Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Krebs mit Nanopartikeln erkennen

28.10.2008
Innovationspreis Medizintechnik des BMBF für Projekt der Universität Lübeck

Magnetische Nanopartikel könnten die Untersuchung der Lymphknoten bei Brustkrebspatientinnen verbessern. Für den neuen Geräteaufbau eines tragbaren Magnetic-Particle-Imaging Scanners wurde ein Projektkonsortium der Universität zu Lübeck jetzt im Innovationswettbewerb Medizintechnik des Bundesforschungsministeriums ausgezeichnet.

Mit dem neuartigen Verfahren soll die Genauigkeit bei der Diagnose des Mammakarzinoms erhöht und zugleich die bisher unvermeidliche radioaktive Belastung der Untersuchung vermieden werden. Federführend bei dem Verbundprojekt ist das Institut für Medizintechnik der Universität zu Lübeck (Direktor Prof. Dr. rer. nat. Thorsten M. Buzug), beteiligt sind die Lübecker Universitätsklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe (Direktor Prof. Dr. med. Klaus Diedrich) und die Philips Forschungslaboratorien Hamburg.

Prof. Dr. Thorsten Buzug nahm den Innovationspreis am 23. Oktober 2008 in Berlin vom Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung, Prof. Dr. Frieder Meyer-Krahmer, entgegen. Ausgezeichnet wurden in der Wettbewerbskategorie der anwendungsorientierten Grundlagenforschung außer dem Lübecker Projekt Forschergruppen aus Aachen, Dresden, Gießen, Göttingen, Jena, Neuherberg und Regensburg.

Durch die große Anzahl von jährlich auftretenden Neuerkrankungen mit Mammakarzinom ist die Qualitätsverbesserung der Behandlung von besonderer Bedeutung. Die Wächterlymphknoten-Biopsie spielt dabei eine zentrale Rolle. In dem nun mit dem Innovationspreis ausgezeichneten Projekt soll durch die neuartige Bildgebung mit magnetischen Nanopartikeln, dem so genannten Magnetic-Particle-Imaging, die Wächterlymphknoten-Biopsie präziser und mehr Patientinnen zugänglich gemacht werden.

Die zentrale Idee des Magnetic-Particle-Imaging, das ohne ionisierende Strahlung auskommt, besteht darin, dass als Tracer verabreichte super-paramagnetische Nanopartikel einem magnetischen Wechselfeld ausgesetzt werden. "Bei diesem von den Philips Forschungslaboratorien erfundenen Verfahren reagieren die Teilchen daraufhin mit einer nichtlinearen Magnetisierung, die ihrerseits mit entsprechenden Empfangsspulen gemessen werden kann", erklärt Dr. Jörn Borgert, industrieller Projektpartner von Philips. Das gemessene Signal enthält eine Reihe von Oberwellen, deren Gesamtenergie einen Rückschluss auf die Menge der Partikel im betrachteten Messvolumen zulässt.

Dieses Messprinzip wird im Lübecker Projekt erstmals durch einen innovativen Hand-Scanner realisiert, bei dem die Spulenanordnung nur auf einer Seite der Patientin liegt. Diese Idee ermöglicht den Einsatz der neuartigen Bildgebung für den Menschen. "In einem Schlüsselexperiment soll an der Universität nachgewiesen werden, dass ein Hand-Scanner machbar ist und die Biopsie hinsichtlich ihrer Qualität bei gleichzeitiger Kostenreduktion verbessert werden kann", so Prof. Dr. Thorsten Buzug, Leiter des Vorhabens. "Das Gewinnerprojekt hat das Potenzial, einen Durchbruch in der klinischen Nutzung zu erzielen."

"Während man früher davon ausgegangen ist, dass das Mammakarzinom eine lokale Erkrankung ist, weiß man heute, dass es schon sehr früh durch die lymphogene Aussaat als systemische Erkrankung anzusehen ist", bestätigt Prof. Dr. Klaus Diedrich, Projektpartner und Direktor der Klinik für Frauenheilkunde am Campus Lübeck. "Es steht deshalb nicht mehr das radikale operative Vorgehen im Vordergrund."

Durch die neue Methode, mit interventionellem Magnetic-Particle-Imaging bildgeführt zu den Lymphknoten zu navigieren, soll insbesondere beim Mammakarzinom ein deutlich weniger belastender operativer Weg aufgezeigt werden, der eine ausführlichere und umfassendere Information gibt, als es mit den heute etablierten Methoden möglich ist. Es wird dabei das Ziel verfolgt, die Lymphadenektomie auf ein notwendiges Maß zu reduzieren. Dieses Prinzip ist für verschiedene Tumorarten gut einsetzbar und wird bei Erfolg des Schlüsselexperiments deshalb auch eine große Verbreitung finden.

Kontakt:
Prof. Dr. Thorsten M. Buzug , Institut für Medizintechnik, Universität zu Lübeck, Ratzeburger Allee 160, 23538 Lübeck

Tel.: 0451 / 500-5400, Fax.: 0451 / 500-5403, E-Mail: buzug@imt.uni-luebeck.de

Rüdiger Labahn | idw
Weitere Informationen:
http://www.imt.uni-luebeck.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Bund fördert Entwicklung sicherer Schnellladetechnik für Hochleistungsbatterien mit 2,5 Millionen
06.12.2016 | Technische Universität Clausthal

nachricht Fraunhofer WKI koordiniert vom BMEL geförderten Forschungsverbund zu Zusatznutzen von Dämmstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen
05.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Holzforschung - Wilhelm-Klauditz-Institut WKI

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie