Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kleinste Nervenschäden erstmals sichtbar gemacht

18.03.2014

Heidelberger Wissenschaftler untersuchen mit Hilfe der Magnetresonanz-Tomographie die Entstehung krankhafter Veränderungen in Nervenfasern / Neuroradiologe Privatdozent Dr. Mirko Pham erhält Else Kröner Memorial-Stipendium über 200.000 Euro / Veröffentlichung in „Neurology“

Eine Zuckerkrankheit hinterlässt viele Schäden – auch an den Nerven. Die Patienten spüren Kribbeln oder Schmerzen in den Fingern oder Zehen und haben Probleme, sie zu bewegen. Wie kommt es dazu? Neuroradiologen des Universitätsklinikums Heidelberg um Privatdozent Dr. Mirko Pham ist es mit Hilfe hochauflösender Magnetresonanz-Tomographie (MRT) erstmals gelungen, Schäden an kleinsten Nervenfaserbündeln sichtbar zu machen.

Dr. Mirko Pham

Privatdozent Dr. Mirko Pham, Geschäftsführender Oberarzt der Abteilung Neuroradiologie, Radiologische Universitätsklinik Heidelberg

Universitätsklinikum Heidelberg

Nun wollen die Wissenschaftler weiter untersuchen, was sich bei Diabetes und bei anderen Nervenerkrankungen in den Nervenfasern verändert. Das wegweisende Projekt wird in den kommenden zwei Jahren von der Else Kröner Fresenius Stiftung mit insgesamt 200.000 Euro unterstützt. Ziel ist es, die Ursachen der bislang oft unheilbaren Nervenerkrankungen und damit Ansatzpunkte für künftige Therapien zu finden.

Erstmals möglich, Nervenschäden in frühem Stadium zu diagnostizieren

Krankhafte Veränderungen der Nerven in Armen und Beinen, sogenannte Polyneuropathien, sind sehr häufig: Rund die Hälfte aller Diabetes-Patienten, ca. 100.000 in Deutschland pro Jahr, leiden früher oder später unter Missempfindungen an Fingern, Zehen und Fußsohlen. Die Nervenschäden können u.a. auch als Nebenwirkung einer Chemotherapie, Folge von Alkoholmissbrauch, aufgrund genetischer Veranlagung oder aus ungeklärter Ursache auftreten.

Die genaue Diagnose ist schwierig: Auch wenn dem Patienten die Füße brennen, kann der eigentliche Schaden irgendwo entlang der langen Beinnerven liegen. Mit bisher eingesetzten Diagnosemethoden – z.B. wird die Geschwindigkeit der elektrischen Signalweitergabe innerhalb des Nervs erfasst – lassen sich bei vielen dieser Erkrankungen weder die genaue Stelle, an der die Nervenschädigung ihren Ausgang nimmt, noch Ursache oder Entstehungsmechanismus ermitteln.

Die erste Hürde dieses Problems hat die Heidelberger Arbeitsgruppe „Magnetresonanz-Neurographie“ bereits erfolgreich genommen: Sie zeigte, dass mit hochauflösender Magnetresonanztomographie Nervenschäden auf der Ebene der feinen Nervenfaserbündel, aus denen sich ein Nerv zusammensetzt und die unter einem Millimeter dünn sind, aufgespürt und im Bild sehr genau dargestellt werden können.

„Die MR-Neurographie eröffnet uns erstmals die Möglichkeit, Nervenschäden bereits beim Einsetzen der ersten Symptome zu diagnostizieren und den Ort der Schädigung zu identifizieren“, erklärt Privatdozent Dr. Mirko Pham, Geschäftsführender Oberarzt der Abteilung Neuroradiologie, Radiologische Universitätsklinik. „Wir hoffen, dass die Schäden in diesem frühen Stadium noch behandelbar sind.“ Bisher können häufig nur schmerzhafte Symptome der Nervenerkrankungen behandelt werden.

Nerv ist meistens nicht eingeklemmt

Eine derart genaue Abbildung geschädigter Nervenfaserbündel kann direkte Auswirkungen auf die Therapie haben, wie die Arbeitsgruppe um Pham in einer Studie zeigte, die aktuell im Fachmagazin „Neurology“ publiziert wurde: Dazu untersuchten sie 20 Patienten mit einer seltenen Nervenerkrankung im Arm (Kiloh-Nevin-Syndrom). Bei den Betroffenen ist u.a. die Feinmotorik von Daumen und Zeigefinger gestört.

Als eine mögliche Ursache wurde bisher ein eingeklemmter Nerv am Unterarm vermutet und die Erkrankung daher operativ behandelt. Der Nerv im Unterarm wurde freigelegt und die mutmaßliche Engstelle geweitet. Die Heidelberger Studie zeigte: Das Problem liegt im Oberarm, wo kleinste Nervenfasern geschädigt sind. „Eine Operation am Unterarm hilft dann selbstverständlich nicht“, so Pham. „Außerdem ergab die MR-Neurographie, dass der Nerv nicht eingeklemmt ist, sondern wahrscheinlich eine Entzündung die Störungen verursacht.“

In dem geförderten Projekt untersucht die Arbeitsgruppe nun mit Hilfe der Magnetresonanztomographie die Entstehungsmechanismen von Nervenschäden: Sind Durchblutungsstörungen des Nervs Ursache oder Folge? Welche Rolle spielen Entzündungen? Zudem wollen die Wissenschaftler Stoffwechselveränderungen im Nerv in möglichst frühen Stadien der Erkrankung oder bei Risikogruppen wie Diabetes-Patienten noch vor den ersten Symptomen erfassen. „Erst wenn wir die Anfänge der Polyneuropathien besser verstehen, lassen sich gezielt neue Therapieansätze, Methoden der Früherkennung oder vorbeugende Maßnahmen entwickeln“, sagt der Neuroradiologe. Der Fokus soll dabei zunächst auf den häufigen Nervenschäden bei Diabetes liegen.

Literatur:
Pham et al.: Anterior interosseus nerve syndrome: Fascicular motor lesions of median nerve trunk. Neurology 2014 Feb 18; 82(7):598-60.

Kontakt:
Priv.Doz. Dr. Mirko Pham
Geschäftsführender Oberarzt
Abteilung Neuroradiologie
Radiologische Universitätsklinik Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 75 66 (Sekr.)
E-Mail: Mirko.Pham@med.uni-heidelberg.de

Weitere Informationen:

http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/MR-Neurographie.116270.0.html MR-Neurographie
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Willkommen.112254.0.html Abteilung Neuroradiologie in der Radiologischen Universitätsklinik Heidelberg

Dr. Annette Tuffs | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht »Die Oberfläche 2018« – Fünf Nominierungen gehen in die Endrunde
18.05.2018 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

nachricht DFG fördert Entwicklung innovativer Forschungssoftware an der Universität Bremen
17.05.2018 | Universität Bremen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: GRACE Follow-On erfolgreich gestartet: Das Satelliten-Tandem dokumentiert den globalen Wandel

Die Satellitenmission GRACE-FO ist gestartet. Am 22. Mai um 21.47 Uhr (MESZ) hoben die beiden Satelliten des GFZ und der NASA an Bord einer Falcon-9-Rakete von der Vandenberg Air Force Base (Kalifornien) ab und wurden in eine polare Umlaufbahn gebracht. Dort nehmen sie in den kommenden Monaten ihre endgültige Position ein. Die NASA meldete 30 Minuten später, dass der Kontakt zu den Satelliten in ihrem Zielorbit erfolgreich hergestellt wurde. GRACE Follow-On wird das Erdschwerefeld und dessen räumliche und zeitliche Variationen sehr genau vermessen. Sie ermöglicht damit präzise Aussagen zum globalen Wandel, insbesondere zu Änderungen im Wasserhaushalt, etwa dem Verlust von Eismassen.

Potsdam, 22. Mai 2018: Die deutsch-amerikanische Satellitenmission GRACE-FO (Gravity Recovery And Climate Experiment Follow On) ist erfolgreich gestartet. Am...

Im Focus: Faserlaser mit einstellbarer Wellenlänge

Faserlaser sind ein effizientes und robustes Werkzeug zum Schweißen und Schneiden von Metallen beispielsweise in der Automobilindustrie. Systeme bei denen die Wellenlänge des Laserlichts flexibel einstellbar ist, sind für spektroskopische Anwendungen und die Medizintechnik interessant. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT) haben, im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekts „FlexTune“, ein neues Abstimmkonzept realisiert, das erstmals verschiedene Emissionswellenlängen voneinander unabhängig und zeitlich synchron erzeugt.

Faserlaser bieten im Vergleich zu herkömmlichen Lasern eine höhere Strahlqualität und Energieeffizienz. Integriert in einen vollständig faserbasierten...

Im Focus: LZH zeigt Lasermaterialbearbeitung von morgen auf der LASYS 2018

Auf der LASYS 2018 zeigt das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) vom 5. bis zum 7. Juni Prozesse für die Lasermaterialbearbeitung von morgen in Halle 4 an Stand 4E75. Mit gesprengten Bombenhüllen präsentiert das LZH in Stuttgart zudem erste Ergebnisse aus einem Forschungsprojekt zur zivilen Sicherheit.

Auf der diesjährigen LASYS stellt das LZH lichtbasierte Prozesse wie Schneiden, Schweißen, Abtragen und Strukturieren sowie die additive Fertigung für Metalle,...

Im Focus: Achema 2018: Neues Kamerasystem überwacht Destillation und hilft beim Energiesparen

Um chemische Gemische in ihre Einzelbestandteile aufzutrennen, ist in der Industrie die energieaufwendige Destillation gängig, etwa bei der Raffinerie von Rohöl. Forscher der Technischen Universität Kaiserslautern (TUK) entwickeln ein Kamerasystem, das diesen Prozess überwacht. Dabei misst es, ob es zu einer starken Tropfenbildung kommt, was sich negativ auf die Trennung der Komponenten auswirken kann. Die Technik könnte hier künftig automatisch gegensteuern, wenn sich Messwerte ändern. So ließe sich auch Energie einsparen. Auf der Prozesstechnik-Messe Achema in Frankfurt stellen sie die Technik vom 11. bis 15. Juni am Forschungsstand des Landes Rheinland-Pfalz (Halle 9.2, Stand A86a) vor.

Bei der Destillation werden Flüssigkeiten durch Verdampfen und darauffolgende Kondensation des Dampfes in ihre Bestandteile getrennt. Ein bekanntes Beispiel...

Im Focus: Vielseitige Nanokugeln: Forscher bauen künstliche Zellkompartimente als molekulare Werkstatt

Wie verleiht man Zellen neue Eigenschaften ohne ihren Stoffwechsel zu behindern? Ein Team der Technischen Universität München (TUM) und des Helmholtz Zentrums München veränderte Säugetierzellen so, dass sie künstliche Kompartimente bildeten, in denen räumlich abgesondert Reaktionen ablaufen konnten. Diese machten die Zellen tief im Gewebe sichtbar und mittels magnetischer Felder manipulierbar.

Prof. Gil Westmeyer, Professor für Molekulare Bildgebung an der TUM und Leiter einer Forschungsgruppe am Helmholtz Zentrum München, und sein Team haben dies...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungen

„Data Science“ – Theorie und Anwendung: Internationale Tagung unter Leitung der Uni Paderborn

18.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Rotierende Rugbybälle unter den massereichsten Galaxien

23.05.2018 | Physik Astronomie

Invasive Quallen: Strömungen als Ausbreitungsmotor

23.05.2018 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Matrix-Theorie als Ursprung von Raumzeit und Kosmologie

23.05.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics