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„Das kesselt“: DBU-Projektpartner erhält Schmidt-Römhild Technologiepreis

03.12.2009
Kieler Motorenentwickler Neander Motors wird geehrt – DBU gibt 330.000 Euro für weitere Projekt-Planung

Der mit 10.000 Euro dotierte Schmidt-Römhild Technologiepreis 2009 des schleswig-holsteinischen Wirtschaftsministeriums ist heute an das Kieler Unternehmen Neander Motors verliehen worden. Die Firma wurde in Lübeck für die Entwicklung einer neuen Generation effizienter und vibrationsarmer Diesel-Motoren für Motorräder geehrt.

„Zu dem Preis gratuliere ich dem Unternehmen sehr herzlich. Zeigt er doch, dass mittelständische Unternehmen und ihr Ideenreichtum überall gebraucht und gewürdigt werden“, sagte Dr. Fritz Brickwedde, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), anlässlich der Preisverleihung. Zentrales Element der neuen Technik ist die doppelte Kurbelwelle, mit der eine neue Generation sparsamer und umweltfreundlicher Hochleistungs-Dieselmotoren entwickelt wurde. Mit einer DBU-Finanzspritze von 330.000 Euro arbeitet Neander Motors nun daran, die Vorteile ihrer Technologie auch auf die Druckluftsysteme von Bussen und Lkw zu übertragen und so die Umwelt zu schonen.

Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Jost de Jager führte in seiner Laudatio auf Neander Motors aus, dass am Anfang „die Vision eines leistungsstarken, aber fahrbaren Diesel-Motorrades“ gestanden habe. Im Ergebnis existiere ein neues effizientes Dieselmotorenkonzept für Motorräder. Er würdigte die geplante Übertragung des Konzeptes auf Busse und Lkw: Ziel des von der DBU geförderten Projektes sei es, Druckluftkompressoren für Lkw- oder Busse „trocken“, also ohne Öl, laufen zu lassen. De Jager hob hervor, dass „Freude an leistungsstarken Motoren durchaus nicht dem Gedanken von Energieeffizienz und Umweltschutz widerspricht.“

Dabei fing die Entwicklung der Neander Motors eher weniger wissenschaftlich-technisch an. Denn bei Projektstart war das Neander-Führungsteam verantwortlich tätig für die Vermarktung von Deutschlands erfolgreichster Comicfigur: „Werner“. Der Zeichner Rötger „Brösel“ Feldmann hatte in den Neunziger Jahren mit seinem motorradverrückten

Klempnerlehrling „Werner“ für Lachanfälle bei Kinogängern und Comicfans gesorgt. Knatternde Maschinen, die, mit verrückten Zusatzteilen ausgestattet, nicht selten Probleme mit dem TÜV hatten, waren auch für das Comic-Team im Achterbahn Verlag, der Heimat von „Brösel“, ein Hobby. Ein Teil der Verlagsmitarbeiter wechselte Ende 2002 vom Schreibtisch in die Werkstatt, um es „Werner“ gleich zu tun und ein eigenes Motorrad zu entwickeln. Die Neander Motors wurden gegründet und entwickelte in den folgenden Jahren das weltweit erste Turbo-Diesel-Motorrad. Technisches Herzstück sei dabei die doppelte Kurbelwelle, die es ermöglicht, sehr leistungsstarke Motoren ungewohnt kompakt, leicht, sparsam und vor allem völlig vibrationsfrei laufen zu lassen.

Auf diesem Prinzip baue das DBU-geförderte Projekt nun auf, so Brickwedde. Anders als bei normalen Personenwagen funktionierten die Bremsen in Bussen und Lkw mit Druckluft, nicht mit Bremsflüssigkeit. Hier liege das Umweltproblem: Da die Druckluftkompressoren geschmiert werden, gelange Öl über die Druckluft auch in die Umgebung. „Das Konzept mit der doppelten Kurbelwelle von Neander Motors eröffnet die Perspektive, dass die Druckluftkompressoren auch in diesen Anwendungen ölfrei funktionieren“, sagte Brickwedde. „Die Technik von Neander Motors kann damit dazu beitragen, die Umwelt in großem Stil zu entlasten. Verfahrensbedingt gelangen heute nennenswerte Mengen Schmieröl über das Druckluftsystem an die Umwelt. Dies kann durch einen ölfreien Kompressor vermieden werden.“ Darüber hinaus könne der Filter nicht verölen, müsse seltener gewartet werden und könne länger ohne Unterbrechung arbeiten, was sich auch positiv auf die Betriebskosten auswirke.

Zudem eröffne das Konzept die Möglichkeit, die Druckluftförderung der Kompressoren mit geringem technischem Aufwand abzuschalten, werde doch bei der Fahrt eines Lkw die Kompressorleistung erfahrungsgemäß nur zu 15 Prozent der Zeit benötigt. Brickwedde: „Ein technologisch fortschrittliches Konzept zeichnet sich durch die Möglichkeit einer Abschaltung aus. Allein dadurch kann ein Lkw bis zu 900 Liter Diesel im Jahr sparen.“ Das entspreche etwa dem Heizwärmebedarf eines durchschnittlichen Einfamilienhauses im Jahr. Einmal mehr könne so gezeigt werden, dass Umweltschutz und Ökonomie keine Gegensätze sein müssten.

Der Schmidt-Römhild Technologiepreis des Ministers für Wissenschaft, Wirtschaft und Verkehr und des Verlagshauses Schmidt-Römhild wird seit 1987 an kleine und mittelständische Unternehmen verliehen. Er zeichnet das Innovationspotenzial, die Umwelt- und Energieauswirkungen, die Entwicklungs- und Anwendungsbreite sowie den zukunftsweisenden Charakter und den volkswirtschaftlichen Wert der Neuheit aus. Neben der Neander Motors AG erhalten zwei weitere Unternehmen eine Auszeichnung.

Franz-Georg Elpers | DBU
Weitere Informationen:
http://www.dbu.de

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