virchow-Preis 2017 – wegweisende Forschung zu einer seltenen Form des Hodgkin-Lymphoms
23.06.2017 | Deutsche Gesellschaft für Pathologie e.V.

nachricht Repairon erhält Finanzierung für die Entwicklung künstlicher Herzmuskelgewebe
23.06.2017 | Deutsches Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften