Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Klimaforscher erhalten Erwin Schrödinger-Preis 2013

02.07.2013
Bisher gingen Wissenschaftler davon aus, dass Viehhaltung auf großflächigen Weiden zur stetig wachsenden Lachgaskonzentration in der Atmosphäre und damit zur globalen Erderwärmung beiträgt.

Doch im Gegenteil: Dass Viehhaltung in Steppen- und Präriegebieten die Emission des Treibhausgases reduziert, konnte ein fünfköpfiges Forscherteam um Klaus Butterbach-Bahl vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) zeigen.

Für ihre Langzeitstudie erhalten die Ökosystem-Klimaforscher jetzt den mit 50.000 Euro dotierten Wissenschaftspreis des Stifterverbandes – Erwin Schrödinger-Preis 2013, den der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft und die Helmholtz-Gemeinschaft jedes Jahr gemeinsam vergeben.

Nach Kohlenstoffdioxid und Methan gehört Lachgas zu den wichtigsten Gasen, die zum Treibhauseffekt und Klimawandel beitragen. Rund 60 Prozent der vom Menschen verursachten Lachgas-Emissionen entstehen durch Landwirtschaft, etwa wenn Mikroben im Boden stickstoffhaltige Exkremente weidender Schafe oder Rinder abbauen. Deshalb nahmen Forscher weltweit bisher an, dass auch die Viehhaltung in großflächigen Steppen- und Präriegebieten die Entstehung von Lachgas antreibt.

Dass das Bild aber komplizierter ist, konnte das internationale Forscherteam durch Untersuchungen in der Inneren Mongolei, China, zeigen. „Tatsächlich emittieren nicht zur Viehhaltung genutzte Flächen übers Jahr verteilt größere Mengen an Lachgas als beweidete Steppenflächen“, sagt Projektleiter Butterbach-Bahl. Die Untersuchungen seiner Forschergruppe wurden von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert. Neben Butterbach-Bahl waren Xunhua Zheng von der Chinese Academy of Sciences, Nicolas Brüggemann, mittlerweile am Forschungszentrum Jülich, Michael Dannenmann vom KIT und Benjamin Wolf, jetzt bei der Schweizer Forschungsinstitution EMPA, beteiligt.

Der neue Präsident des Stifterverbandes Andreas Barner wird den Erwin-Schrödinger-Preis am 19. September 2013 im Rahmen der Jahrestagung der Helmholtz-Gemeinschaft in Berlin überreichen. Jürgen Mlynek, Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft, gratuliert den Preisträgern. „Die Studie zeigt in eindrucksvoller Weise die Auswirkungen von Landwirtschaft auf die globale Erderwärmung“, sagt Mlynek. „Sie hat durch die aktuelle Thematik einen hohen Einfluss auf laufende wissenschaftliche Diskussionen über den Klimawandel.“

Da die Messungen von Lachgas-Emissionen technisch sehr aufwendig sind, wurden die Daten bisher meist nur über einen kurzen Zeitraum während der Vegetationsperiode erfasst. Im Gegensatz dazu sammelte die Forschergruppe um den Karlsruher Wissenschaftler ein ganzes Jahr lang Daten über die Entstehung von Lachgas im Boden. „Bisherige Kurzzeituntersuchungen übersehen, dass die Abgabe bedeutender Lachgasmengen aus Steppenböden an die Atmosphäre ein natürlicher Prozess ist und ein Großteil der natürlichen Emission auf die Tauperiode im Frühjahr zurück geht“, erklärt Butterbach-Bahl. Durch Viehhaltung wird genau diese Emission deutlich gesenkt: Die Tiere weiden die Flächen ab und verringern so die Grashöhe. Dadurch kann der Schnee leichter vom Wind weggetragen werden und die dünnere Schneedecke bewirkt, dass die beweideten Böden im langen und kalten Winter schlechter isoliert und daher bis zu zehn Grad Celsius kälter sind. Außerdem entsteht während der Tauperiode im März weniger Schmelzwasser und daher sind die Böden trockener. Kälte und Trockenheit hemmen die mikrobiellen Aktivitäten: Es entsteht weniger Lachgas.
Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass bisherige Berechnungen die Lachgasemission aus solchen Gebieten um rund 72 Prozent überschätzen. „Dennoch ist noch viel Forschungsarbeit notwendig, um die Quelle für die stetig wachsende Konzentration an Lachgas in der Atmosphäre zu verstehen“, sagt Butterbach-Bahl. Eine vermehrte Viehwirtschaft ist nicht die Lösung des Problems, denn diese setzt in großen Mengen Methan frei, und Überweidung von Steppengebieten führt zudem zu Bodendegradation und zu starken Verlusten an Kohlenstoffvorräten im Boden.

Über den Wissenschaftspreis des Stifterverbandes – Erwin Schrödinger-Preis

Seit 1999 zeichnen die Helmholtz-Gemeinschaft und der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft mit dem Erwin Schrödinger-Preis herausragende wissenschaftliche oder technisch innovative Leistungen aus, die in Grenzgebieten zwischen verschiedenen Fächern der Medizin, Natur- und Ingenieurwissenschaften erzielt worden sind und an denen Vertreter mindestens zweier Fachrichtungen mitgewirkt haben. Der Preis wird jährlich abwechselnd vom Stifterverband und der Helmholtz-Gemeinschaft dotiert. Über das Preisgeld von 50.000 Euro können die Preisträger frei verfügen. Der Preis wird jährlich im Rahmen der Helmholtz-Jahrestagung offiziell übergeben.

Zu den Preisträgern

Prof. Klaus-Butterbach-Bahl war wissenschaftlicher Leiter des Projekts und ist Experte auf dem Gebiet der Modellierung von globalen Umweltveränderungen sowie der Identifizierung und Charakterisierung von mikrobiellen Prozessen. Er leitet die Abteilung „Bio-geochemische Prozesse“ am Institut für Meteorologie und Klimaforschung – Atmosphärische Umweltforschung (IMK – IFU) des zur Helmholtz-Gemeinschaft gehörenden Karlsruher Instituts für Technologie.

Prof. Xunhua Zheng ist eine weltweit anerkannte Forscherin im Bereich der Quantifizierung von Treibhausgasen aus landwirtschaftlichen Ökosystemen in China. Sie ist Professorin an der Chinese Academy of Sciences (CAS) und Mitarbeiterin am Institut für Physik der Atmosphäre des CAS. Zheng war mit ihrer Arbeitsgruppe maßgeblich an der Quantifizierung der Lachgasflüsse in diesem Projekt beteiligt.

Prof. Nicolas Brüggemann hat das Projekt mitinitiiert und war an allen Aktivitäten – auch vor Ort – beteiligt. Er ist seit 2010 Professor für Terrestrische Biogeochemie an der Universität Bonn und Leiter der Gruppe „Plant-Soil-Atmosphere Exchange Processes“ am Institut für Bio- und Geowissenschaften – Agrosphäre (IBG-3) des Forschungszentrums Jülich, das ebenfalls zur Helmholtz-Gemeinschaft gehört. Zum Zeitpunkt der Studie war er Gruppenleiter am Institut für Meteorologie und Klimaforschung – Atmosphärische Umweltforschung (IMK – IFU) des Karlsruher Instituts für Technologie.

Dr. Michael Dannenmann ist ein international anerkannter Experte für die Identifizierung und Quantifizierung der mikrobiellen Prozesse in Stickstoff- und Kohlenstoff-Produktion, Verbrauch und -Emission. Er ist stellvertretender Leiter der Arbeitsgruppe „Regionalization of biogenic trace gas emissions” am Institut für Meteorologie und Klimaforschung – Atmosphärische Umweltforschung (IMK – IFU) des Karlsruher Instituts für Technologie und hat die mikrobiologischen Arbeiten im Projekt geleitet.

Dr. Benjamin Wolf war über den gesamten Beobachtungszeitraum der führende Wissenschaftler vor Ort in der Inneren Mongolei. Zum Zeitpunkt der Studie war er als Doktorand am Institut für Meteorologie und Klimaforschung – Atmosphärische Umweltforschung (IMK – IFU) des Karlsruher Instituts für Technologie angestellt. Derzeit ist er Postdoc am Swiss Federal Laboratories for Materials Science and Technology (EMPA).

Ansprechpartnerin für die Medien:

Saskia Blank
Kommunikation und Medien
Tel. 030 206 329-23
saskia.blank@helmholtz.de

Büro Berlin
Anna-Louisa-Karsch-Str. 2
10178 Berlin

Die Helmholtz-Gemeinschaft leistet Beiträge zur Lösung großer und drängender Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft durch wissenschaftliche Spitzenleistungen in sechs Forschungsbereichen: Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schlüsseltechnologien, Struktur der Materie sowie Luftfahrt, Raumfahrt und Verkehr. Die Helmholtz-Gemeinschaft ist mit fast 36.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in 18 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 3,8 Milliarden Euro die größte Wissenschafts-organisation Deutschlands. Ihre Arbeit steht in der Tradition des großen Naturforschers Hermann von Helm-holtz (1821-1894).

Jan-Martin Wiarda | Helmholtz-Gemeinschaft
Weitere Informationen:
http://www.helmholtz.de
http://www.helmholtz.de/socialmedia

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht ERC-Grants: Fünf neue Projekte an der LMU
11.08.2017 | Ludwig-Maximilians-Universität München

nachricht Krankheitserreger beim Reis blockieren
10.08.2017 | Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Im Focus: Exotic quantum states made from light: Physicists create optical “wells” for a super-photon

Physicists at the University of Bonn have managed to create optical hollows and more complex patterns into which the light of a Bose-Einstein condensate flows. The creation of such highly low-loss structures for light is a prerequisite for complex light circuits, such as for quantum information processing for a new generation of computers. The researchers are now presenting their results in the journal Nature Photonics.

Light particles (photons) occur as tiny, indivisible portions. Many thousands of these light portions can be merged to form a single super-photon if they are...

Im Focus: Wissenschaftler beleuchten den „anderen Hochtemperatur-Supraleiter“

Eine von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) geleitete Studie zeigt, dass Supraleitung und Ladungsdichtewellen in Verbindungen der wenig untersuchten Familie der Bismutate koexistieren können.

Diese Beobachtung eröffnet neue Perspektiven für ein vertieftes Verständnis des Phänomens der Hochtemperatur-Supraleitung, ein Thema, welches die Forschung der...

Im Focus: Tests der Quantenmechanik mit massiven Teilchen

Quantenmechanische Teilchen können sich wie Wellen verhalten und mehrere Wege gleichzeitig nehmen, um an ihr Ziel zu gelangen. Dieses Prinzip basiert auf Borns Regel, einem Grundpfeiler der Quantenmechanik; eine mögliche Abweichung hätte weitreichende Folgen und könnte ein Indikator für neue Phänomene in der Physik sein. WissenschafterInnen der Universität Wien und Tel Aviv haben nun diese Regel explizit mit Materiewellen überprüft, indem sie massive Teilchen an einer Kombination aus Einzel-, Doppel- und Dreifachspalten interferierten. Die Analyse bestätigt den Formalismus der etablierten Quantenmechanik und wurde im Journal "Science Advances" publiziert.

Die Quantenmechanik beschreibt sehr erfolgreich das Verhalten von Partikeln auf den kleinsten Masse- und Längenskalen. Die offensichtliche Unvereinbarkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

Sensibilisierungskampagne zu Pilzinfektionen

15.08.2017 | Veranstaltungen

Anbausysteme im Wandel: Europäische Ackerbaubetriebe müssen sich anpassen

15.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Neue Einblicke in die Welt der Trypanosomen

16.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Maschinensteuerung an Anwender: Intelligentes System für mobile Endgeräte in der Fertigung

16.08.2017 | Informationstechnologie

Komfortable Software für die Genomanalyse

16.08.2017 | Informationstechnologie